Debaryomyces hansenii

Hefepilz verhindert bei Morbus Crohn Heilung des Darms

Robert Klatt

Der Hefepilz Debaryomyces hansenii verhindert bei Morbus Crohn die Wundheilung des Darms. Neue Therapien, die den Pilz bekämpfen, könnten das Leben von Patienten deutlich verbessern.

St. Louis (U.S.A.). Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn führen zu einer geschädigten Darmschleimhaut, die aufgrund chronischer Entzündungsprozesse nicht vollständig heilen kann. Bisher können Medikamente diese Entzündungen nur unterdrücken, Patienten mit diesen Krankheiten können aber noch nicht geheilt werden.

Wissenschaftler der Washington University School of Medicine (WUSM) haben jetzt untersucht, welchen Einfluss die gestörte Darmflora auf diese Krankheiten haben.

Antibiotika verringern gesundheitsfördernde Darmbakterien

Bei Menschen mit einer gesunden Darmflora erzeugen Bakterien wie Akkermansia muciniphila Stoffwechselprodukte, die die natürlichen Regenerationsprozesse unterstützen. Durch die Behandlung mit Antibiotika sinkt bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen die Anzahl der gesundheitsfördernden Darmbakterien stark und die Wundheilung wird beeinträchtigt.

Das Team um Umang Jain konnte dies laut ihrer Publikation im Fachmagazin Science auch bei Mäusen feststellen, deren verletzte Darmschleimhaut schlechter heilte, wenn sie mit mehreren Antibiotika behandelt wurden.

Hefepilze in entzündeten Darmabschnitten

Eine Untersuchung der entzündeten Darmabschnitte der Tiere zeigt, dass dafür der Hefepilz Debaryomyces hansenii verantwortlich sein könnte. Dieser Pilz wird auch in der Darmschleimhaut der meisten Morbus-Crohn-Patienten gefunden, ist aber nur bei jedem zehnten gesunden Menschen im Darm vorhanden.

Eine erhöhte Anzahl Debaryomyces hansenii-Hefen führt in den betroffenen Darmabschnitten zu einer Produktion des entzündungsfördernden Botenstoffs CCL5 durch Makrophagen. Laut der Studie kann das Antimykotikum Amphotericin B die Keimanzahl der problematischen Hefepilze verringern und die Wundheilung der Darmschleimhaut dadurch unterstützten. Weitere Hefepilze wie Saccharomyces cerevisiae oder Candida-Arten behindern die Wundheilung hingegen nicht.

Thaddeus Stappenbeck: „Unsere Arbeit unterstützt die Annahme, dass Debaryomyces hansenii für gesunde Menschen ungefährlich ist, aber für Morbus-Crohn-Patienten problematisch sein könnte.“

Experimente mit genetisch veränderten Mäusen, bei denen die Bildung des Zytokin CCL5 unterdrückt war, zeigen, dass Debaryomyces hansenii die Wundheilung nicht mehr unterdrücken kann.

Antimykotische Medikamenten

Die Wissenschaftler konstatieren somit, dass eine neue Therapie gegen Morbus Crohn mit antimykotischen Medikamenten, die den Hefepilz Debaryomyces hansenii bekämpfen die Wundheilung unterstützten würde. Helfen könnten außerdem probiotischer Bakterien, die die Wundheilung fördern sowie eine Blockade des Zytokin CCL5.

Umang Jain: „Morbus Crohn ist grundsätzlich eine entzündliche Erkrankung. Selbst wenn wir also herausfänden, wie wir die Wundheilung verbessern könnten, würden wir die Krankheit nicht heilen. Aber bei Menschen mit Morbus Crohn verursacht die gestörte Wundheilung eine Menge Leid. Wenn wir zeigen können, dass die Verarmung dieses Pilzes im Körper der Betroffenen - entweder durch Ernährungsumstellung oder durch antimykotische Medikamente - die Wundheilung verbessern könnte, dann könnte dies die Lebensqualität auf eine Weise beeinflussen, die wir mit traditionelleren Ansätzen nicht erreichen konnten.“

Als mögliche Quellen für Debaryomyces hansenii-Hefengelten Käse und Fleischprodukte, auf die Personen mit Morbus Crohn laut der Studie also verzichten sollten.

Science, doi: 10.1126/science.abd0919

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