Drogen

Cannabiskonsumenten leiden häufiger unter Schlafstörungen

Robert Klatt

Menschen, die Cannabis konsumieren, leiden häufiger unter Schlafproblemen als Nicht-Konsumenten. Dies kann laut Alfred Wiater, Vorstandsreferent der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zu gesundheitlichen Störungen führen.

Toronto (Kanada). Eine US-amerikanische Studie kam 2016 zu dem Ergebnis, dass Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, häufiger unter Schlafstörungen und Schlafunterbrechungen leiden als Nicht- oder Gelegenheitskonsumenten. Laut einer Studie australischer Wissenschaftler kann Cannabis hingegen Menschen mit chronischen Schlafproblemen dabei helfen kann, schneller einzuschlafen und besser durchzuschlafen.

Eine im Fachmagazin Current Psychiatry Reports publizierte Metastudie schlussfolgerte aufgrund der teilweise widersprüchlichen Ergebnisse deshalb, dass „die Forschung zu Cannabis und Schlaf noch in den Kinderschuhen steckt.“ Wissenschaftler der University of Toronto haben deshalb eine Langzeitstudie durchgeführt, die die Auswirkungen von Cannabiskonsum auf den Schlaf untersucht.

22.000 Probanden

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Regional Anesthesia & Pain Medicine analysierte das Team um Calvin Diep dazu Daten von knapp 22.000 Probanden, die im Rahmen der National Health and Nutrition Examination Survey zwischen 2005 und 2018 erhoben wurden. In der Umfrage ging es unter anderem um Probleme beim Einschlafen, beim Durchschlafen oder auch um zu viel Schlaf.

Sieben Stunden Schlafdauer

Im Mittel lag die durchschnittliche nächtliche Schlafdauer bei knapp sieben Stunden. Nur ein kleiner Teil (12 %) gab an unter sechs Stunden zu schlafen. Auch mehr als neun Stunden Schlaf pro Nacht sind selten (4 %). 3.132 der Umfrageteilnehmer (14,5 %) gaben überdies an, in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert zu haben.

Schlafprobleme bei Cannabiskonsumenten

Die Auswertung der Antworten zeigt, dass Cannabiskonsumenten im Vergleich zu Nicht-Konsumenten eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, zu wenig zu schlafen (34 %) oder zu lang zu schlafen (56 %). Auch Ein- und Durchschlafschwierigkeiten sind bei Cannabiskonsumenten häufiger. Bei der Tagesmüdigkeit gibt es hingegen keine Unterschiede,

Bei sogenannten Intensivkonsumenten, die an mehr als 20 Tagen pro Monat die Droge konsumierten, lag die Wahrscheinlichkeit mehr als neun Stunden pro Nacht zu schlafen deutlich höher (76 %) als bei Nicht-Konsumenten. Als Ideal gelten für Erwachsenen zwischen sieben und acht Stunden Schlaf pro Nacht.

Beobachtungsstudie beweist keine Kausalität

Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Untersuchung lediglich Korrelationen und keine Kausalitäten feststellt. Außerdem weist Alfred Wiater, Vorstandsreferent der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) darauf hin, dass die Studie nicht zwischen den Cannabinoiden Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) differenziert.

Wiater ergänzt überdies, dass die Studie chronobiologische Kriterien der Probanden nicht berücksichtigt. „Somit könnten sich sowohl unter den Kurzschläfern als auch unter den Langschläfern Probanden befinden, die aufgrund ihrer biologischen Rhythmen einen besonders geringen oder besonders hohen Schlafbedarf haben. Dadurch wird die Interpretation der Daten, insbesondere in Relation zu damit einhergehenden gesundheitlichen Konsequenzen, eingeschränkt“, erklärt der Mediziner.

Wiater konstatiert jedoch, dass „sich aus der Studie Hinweise darauf ergeben, dass der Cannabiskonsum infolge der negativen Beeinflussung des Schlafverhaltens mit gesundheitlichen Störungen einhergehen kann.“

Regional Anesthesia & Pain Medicine, doi: 10.1136/rapm-2021-103161

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