Sinnvolle Einschränkung?

Maskenpflicht reduziert SARS-CoV-2-Infektionen um mehr als 25 Prozent

Robert Klatt

Eine generelle Maskenpflicht im öffentlichen Raum reduziert SARS-CoV-2-Infektionen deutlich. Noch wirksamer ist laut einer Computersimulation nur ein vollständiger Lockdown des sozialen Lebens und der Wirtschaft.

Burnaby (Kanada). In 34 Regionen der kanadischen Provinz Ontario wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Covid-19-Pandemie der Bevölkerung die Nutzung einer Mund-Nase-Bedeckung von der Regierung vorgeschrieben. In zehn weiteren Provinzen konnte die Bevölkerung hingegen selbst entscheiden, ob sie in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen möchte. Nun hat ein Team um den Ökonomen Alexander Karaivanov von der Simon Fraser University in Burnaby bei Vancouver untersucht, ob die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung tatsächlich die Infektionszahlen beeinflussen.

Laut der vom National Bureau of Economic Research (NBER) publizierten Studie reduzierte die im Juli und August eingeführte Maskenpflicht die Anzahl der diagnostizierten Covid-19-Neuinfektionen je nach Region in Ontario um 25 bis 31 Prozent. Ohne die Maskenpflicht wäre es laut den Wissenschaftlern hingegen zu einem deutlichen Anstieg der Neuinfektionen gekommen.

46 Prozent weniger Covid-19-Neuinfektionen

In einigen kanadischen Provinzen gingen Neuinfektionen laut den Studienergebnissen sogar um 36 bis 46 Prozent zurück, obwohl trotz der Maskenpflicht nicht alle Einwohner in der Öffentlichkeit einen MNS nutzten. Eine Auswertung von Umfragedaten zeigt, dass trotz nicht rigoros durchgesetzter Maskenpflicht der Anteil der Personen mit MNS um 30 Prozent zunahm.

Eine frühzeitige und landesweite Maskenpflicht hätte laut einer Computersimulation der Wissenschaftler die Anzahl der Covid-19-Fälle Mitte August in Kanada um 25 bis 40 Prozent gesenkt. Dies entspricht 700 bis 1.100 weniger mit Covid-19-Patienten pro Woche.

Lockdown wirksamer als Maskenpflicht

Noch weniger Neuinfektionen wären laut der Computersimulation nur durch einen Lockdown möglich, der pro Woche zu 48 bis 57 Prozent weniger Neuinfektionen geführt hätte. Dazu wären aber deutliche Einschränkungen des sozialen Lebens und der Wirtschaft inklusive des Einzelhandels, Restaurants und Bars nötig, die das Leben deutlich stärker beeinflussen als eine Maskenpflicht.

Ein ähnliches Ergebnis liefert auch eine Berechnung des Teams von Prof. Klaus Wälde von der Universität Mainz, laut der Gesichtsmasken die täglichen Covid-19-Neuinfektionen in Deutschland um etwa 40 Prozent reduziert haben.

National Bureau of Economic Research, Working Paper 27891

Spannend & Interessant
VGWortpixel