Frankreich

Covid-19 – Sterberate dreimal höher als bei Grippe

Robert Klatt

Laut 135.000 analysierten Patientendaten ist Covid-19 dreimal tödlicher als die Grippe.

Dijon (Frankreich). Eine Studie des Imperial College London hat bereits im Oktober 2020 eine Übersterblichkeit durch Covid-19 in Europa belegt. In einigen Regionen ist die Sterblichkeit 2020 aber auch gesunken. Kritiker der Covid-19-Gegenmaßnahmen behaupten deshalb regelmäßig, dass die vom SARS-CoV-2 ausgelöste Krankheit nicht gefährlich als eine Grippe sei.

Wissenschaftler des Dijon University Hospital haben nun im Fachmagazin The Lancet Respiratory Medicine eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass Covid-19 fast dreimal so tödlich wie Influenza ist. Sie untersuchten dafür Todesfälle in Krankenhäusern aus den Jahren 2018 bis 2020.

135.000 Patientendaten analysiert

Die Forscher analysierten Daten der nationalen Forschungseinrichtung INSERM insgesamt von 135.000 Patienten. 89.530 der Patienten wurden zwischen März und April aufgrund von Covid-19 in einem französischen Krankenhaus behandelt. Gestorben sind davon mehr als 15.000 Menschen (16,9 %).

In der Grippesaison 2018/2019 werden 45.800 Menschen in Frankreich stationär behandelt. Verstorben sind davon 2.600 (5,8 %). Die als Vergleichsbasis gewählte Grippewelle war laut Quantin „gemessen an den Todesfällen die schlimmste der vergangenen fünf Jahre in Frankreich.“

Catherine Quantin von der Universitätsklinik Dijon: „Unsere Studie ist die bisher umfangreichste, die die beiden Krankheiten vergleicht. Sie bestätigt, dass Covid-19 ernster ist als die Grippe.“

Intensivstation bei Covid-19 häufiger

Außerdem zeigt die Studie, dass Covid-19-Patienten häufiger auf der Intensivstationen behandelt werden müssen. Die Quote liegt bei 16,3 Prozent, bei Patienten mit Influenza sind es 10,8 Prozent. Auch bei Behandlungsdauer in der Intensivmedizin ist bei Covid-19-Patienten im Mittel länger.

Auch bei der Altersstruktur der Patienten gibt es deutliche Unterschiede. Ein Fünftel der Grippe-Patienten waren Kinder und Jugendliche, also Patienten mit guten Heilungschancen, bei Covid-19 waren es nur 1,4 Prozent.

Einschränkungen der Studienergebnisse

Abschließend erklären die Wissenschaftler aber noch, dass die Tests für Influenza nicht so systematisiert durchgeführt wurden wie bei Covid-19. Es ist deshalb möglich, dass die Zahl der Grippetoten unterschätzt wurde. Überdies ist nicht sicher, ob die Grippesaison 2018/2019 eine repräsentative Vergleichsbasis darstellt.

The Lancet Respiratory Medicine, doi: 10.1016/S2213-2600(20)30527-0

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