Spermienqualität

Männer mit eingeschränkter Fruchtbarkeit haben höheres Krebsrisiko

 Robert Klatt

Unfruchtbare Männer erkranken öfter an Krebs )moc.sotohptisopedmoc.liamg@708506(Foto: © 

Unfruchtbare Männer haben eine deutlich geringere Lebenserwartung und erkranken öfter an verschiedenen Krebsarten, darunter Darm- und Schilddrüsenkrebs, also Krebs in Bereichen, die nichts mit der Fortpflanzung zu tun haben.

Lund (Schweden). Die Medizin untersucht erst relativ kurz, ob es einen Zusammenhang zwischen männlicher Unfruchtbarkeit oder geringer Spermienqualität und verschiedenen Krankheiten gibt. Laut den bisher publizierten Studien erkranken betroffene Männer öfter an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen.

„Die Fortpflanzungsfähigkeit ist mit der genetischen Ausstattung eines Menschen verbunden. Eine Theorie besagt, dass wenn auf genetischer Ebene etwas nicht stimmt – was sich beispielsweise in einer verminderten Spermienqualität äußern kann – auch andere Systeme im Körper betroffen sein könnten, wodurch sich das Krankheitsrisiko erhöht.“

Unfruchtbare Männer erkranken zudem öfter an Hoden- und Prostatakrebs und haben eine insgesamt kürzere Lebenserwartung. Am höchsten ist das Risiko bei Männern, deren Samenflüssigkeit keine Spermien enthält, während Männer mit hoher Spermienqualität am längsten leben. In der Forschung wird deshalb zunehmend diskutiert, ob die Fruchtbarkeit bei Männern ein Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand ist. Forscher der Universität Lund haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob die Fruchtbarkeit bei Männern nur mit Hoden- und Prostatakrebs zusammenhängt oder noch mit weiteren Krebsarten.

„Frühere Studien haben gezeigt, dass Männer mit stark eingeschränkter Fruchtbarkeit ein erhöhtes Risiko für Hoden- und Prostatakrebs haben. Deshalb wollten wir untersuchen, ob auch ein Zusammenhang mit anderen Krebsarten besteht.“

Gesundheitsdaten von 1,1 Millionen Männern

Die Studie basiert auf Gesundheitsdaten von 1,1 Millionen Männern, die im Zeitraum von 1994 bis 2014 erstmals Vater wurden. 14.540 der Probanden haben ihr Kind bei intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI), einer Form der künstlichen Befruchtung, bei der ein einziges, ausgewähltes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert wird, gezeugt. ICSI wird fast ausschließlich bei Männern mit Unfruchtbarkeit eingesetzt.

Die Daten haben die Forscher anschließend mit dem nationalen Krebsregister abgeglichen. Sie konnten so belegen, dass Männer, die mithilfe von ICSI Vater wurden, also unfruchtbar waren, ein deutlich erhöhtes Risiko für Darm- und Schilddrüsenkrebs haben.

„Es zeigte sich, dass sie im Vergleich zu Männern, die auf natürlichem Wege Vater wurden, ein nahezu doppelt so hohes Risiko für Darmkrebs und ein dreifach erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs haben.“

Wie die Forscher erklären, ist das Krebsrisiko in dieser Altersgruppe allgemein gering. Unfruchtbare Männer erkranken also trotz des im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich höheren Risikos selten an Krebs.

„Die meisten Männer, die sich einer Fruchtbarkeitsuntersuchung unterziehen, sind zwischen 30 und 35 Jahre alt. Ziel ist es, ihnen zu helfen, Vater zu werden, eine anschließende gesundheitliche Nachverfolgung findet jedoch nicht statt. Diese Ergebnisse sind aus Sicht der öffentlichen Gesundheit besonders relevant, da Darm- und Schilddrüsenkrebs bei jüngeren Menschen zunehmen. Durch frühzeitige Untersuchungen könnten diese Krebsarten möglicherweise verhindert werden.“

Die Forscher möchten in kommenden Studien Biomarker, genetische Veränderungen und andere Faktoren, die das Krebsrisiko bei den betroffenen Männern erhöhen könnten, ermitteln, um die Risikogruppen genauer eingrenzen zu können.

Quellen:

Pressemitteilung der Universität Lund

Studie im Fachmagazin European Journal of Epidemiology, doi: 0.1007/s10654-026-01368-4

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