SARS-CoV-2

Infektionsschutz durch Klarsichtmasken?

Robert Klatt

Klarsichtmasken überzeugen vor allen durch einen hohen Tragekomfort. Doch wie gut ist der Infektionsschutz im Vergleich zu chirurgischen Masken aus Stoff?

München (Deutschland). Chirurgische Masken, auch bekannt als Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder Alltagsmasken, schützen den Träger zwar kaum vor einer SARS-CoV-2-Infektion, können die Infektionen durch den Schutz anderer Personen aber trotzdem deutlich reduzieren. In den letzten Monaten haben sich als Alternative zu Stoffmasken noch sogenannte Klarsichtmasken aus Kunststoff etabliert, bei denen ein großer Spalt zwischen dem Gesicht und der Maske offenbleibt.

Die Hersteller dieser Masken bewerben ihre Produkte vor allem mit einem höheren Tragekomfort und einer besseren Erkennbarkeit des Gesichts. Viele Experten aus der Forschung sehen das Maskendesign jedoch kritisch, weil die Schutzwirkung nur minimal sein soll.

Schutzwirkung von Klarsichtmasken untersucht

Wissenschaftler der Hochschule München um Prof. Dr. Christian Schwarzbauer haben nun die Schutzwirkung einer Klarsichtmaske eines süddeutschen Herstellers im BioMedLab analysiert. Benutzt wurden für die Untersuchung der Schutzwirkung realitätsnahe Szenarien, die häufig im Einzelhandel, öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen und Büros auftreten.

Schwarzbauer: „Wir haben uns für dieses Modell entschieden, weil es sehr verbreitet ist und zunehmend auch in Schulen und Kitas zum Einsatz kommt.“

Szenario 1: Proband atmet im Sitzen durch die Nase

Im ersten Szenario sitzt der Proband und atmet durch die Nase aus. Dabei strömen die möglicherweise infektiösen Aerosole wie vom Hersteller beworben entlang des Körpers zum Boden. Durch eine Umlenkung kommt es dann aber dazu, dass sich die Aerosole unmittelbar vor dem Träger der Klarsichtmaske ausbreiten.

Eine Person, die dem Träger gegenübersitzen würde, wäre damit den ausgeatmeten Aerosolen fast vollständig ausgesetzt. Eine Schutzwirkung existiert in dieser Situation durch die Klarsichtmaske also kaum. Verantwortlich für diese Ausbreitung sind die typischen Temperaturunterschiede zwischen der Raumluft und der ausgeatmeten Luft.

Szenario 2: Proband hustet beim Laufen in einem Raum

Im zweiten Szenario breiten sich die Aerosole noch stärker aus. Mehrfaches Husten sorgt für eine stark belastete Aerosolwolke, die sich innerhalb von Sekunden durch den Raum ausbreitet. Personen in der Umgebung des Trägers der Klarsichtmaske würden somit vor allem im Bereich des Oberkörpers und des Gesichts von Aerosolen getroffen werden.

Klarsichtmasken praktisch ohne Wirkung

Die Pilotstudie zeigt somit deutlich, dass das Maskendesign praktisch keinen Schutz bietet. Inzwischen hat die Landesregierung von Bayern laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunk (BR) auf diese Situation reagiert und  die umstrittenen Klarsichtmasken als Ersatz für einen MNS aus Stoff verboten.

Prof. Dr. med. Christian Hanshans: „Vor allem in geschlossenen Räumen, wie zum Beispiel in Schulen, Kitas, Büros oder öffentlichen Verkehrsmitteln, ist von der Verwendung solcher Masken dringend abzuraten.“

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