Melatonin

Blaulichtfilter am Smartphone verbessern den Schlaf

Robert Klatt

Die abendliche Smartphone-Nutzung beeinflusst den Schlaf negativ. Blaulichtfilter können diesen Effekt reduzieren, aber nicht ganz verhindern.

Salzburg (Österreich). Ein Großteil des Lichts von Smartphones und Laptops entfällt auf kurzwellige blaue Bereiche. Dieses Lichtspektrum hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und erschwert deshalb bei vielen Menschen das Einschlafen oder reduziert die Schlafqualität. Inzwischen verfügen viele Smartphones deshalb über einen Blaulichtfilter, der diesen unerwünschten Nebeneffekt reduzieren soll.

Psychologen und Schlafforscher der Universität Salzburg haben nun untersucht, ob Blaulichtfilter tatsächlich die negativen Effekte des kurzwelligen blauen Lichts auf den Schlaf des Menschen reduzieren können. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Clock & Sleep führte das Team um Kerstin Hödlmoser vom Zentrum für kognitive Neurowissenschaft dazu eine Studie mit 14 Probanden durch, deren Schlaf vier Nächte in einem Schlaflabor aufgezeichnet wurde.

Vor dem Einschlafen mussten die Probanden jeweils eineinhalb Stunden lesen, einmal in einem Buch, einmal auf einem Smartphone ohne Blaulichtfilter und einmal auf einem Smartphone mit Blaulichtfilter. Die Schriftgröße und der Text waren jeweils identisch.

Körperfunktionen bestätigen Effekte des Blaulichtfilters

Während die Probanden schliefen, dokumentierten die Wissenschaftler wichtige Körperfunktionen wie Augenbewegungen, die Körpertemperatur, Muskelaktivität und die Veränderungen des Aufwachhormons Cortisol und des Schlafhormons Melatonin. Diese Daten ermöglichen eine objektive Bewertung der Schlafqualität der Teilnehmer.

„Die Ergebnisse unserer Studie bestätigen bisherige Untersuchungen zu den negativen Einflüssen der abendlichen Smartphone-Nutzung auf den Schlaf“, erklärt Hödlmoser. Der Einsatz eines Blaulichtfilters konnte diese Effekte abschwächen, aber nicht vollständig beseitigen.

Bücher entspannen vor dem Schlafen

Der Spiegel des Aufwachhormons Cortisol am Morgen war sowohl mit als auch ohne Blaulichtfilter im Vergleich zu den Probanden, die ein Buch gelesen hatten, erhöht. Außerdem kam es bei Probanden, die vor dem Schlafen ein Smartphone nutzten, beim Tiefschlaf im ersten Schlafviertel und bei der objektiven Aufmerksamkeitsleistung am Morgen zu schlechteren Werten. „Der Schlaf der Smartphone-Leser war fragmentierter, die Probanden wachten in der Nacht öfter auf“, erklärt Hödlmoser.

Das Lesen eines Buchs führte hingegen im Vergleich zur Smartphone-Nutzung mit oder ohne Blaulichtfilter am Abend zu einem höheren Melatonin-Spiegel. Die Erweiterung der Blutgefäße, ein Parameter, anhand dessen die Medizin die Entspannung misst, war beim Buchlesen ebenfalls am größten. Ein Buch vor dem Einschlafen ist demnach deutlich entspannender als die Nutzung eines Smartphones.

Die Studie bestätigt somit erneut, dass kurzwelliges blaues Licht den Schlaf negativ beeinflusst. „Es ist also nicht smart, mit dem Smartphone ins Bett zu gehen“ konstatieren die Autoren. Die Verwendung eines Blaulichtfilters kann die negativen Effekte aber zumindest reduzieren.

Clock & Sleep, doi: 10.3390/clockssleep3010005

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