Antiemetika

Häufig verwendete Medikamente erhöhen Schlaganfallrisiko

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Medikamente (Antiemetika) gegen Migräne, Übelkeit, Erbrechen und weiteren Leiden erhöhen das Schlaganfallrisiko
  • Besonders stark steigt das Risiko durch Antiemetika, die die Blut-Gehirn-Schranke überwinden

Drei Medikamente zur Behandlung von Migräne, Übelkeit, Erbrechen und weiteren Leiden erhöhen das Schlaganfallrisiko um mehr als das 3-fache.

Bordeaux (Frankreich). Laut einer Studie des französischen Gesundheitsforschungsinstituts INSERM und der Universität Bordeaux erhöhen antidopaminerge Antiemetika, die etwa zur Behandlung von Migräne, Übelkeit, Erbrechen und nach Operationen sowie bei Chemo- oder Strahlentherapien verabreicht werden, das Schlaganfallrisiko deutlich. Am höchsten ist laut der Publikation im British Medical Journal das Risiko in den Tagen unmittelbar nach der Antiemetikaeinnahme.

Untersucht wurden in der Studie die drei Antiemetikaeinnahme Domperidon, Metopimazin und Metoclopramid. Am stärksten beeinflussen das Schlaganfallrisiko davon Metopimazin und Metoclopramid.

Aktivität von Dopamin im Gehirn

Die untersuchten Antiemetika hemmen ebenso wie Antipsychotika als Dopaminantagonisten die Aktivität des Hormons im Gehirn. Die Medizin konnte bereits belegen, dass Antipsychotika das Risiko für ischämische Schlaganfälle erhöhen. Bisher war jedoch unklar, ob dies auch für weitere antidopaminerge Medikamente wie Antiemetika gilt.

Aus diesem Grund filterten die Forscher aus der nationalen französischen Krankenversicherungsdatenbank 2.612 Patienten, bei denen es zwischen 2012 und 2016 erstmals zu einem ischämischen Schlaganfall gekommen ist und die in 70 Tagen zuvor Domperidon, Metopimazin oder Metoclopramid eingenommen haben. Die Menschen aus dieser Gruppe waren im Mittel 72 Jahre alt und größtenteils Frauen (66 %).

Antiemetika erhöhen Schlaganfallrisiko deutlich

Um den Einfluss der Antiemetika zu untersuchen, vergleichen die Forscher die Schlaganfallpatienten mit einer Gruppe aus 21.859 Patienten, die im Untersuchungszeitraum ebenfalls Antiemetika einnahmen, bei denen es jedoch zu keinem Schlaganfall kam.

Sie konnten so unter Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren ermitteln, dass Antiemetika kurz nach Behandlungsbeginn das Risiko für einen Schlaganfall um mehr als das 3-fache erhöhen. Am stärksten nimmt das Risiko laut einer nach Alter, Geschlecht und Demenzanamnese stratifizierten Analyse bei Männern zu (3,58-fache).

Antiemetika mit unterschiedlichen Risiken

Die Daten zeigen zudem, dass das Risiko nicht bei allen Antiemetika gleich zunimmt. Am stärksten steigt das Schlaganfallrisiko bei Metopimazon (3,62-fache) und Metoclopramid (3,53-fache). Es handelt sich hierbei um Medikamente, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Bei Domperidon nimmt das Risiko weniger stark zu (2,51-fache).

British Medical Journal, doi: 10.1136/bmj-2021-066192

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