Kulturelles Eigentum

21 antike Vasen kehren aus Israel nach Griechenland zurück

 Dennis Lenz

21 antike Vasen kehren aus Israel nach Griechenland zurück
(Symbolbild, KI-generiert) Antike Vasen gehören zu den sichtbarsten Zeugnissen des griechischen Kulturerbes und sind zugleich ein Ziel des illegalen Antiquitätenhandels. Bei der aktuellen Rückgabe kamen bemalte Gefäße aus attischen und korinthischen Werkstätten nach Griechenland zurück. Ihre Herkunft und ihr Weg durch den Kunstmarkt sind für Behörden ebenso wichtig wie Stil, Material und Alter. Eine zusätzlich übergebene Bronzefigur wird noch auf ihre Echtheit geprüft. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Israel hat 21 antike Vasen an Griechenland zurückgegeben, nachdem die Stücke bei Ermittlungen zum illegalen Antiquitätenhandel sichergestellt worden waren. Zusammen mit der Keramik wurde eine weitere Bronzefigur übergeben, deren Echtheit noch untersucht wird. Die Übergabe verbindet archäologische Provenienzforschung mit internationaler Strafverfolgung und einem politischen Konflikt, der weit über diese Objekte hinausreicht. Offen bleibt vor allem, auf welchem Weg die Stücke Griechenland einst verließen.

Im Altarraum des Nationalen Archäologischen Museums in Athen standen schlanke Ölfläschchen, zweihenklige Amphoren und Trinkgefäße mit dunklen Figuren, roten Flächen und geometrischen Ornamenten dicht nebeneinander. Kulturministerin Lina Mendoni nahm die Sammlung von Israels Botschafterin Pninat Yanay entgegen; Amir Ganor, Leiter der Einheit gegen Antikenschmuggel der Israel Antiquities Authority, war ebenfalls anwesend. Die griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA beschreibt die Übergabe als ersten solchen Rückgabefall zwischen beiden Staaten. Für die beteiligten Behörden zählt dabei nicht nur, dass die Objekte wieder im Herkunftsland sind, sondern auch, welche Informationen über ihren früheren Besitz und ihren Weg durch den Handel rekonstruiert werden können.

Gerade bei beweglichen Kulturgütern ist dieser Weg wissenschaftlich entscheidend, weil ein Gefäß ohne gesicherten Fundort einen Teil seiner archäologischen Aussage verliert. In einer regulär dokumentierten Ausgrabung lassen sich Lage, Bodenschicht, benachbarte Funde und mögliche Nutzung miteinander verbinden; bei illegal geborgenen Stücken bricht diese Informationskette oft ab. Wie viel Kontext erhalten bleiben kann, zeigen etwa die dokumentierten 430.000 Jahre alten Holzwerkzeuge aus Griechenland, deren wissenschaftlicher Wert gerade aus ihrem Fundzusammenhang entsteht. Bei Kunstobjekten aus dem Handel muss dieser Kontext anschließend mühsam über Stil, Material, alte Fotos, Sammlungsunterlagen und Ermittlungsakten rekonstruiert werden.

Athen übernimmt Keramik aus Attika und Korinth

Zur übergebenen Keramik gehören 15 attische Gefäße und sechs Stücke aus korinthischen Werkstätten. Unter den attischen Vasen befinden sich elf schwarzfigurige, drei rotfigurige und ein schwarz glasiertes Gefäß; die Formen reichen von schmalen Lekythen bis zu Trinkschalen und Amphoren. Stilistisch gehören die Objekte in die archaische und klassische Welt des griechischen Mittelmeerraums, während die korinthischen Stücke aus einer anderen bedeutenden Produktionslandschaft stammen. Die Datierung der Sammlung reicht nach den veröffentlichten Angaben ungefähr vom frühen siebten bis zum späten vierten Jahrhundert vor Christus. Damit umfasst sie mehrere Entwicklungsstufen der griechischen Keramikmalerei, in denen Werkstätten Bildthemen, Brenntechniken und Formen immer wieder veränderten.

Schwarzfigurige Keramik entstand durch einen kontrollierten Brennprozess, bei dem aufgemalte Tonschlickerflächen dunkel wurden, während der übrige Gefäßkörper orange bis rötlich blieb. Bei der später verbreiteten rotfigurigen Technik kehrte sich dieses Verhältnis um: Die Figuren blieben im Rot des Tons stehen, der Hintergrund wurde dunkel. Für heutige Archäologen sind solche Merkmale mehr als Dekoration, weil Form, Malstil und Werkstatttradition Hinweise auf Herstellung und zeitliche Einordnung liefern. Mythologische Szenen, Körperhaltungen oder Ornamentbänder können außerdem helfen, einzelne Malergruppen oder Produktionszentren zu erkennen, wenn keine schriftliche Provenienz erhalten ist.

Die Rückgabe betrifft deshalb keine austauschbare Sammlung dekorativer Altertümer. Jedes Gefäß kann Informationen über Handel, Bildsprache, Alltagsrituale oder Bestattungssitten tragen, sofern sein materieller Zustand und seine dokumentierte Geschichte sorgfältig geprüft werden. Auch bei anderen archäologischen Fundorten in Griechenland entsteht die eigentliche Aussage erst aus der Verbindung von Objekt und Umgebung. Genau diese Verbindung ist bei Stücken aus illegalem Handel besonders gefährdet.

Israel verfolgt den Weg aus dem illegalen Antiquitätenhandel

Nach Angaben der israelischen Seite hatte ihre Einheit zur Verhinderung von Antikenschmuggel die Objekte im Zuge einer Untersuchung identifiziert und beschlagnahmt. Wie die Stücke nach Israel gelangten, wer sie besaß oder über welche Händler sie liefen, wurde bei der Übergabe nicht offengelegt. Auch der Zeitpunkt ihrer Ausfuhr aus Griechenland blieb öffentlich unbekannt. Diese Lücke ist typisch für Ermittlungen gegen den Antiquitätenhandel, denn ein Objekt kann zwischen Ausgrabung, Zwischenhändlern, Sammlern und Auktionen mehrere Länder durchlaufen, während Rechnungen, Exportpapiere und Herkunftsangaben unvollständig oder widersprüchlich sind.

Für Strafverfolger ist deshalb die Provenienz, also die nachvollziehbare Besitz- und Herkunftsgeschichte, ebenso wichtig wie ein Eintrag in einer Fahndungsdatenbank. INTERPOL weist bei seiner Datenbank für gestohlene Kunst ausdrücklich darauf hin, dass ein negativer Treffer keine saubere Herkunft beweist und weitere Prüfungen nötig bleiben. Käufer, Museen und Händler sollen deshalb Herkunftsnachweise, Exportbescheinigungen und frühere Besitzketten kontrollieren. Diese Praxis trifft den Kern des Falls: Die Vasen konnten einem Herkunftsland zugeordnet werden, obwohl die Öffentlichkeit bislang keinen lückenlosen Weg vom ursprünglichen Fund bis zur Beschlagnahme kennt.

Dass Ermittler solche Objekte überhaupt zurückführen können, liegt auch daran, dass sich antike Keramik oft sehr genau klassifizieren lässt. Tonfarbe, Form, Brennweise, Bildstil und ikonografische Details erlauben Vergleiche mit gesicherten Funden. Ein Gefäß kann damit als Werk aus einer bestimmten Produktionsregion erkennbar sein, auch wenn sein ursprünglicher Fundplatz verloren ist. Für die juristische Rückgabe reicht eine stilistische Einordnung allein jedoch nicht automatisch aus; Behörden benötigen zusätzlich belastbare Hinweise auf Eigentum, Ausfuhr und Herkunft.

UNESCO-Regeln von 1970 verknüpfen Herkunft und Rückgabe

Die internationale Grundlage für den Kampf gegen illegal verbrachte Kulturgüter bildet unter anderem die UNESCO-Konvention gegen rechtswidrige Einfuhr, Ausfuhr und Eigentumsübertragung von Kulturgut. Sie verpflichtet Vertragsstaaten, ihre Schutzsysteme auszubauen, den illegalen Handel einzudämmen und bei Rückgaben zusammenzuarbeiten. Die UNESCO-Datenbank zu nationalen Kulturgüterschutzgesetzen zeigt, wie unterschiedlich Staaten solche Regeln in nationales Recht und bilaterale Vereinbarungen übertragen haben. Rückgaben entstehen deshalb meist aus einem Zusammenspiel von nationalem Recht, internationalen Abkommen, Ermittlungen und diplomatischer Verständigung.

Für Archäologie und Museen hat dieser rechtliche Rahmen eine unmittelbare wissenschaftliche Folge: Sammlungen sollen nicht nur nach Schönheit oder Seltenheit bewertet werden, sondern nach dokumentierter Herkunft. Ein auffälliges Gefäß ohne nachvollziehbare Besitzgeschichte kann für ein Museum zum Risiko werden, selbst wenn es kunsthistorisch bedeutend ist. Die Provenienzprüfung versucht dann, alte Inventare, Fotografien, Auktionskataloge, Zollunterlagen und Sammlernamen zeitlich miteinander zu verbinden. Je größer die Lücke in dieser Kette, desto schwieriger wird eine belastbare Aussage darüber, wann und unter welchen Umständen ein Objekt sein Herkunftsland verlassen hat.

Im aktuellen Fall machte Mendoni die Zusammenarbeit der beiden Staaten zum politischen Thema. Yanay verwies zugleich auf die besondere Bedeutung von Archäologie für beide Länder, deren nationale Selbstbilder stark mit materiellen Zeugnissen der Vergangenheit verbunden sind. Damit wird aus einer kriminalistischen Rückgabe auch ein diplomatischer Vorgang: Der Staat, in dem die Objekte sichergestellt wurden, erkennt den Herkunftsanspruch an und übergibt sie öffentlich an das Land zurück, das sie als Teil seines kulturellen Erbes beansprucht.

Parthenon-Skulpturen halten Londons Rückgabestreit offen

Die Übergabe in Athen steht außerdem in einem größeren griechischen Rückführungsprogramm. Griechenland hat in den vergangenen Jahren zahlreiche illegal ausgegrabene oder ausgeführte Altertümer aus privaten Sammlungen und ausländischen Beständen zurückerhalten. Besonders sichtbar bleibt der Streit um die Parthenon-Skulpturen, die sich im British Museum in London befinden. Sie wurden vor mehr als zwei Jahrhunderten von der Akropolis entfernt und sind bis heute Gegenstand politischer, juristischer und museumsethischer Debatten über Eigentum, historische Genehmigungen und die Zusammenführung auseinandergerissener Monumente.

Der Unterschied zwischen diesen berühmten Marmorskulpturen und den nun zurückgegebenen Keramikgefäßen ist erheblich. Bei den Vasen sprechen die beteiligten Behörden von illegaler Entfernung und einer Beschlagnahme im Zusammenhang mit dem Antiquitätenhandel. Beim Parthenon-Konflikt geht es dagegen um historische Dokumente, die damalige osmanische Herrschaft, die Rechtmäßigkeit der Entfernung sowie um die Frage, welche Rolle heutige Museen bei kolonial oder imperial geprägten Sammlungsgeschichten spielen sollen. Griechenland verbindet beide Fälle politisch dennoch über denselben Grundgedanken: Bedeutende Kulturgüter sollen möglichst mit ihrem Herkunftsort und ihrem historischen Zusammenhang verbunden bleiben.

Gerade diese Verbindung erklärt, warum Rückgaben gesellschaftlich so aufgeladen sind. Antike Objekte sind zugleich wissenschaftliche Quellen, Museumsstücke, nationale Symbole und Handelsware. Eine Übergabe verändert deshalb nicht nur den Standort eines Gefäßes, sondern auch die Institution, die seine Geschichte künftig erzählt, untersucht und ausstellt. Im Nationalen Archäologischen Museum liegt die Verantwortung nun bei griechischen Fachleuten, die Keramik zu dokumentieren, zu konservieren und in bestehende Bestände einzuordnen.

Bronzefigur bleibt in Athen wissenschaftlich ungeklärt

Ein Objekt der Übergabe nimmt eine Sonderrolle ein: die kleine Bronzefigur einer weiblichen Gestalt. Während die Keramik als antik beschrieben wird, berichtete die griechische Presse unter Berufung auf das Kulturministerium, dass bei der Figur weitere Untersuchungen zur Authentizität nötig seien. Kathimerini hebt diese Unsicherheit ausdrücklich hervor. Damit endet die Rückgabe nicht mit der Übergabezeremonie, sondern beginnt für das Stück erst die wissenschaftliche Prüfung.

Bei einer solchen Untersuchung können Materialanalyse, Herstellungsspuren, Korrosionsschichten, Werkzeugmarken und Vergleiche mit sicher datierten Originalen zusammengeführt werden. Eine grünlich oder dunkelbraun patinierte Oberfläche wirkt zwar alt, doch Patina allein beweist kein Alter; entscheidend ist, ob Metallzusammensetzung, Gussverfahren und Alterungsprozesse zu einer antiken Herstellung passen. Ebenso wichtig sind stilistische Details der Figur und ihre dokumentierte Besitzgeschichte. Erst das Zusammenspiel dieser Befunde erlaubt eine belastbare Einordnung.

Für die zurückgekehrten Gefäße folgt nun eine andere Arbeit: Inventarisierung, konservatorische Kontrolle und die Entscheidung, wie sie wissenschaftlich ausgewertet und öffentlich präsentiert werden. Bei der Bronzefigur steht zunächst die Echtheitsfrage im Vordergrund. Ihr Ergebnis wird darüber entscheiden, ob auch dieses Stück als antikes Kulturgut behandelt wird oder als modernes Objekt in der Dokumentation des Schmuggelfalls verbleibt.

Associated Press, Israel returns 22 artifacts as Greece pushes to bring antiquities home

Athens-Macedonian News Agency, Israel returns 22 antiquities to Greece

UNESCO, Convention on the Means of Prohibiting and Preventing the Illicit Import, Export and Transfer of Ownership of Cultural Property

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