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Nachgewiesen

Koffein hilft bei chronischem Stress

In Phasen von ständigem und chronischem Stress greifen viele Menschen vermehrt zum Kaffeebecher. Das könnte tatsächlich klüger sein, als bisher angenommen, denn Koffein, beziehungsweise gesteigerter Koffein-Konsum scheint einige der negativen Begleiterscheinungen von chronischem Stress reduzieren zu können. Darunter erhebliche Unannehmlichkeiten wie Depressionen und Gedächtnisverlust. In einer kürzlich im „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlichten Studie haben sich Wissenschaftler tiefgehend mit den Auswirkungen von Koffein auf das Gehirn auseinandergesetzt und dabei ein Protein ausgemacht, welches ein potentielles Behandlungsziel gegen die Symptome von langfristigem Stress sein könnte.

Bonn (Deutschland). Chronischer und unvorhersehbarer Stress wirkt sich direkt auf die neuralen Schaltkreise im Hippocampus aus und hinterlässt dort seine Spuren. Er senkt die Stimmung, reduziert die Leistungsfähigkeit des Gedächtnis und erhöht die Empfänglichkeit für Depressionen deutlich. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler beobachteten die Auswirkungen direkt an Labormäusen. Die Tiere wurden über lange Zeiträume chronischem und unvorhersehbarem Stress aufgesetzt: Rütteln an den Käfigen, Geräusche von Raubtieren, feuchten Sägemehl, Umsiedlung in leer Käfige und plötzliche Umkehrung des Schlafzyklus. Genau wie es Menschen ergeht, die chronischem Stress ausgesetzt sind, waren die Symptome bei den Mäusen schnell erkennbar. Sie verloren an Gewicht und ihre Gedächtnis litten erheblich. Die Mäuse wirkten schnell verloren und hilflos und reagierten nicht mehr auf Stimuli, bei den Tieren ein sicheres Zeichen für eine beginnende Depression.

Den Mäusen wurde dann aber Koffein unter ihr Trinkwasser gemischt. Anstatt, wie sonst, die Spuren des chronischen Stress deutlich sichtbar zu tragen, vertrugen die Mäuse mit Koffein den Stress deutlich besser. Die depressiven Symptome wurden schwächer und die Gedächtnisleistung der Tiere, gemessen durch Aufgaben in Labyrinthen, war hervorragend.

Die positive Wirkung des Koffein

Koffein dockt an ein bestimmtes Protein namens Adenosinerezeptor an und genau deswegen nahmen die Wissenschaftler um Forschungsleiterin Manuella Kaster die Veränderungen im Adenosine A1 und Adenosine A2A durch chronischen Stress genau unter die Lupe. Dabei wurde deutlich, dass der A2A Rezeptor unter Stress vermehrt produziert wird und dadurch einen Kettenreaktion auslöst, die schlussendlich die eigentlichen Stresssymptome verursacht. Koffein wiederum dockt an genau diesem Rezeptor an und verhindert dadurch den „stressigen“ Reaktionsablauf. „Wurde in den Mäusen das Gen, das den Rezeptor A2A codiert, stumm geschaltet oder wurde der Rezeptor durch Koffein oder spezifische A2A-Hemmer blockiert, dann klangen die Beschwerden durch den anhaltenden Stress ab“, berichtet Co-Leiterin der Studie Christa Müller von der Universität Bonn.

Ersatzstoff ohne negative Nebenwirkung

Aller Wahrscheinlichkeit nach wirkt Koffein bei Menschen sehr ähnlich, hat aber auch negative Auswirkungen auf den Blutdruck und das Schlafverhalten. Um diese negativen Effekte zu umgehen haben die Wissenschaftler zum einen bei Mäusen die A2A Rezeptoren komplett genetisch entfernt. Ein Vorgang, der beim Menschen sicherlich nicht ohne gravierende Nebenwirkungen vollzogen werden könnte. Zum anderen wurde aber eine Chemikalie entwickelt, die ähnlich des Koffeins wirkt und ebenfalls erfolgreich die A2A Rezeptoren blockiert und die positiven Begleiterscheinungen des Koffeins bei den Testmäusen hervorrief. „Die Substanz ist dem Koffein sehr ähnlich, hat aber weniger Nebenwirkungen", berichtet Müller. "Sie blockiert ausschließlich die A2A-Rezeptoren und wirkt deutlich stärker als das Koffein."

Ob sich diese Substanz zur Behandlung von Stress und Stressfolgen beim Menschen eignet, sollen nun weitere Studien belegen.

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