Covid-19-Modellrechnung

Coronavirus wird ungefährlich für die Menschheit

Robert Klatt

Laut einer Modellrechnung auf Basis vier humaner Coronaviren wird SARS-CoV-2 in Zukunft ungefährlich für die Menschheit. Impfungen sind demnach in wenigen Jahren nicht mehr nötig.

Atlanta (U.S.A.). Weltweit sind bisher (Stand 15. Januar 2021) fast zwei Millionen Menschen an Covid-19 gestorben. Ob die kürzlich begonnenen Impfungen und die Lockdowns mittel- und langfristig weitere Neuinfektion mit SARS-CoV-2 verhindern können, kann die Wissenschaft bisher noch nicht mit Sicherheit beantworten. Forscher der Emory University in Atlanta um Jennie Lavine haben nun mithilfe einer Covid-19-Modellrechnung eine Prognose zur zukünftigen Entwicklung der Pandemie erstellt.

Laut der im Fachmagazin Science publizierten Studie haben die Wissenschaftler dazu die immunologischen und die epidemiologischen Daten der bereits bekannten humanen Coronaviren NL63, 229E, OC43 und HKU1 verwendet. Diese Erreger verursachen regelmäßig in verschiedenen Ländern der Welt lokale Epidemien, bei denen vor allen Kinder zwischen drei und fünf Jahren infiziert werden. Wie auch bei Covid-19 verlaufen die Erkrankungen in der Altersklasse meist ohne starke Symptome oder Spätfolgen. Schwere Verläufe, Komplikationen und Todesfälle durch Coronaviren sind bei Kindern deshalb eine seltene Ausnahme.

Kurze Immunität bei Coronaviren

Außerdem ist bereits bekannt, dass bei den vier humanen Coronaviren NL63, 229E, OC43 und HKU1 nach einer Infektion nur eine kurze vollständige Immunität entsteht. Laut einer Publikation im Fachmagazin Epidemiology & Infection aus dem Jahr 2009 können Mensch sich mit dem Coronavirus 229E bereits nach etwa einem Jahr erneut infizieren, weil die Anzahl der Antikörper nach einer Infektion schnell abnimmt.

Bisherige Daten deuten darauf hin, dass dies auch bei SARS-CoV-2 der Fall ist. Sollte es bei 229E zu einer Neuinfektion kommen, kommt es laut den Studienergebnissen allerdings nur zu einer kürzeren Virusausscheidung und keinen Symptomen.

Teilimmunität auch bei SARS-CoV-2?

Die Wissenschaftler gehen auf Basis der bereits länger erforschten Viren deshalb davon aus, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 zwar nicht für eine dauerhafte Immunität sorgt, aber zumindest eine lebenslange Teilimmunität auslöst. Weitere Infektionen könnten diese Wirkung sogar noch verstärken.

Sollte das Team um Lavine mit dieser Annahme recht haben, würde dies bedeuten, dass langfristig nur wenige alte Menschen schwer an Covid-19 erkranken. In diesem Szenario wäre es laut den Wissenschaftler möglich, dass sich Senioren mit SARS-CoV-2 infizieren, daran dank ihrer vorher erworbenen Teilimmunität aber nicht erkranken und das Virus an Kinder weitergeben. Die Kinder würden dann wiederum aufgrund ihrer fehlenden Teilimmunität an Covid-19 erkranken, was nur in wenigen Fällen zu schweren Folgen führt und dabei eine Teilimmunität für ihr späteres Leben aufbauen. SARS-CoV-2 würde somit zu einem endemischen Krankheitserreger werden.

Die aktuell anlaufenden Impfungen wären damit in einigen Jahren weltweit überflüssig und sollten eingestellt werden, damit Kinder auf natürlichem Wege eine Teilimmunität aufbauen können, die sie im höheren Alter vor schweren Verläufen und Todesfällen schützt. Sollte sich entgegen dem derzeitigen Kenntnisstand aber zeigen, dass auch bei Kindern eine SARS-CoV-2-Erstinfektion häufig zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führt, müsste auch diese mit einer Impfung vor dem Virus geschützt werden.

Science, doi:  10.1126/science.abe6522

Epidemiology & Infection, doi: 10.1017/S0950268800048019

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