Repurposing

Medikamente zur Hemmung von SARS-CoV-2 identifiziert

Robert Klatt

Wissenschaftler haben durch das Repurposing (Neupositionierung) von Medikamenten Wirkstoffe gefunden, die die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen.

Hamburg (Deutschland). In der Medizin bezeichnet der Begriff „Repurposing“ eine Neupositionierung von Medikamenten, also die Verwendung eines Wirkstoffs für einen zuvor nicht vorgesehenen Einsatzzweck. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das Medikament Semaglutid, das eigentlich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurde, sich dann aber als wirksames Mittel gegen Übergewicht herausstellte.

Im Vergleich zu komplett neuen Wirkstoffen bietet das Repurposing den großen Vorteil, dass bereits präklinische und häufig auch klinische Studiendaten vorliegen. Die Zulassung des Medikaments zur Behandlung einer weiteren Krankheit kann deshalb deutlich schneller erfolgen als bei komplett neuen Medikamenten. Überdies existieren für neupositioniere Medikamente in der Regel bereits Produktionskapazitäten und Lieferketten, die die besonders bei sich schnell ausbreitenden Krankheiten wie Covid-19 notwendige Massenprodukten ohne lange Anlaufzeit ermöglichen.

Bernhard Ellinger: „Als Ergänzung zu den sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 stellt das Repurposing bestehender Medikamente eine pragmatische Strategie für die Behandlung von COVID-19-Patienten dar.“

Bekannte Medikamente gegen SARS-CoV-2

Forscher des Fraunhofer-Institutes für Translationale Medizin und Pharmakologie (ITMP) haben deshalb 5.632 Wirkstoffen darauf untersucht, ob sie die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen. Laut der im Fachmagazin scientific data publizierten Studie fand das Team um Bernhard Ellinger dabei 67 besonders aktive Module.

Antivirale Aktivität bekannter Wirkstoffe verifiziert

Um die Aktivität gegen SARS-CoV-2 zu verifizieren, untersuchten die Wissenschaftler diese Moleküle im Detail mithilfe einer humanem epithelialem kolorektalem Adenokarzinom-Zelllinie, die die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) dem ITMP bereitstellte.

Mehrere Wirkstoffe, die im ersten Screening die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen konnten, hatten in den Zellkulturen keinen Einfluss auf die Zytopathizität des Virus.

Bernhard Ellinger: „Mehrere Medikamente, die in unserem primären Screening antivirale Aktivität zeigten, haben in früheren Studien keinen Einfluss auf die Zytopathizität von SARS-CoV-2 gezeigt, hemmen aber nachweislich andere Viren.“

Bei einem Teil der 67 aktiven Moleküle aus dem ersten Screening wurde jedoch auch in den Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung festgestellt. Der Ansatz des ITMP ist demnach grundsätzlich dafür geeignet, um Medikamente gegen SARS-CoV-2 zu finden.

Bernhard Ellinger: „Wir verifizierten die Fähigkeit der bekannten Inhibitoren Camostat, Nafamostat, Lopinavir, Mefloquin, Papaverin und Cetylpyridinium, die zytopathischen Effekte von SARS-CoV-2 zu reduzieren, was die Validi­tät des Assays bestätigt.“

scientific data, doi: 10.1038/s41597-021-00848-4

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