Bakterien

Antibiotika verändern das Darmmikrobiom bis zu acht Jahre lang

 Robert Klatt

Darmflora wird durch Antibiotika langfristig verändert )moc.sotohptisopedotohpnayort(Foto: © 

Ein gesundes Darmmikrobiom ist entscheidend für viele Körperfunktionen des Menschen. Nun wurde entdeckt, dass eine einmalige Antibiotikaeinnahme die Bakterienmenge und -anzahl für mehrere Jahre reduzieren kann.

Uppsala (Schweden). Das Darmmikrobiom des Menschen besteht aus Billionen von Mikroorganismen, die gemeinsam ein komplexes Ökosystem bilden und unterschiedliche Körperfunktionen unterstützen, darunter etwa die Verdauung, das Immunsystem und die Vitaminproduktion. Studien deuten darauf hin, dass ein gestörtes Darmmikrobiom Parkinson, Diabetes, Übergewicht und andere Krankheiten fördert.

Forscher der Universität Uppsala haben deshalb untersucht, wie lange Antibiotika das Darmmikrobiom beeinflussen. Die Medizin wusste zuvor bereits, dass viele antibakterielle Wirkstoffe auch die nützlichen Bakterien im Darm töten und dadurch sowohl ihre Menge als auch ihre Artenvielfalt stark reduzieren. Es war aber noch nicht klar, wie lange diese Nebenwirkung anhält, bevor die Darmbakterien sich erholen.

Darmflora von 15.000 Menschen untersucht

Um zu analysieren, wie schnell sich das Darmmikrobiom nach einer Antibiotikaeinnahme regeneriert, haben die Forscher über einen Zeitraum von acht Jahren die Zusammensetzung der Darmflora von 15.000 Menschen mithilfe von Kotproben untersucht. Die Analyse zeigt, dass die Antibiotikaeinnahme für rund ein Jahr anhand des Darmmikrobioms erkannt werden kann. Das Darmmikrobiom erholt sich in diesem Zeitraum schnell, aber erreicht nicht seinen Ursprungszustand.

„Bei sechs von elf untersuchten Antibiotikaklassen war die Einnahme mit einer verringerten Artenvielfalt in mindestens einem Aspekt verknüpft.“

Die Kotproben zeigen, dass eine einmalige Antibiotikaeinnahme das Darmmikrobiom für bis zu acht Jahre schädigen kann und dass vier bis acht Jahre nach der Behandlung zehn der 15 untersuchten Bakterienarten noch immer in einer geringeren Anzahl im Darm leben.

„Wir sehen, dass sogar eine acht Jahre zurückliegende Behandlung die Zusammensetzung der Darmflora bis heute beeinträchtigt. Schon eine einzige Therapie mit bestimmten Antibiotika kann anhaltende Spuren hinterlassen.“

Unterschiedliche Antibiotikaklassen

Laut den Studiendaten gibt es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Antibiotikaklassen. Die Wirkstoffe Penicillin V, Amoxicillin, Sulfamethoxazol und Trimethoprim beeinflussen das Darmmikrobiom demnach deutlich kürzer als Clindamycin, Flucloxacillin und Fluoroquinolone. Besonders überraschend war der langanhaltende Effekt des Antibiotikums Flucloxacillin, das spezifisch auf Staphylokokken wie Staphylococcus aureus wirkt. Wieso das Antibiotikum die Darmflora so lange und so stark verändert, ist noch nicht bekannt.

„Der starke Effekt des Schmalband-Antibiotikums Flucloxacillin auf die Darmflora war unerwartet.“

Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Co.

Die Analyse offenbart zudem, dass die Veränderungen des Darmmikrobioms Bakterien fördern, die mit einem höheren Risiko für Übergewicht, Diabetes Typ 2 und entzündliche Darmerkrankungen in Verbindung stehen. Nach einer Antibiotikabehandlung war ihre Zahl deutlich erhöht, während die Zahl von gesundheitsfördernden Bakterien gesunken ist. Es ist somit denkbar, dass Antibiotika tatsächlich das Risiko für mehrere Krankheiten erhöhen. Die Forscher sprechen sich dafür aus, dass Ärzte diese Informationen zukünftig bei der Wahl eines Medikaments berücksichtigen.

„Unsere Resultate können beispielsweise helfen, wenn zwei gleichermaßen effektive Antibiotika zur Wahl stehen.“

Quellen:

Pressemitteilung der Universität Uppsala

Studie im Fachmagazin Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-026-04284-y

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