Leichtathleten

Künstliche Intelligenz prognostiziert Leistungsverlust von Sportlern

Robert Klatt

Ein neues Berechnungsmodell prognostiziert präzise den Leistungsverlust von Sportlern bis in das hohe Alter.

Saarbrücken (Deutschland). Eine Arbeitsgruppe um Bergita Ganse, Stiftungsprofessorin für innovative Implantatentwicklung an der Universität des Saarlandes hat ein Berechnungsmodell entwickelt, das den körperlichen Abbau von Menschen im Alter bestimmen soll. „Wir haben uns gefragt, ob es uns gelingen kann, die Leistungsfähigkeit eines Sportlers bis ins Seniorenalter hinein prognostizieren zu können, und zwar mit einer einzigen Messung“, erklärt Ganse.

Laut der Publikation im Fachmagazin Geroscience trainierten die Wissenschaftler dazu eine Künstliche Intelligenz (KI) mit Daten von fast 5.000 schwedischen Leichtathleten, deren Leistungen in der Swedish Veteran Athletics Datenbank zwischen 1901 und 2021 dokumentiert wurden.

21.000 Datenpunkte

Insgesamt konnten die Wissenschaftler für ihre Studie 21.000 Datenpunkte verwenden. Im Mittel waren von jedem Sportler also vier Messdaten vorhanden. Berücksichtigt wurden ausschließlich Laufdisziplinen, weil sich bei anderen Disziplinen wie Speer- oder Diskuswurf das Gewicht der Wurfgeräte je nach Alter der Sportler ändert. Dies erschwert die Vergleichbarkeit und würde eine Prognose des Leistungsabfalls im Alter ungenauer machen. „Läufer hingegen laufen 100, 200, 800 Meter, egal, ob sie 23, 40 oder 70 Jahre alt sind“, so die Autoren.

Leistungsverlust präzise vorhergesagt

Wie Ganse erklärt, ist es den Wissenschaftlern als zentrales Ergebnis der Studie gelungen, ein Modell zu entwickeln, das den Leistungsabfall der Sportler bis ins Seniorenalter mit hoher Genauigkeit vorhersagt. Die dabei erreichte Präzision ist deutlich höher als bei älteren Modellen, die in den meisten Fällen auf einem linearen Abfall der Leistungsfähigkeit basieren.

„Überrascht hat uns dabei die Feststellung, dass Athleten, die sehr leistungsstark und jung waren, relativ gesehen am meisten Leistungsabfall zu verzeichnen hatten, was auch auf ältere Athleten mit geringerer Ausgangsleistung zutrifft. Die niedrigste Abnahmerate haben wir bei leistungsstarken Athleten mit hohem Ausgangsalter festgestellt“, erklärt Ganse

Training im hohen Alter lohnt sich

Die Studie zeigt überdies, dass Menschen auch im höheren Alter noch mit Sport anfangen sollten. Personen, die in ihrer Disziplin in fortgeschrittenerem Alter eine gute Zeit liefen, waren mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im noch höheren Alter deutlich leistungsfähiger als ihr Altersdurchschnitt. „Es lohnt sich auch im fortgeschrittenen Alter noch, mit dem Sporttreiben anzufangen“, konstatieren die Wissenschaftler.

Geroscience, doi: 10.1007/s11357-021-00411-4

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