Hand-Augen-Koordination

Halbes Glas Bier kann Sehstörungen auslösen

Robert Klatt

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Die Hand-Augen-Koordination reagiert empfindlicher auf Alkohol als bisher angenommen. Die derzeitige Promillegrenze im Straßenverkehr ist demnach deutlich zu hoch.

Moffett Field (U.S.A.). In Deutschland liegt die Promillegrenze zum Führen von Kraftfahrzeugen bei 0,5. Lediglich bei einer auffälligen Fahrweise oder einer Gefährdung des Verkehrs können ab 0,3 Promille Sanktionen verhängt. Verkehrsteilnehmer, die ein kleines Bier oder einen Schnaps getrunken haben und kurz danach ins Auto steigen, sind daher eher eine Regel als eine Seltenheit.

Wissenschaftler des NASA Ames Research Center haben nun im The Journal of Physiology eine Studie publiziert, die belegt, dass die Promillegrenze deutlich zu hoch angesetzt ist. Laut der Pressemitteilung der Physiological Society sorgt bereits ein halbes Bier für Sehstörungen und verursacht dadurch Probleme mit der Hand-Augen-Koordination.

Augenbewegungen, Pupillenreaktion und Blutalkohol untersucht

An der Studie nahmen 16 Probandinnen und Probanden zwischen 20 und 30 Jahren teil. Diese konsumierten laut eigenen Angaben etwa zwei Drinks pro Woche. Während des Experiments erhielten die Teilnehmer in unregelmäßigen Abständen Getränke, mit einer für sie unbekannten Menge Alkohol. Die Promillewerte schwankten während des Experiments zwischen 0,2 und 0,6.

Um zu untersuchen, wie stark Alkohol die Hand-Augen-Koordination beeinflusst, mussten die Teilnehmer Punkte auf einem Computerbildschirm mit dem Auge verfolgen. Dabei beobachteten die Wissenschaftler der NASA die Pupillenreaktion, die Augenbewegungen und die Alkoholkonzentration im Blut.

Hand-Augen-Koordination reagiert empfindlich auf Alkohol

Die anschließende Analyse der Augenscans zeigt, dass die Hand-Augen-Koordination deutlich empfindlicher auf Alkohol reagiert als bisher von der Forschung angenommen wurde. Bei einem Teil der Probanden reichte bereits ein Blutalkohollevel von 0,15 Promille aus, um die Seh- und Reaktionsfähigkeit um 20 Prozent zu verschlechtern.  Bei einer Person mit 165 Pfund Gewicht (etwa 74 Kilogramm) reicht demnach bereits ein halbes Bier aus, um die Seh- und Reaktionsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Terence Tyson: „Unsere Ergebnisse sind ein warnendes Beispiel dafür, dass das subjektive Erleben von Trunkenheit oft nicht mit der Beeinträchtigung der sensomotorischen Koordination übereinstimmt. Mit anderen Worten, die meisten Menschen haben das Gefühl, dass sie nach einem Drink nicht betrunken sind, aber sie sind es bis zu einem gewissen Grad.“

Die Studie zeigt somit, dass die aktuell im Straßenverkehr zugelassene Promillegrenze in Deutschland deutlich zu hoch ist.

The Journal of Physiology, doi: 10.1113/JP280984.

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