Staub in der Stratosphäre

Tonga-Vulkanausbruch kühlte Erde schwächer als erwartet

Robert Klatt

Eine neue Studie chinesischer Wissenschaftler zeigt, dass die Abkühlung des globalen Klimas durch den Staub des Tongaausbruchs in der Stratosphäre überschätzt wurde.

Peking (China). Der Ausbruch des Unterseevulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai vor wenigen Wochen hatte laut Messungen der US-Raumfahrtbehörde NASA die Kraft mehrerer hundert Hiroshima-Atombomben. Weil ein Teil der gewaltigen Wolke aus Gas und Asche die Stratosphäre erreichte, ging die Wissenschaft davon aus, dass der Vulkanausbruch die Sonneneinstrahlung auf die Erde reduziert und somit eine kurzzeitige globale Abkühlung  auslöst. Laut Schätzungen sollte durch die atompilzähnliche Aschewolke des Vulkans die Temperatur der Erde in den kommenden ein bis zwei Jahren um 0,03 bis 0,1 Grad Celsius sinken.

Eine nun publizierte Studie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) zeigt nun, dass die Auswirkung des Vulkanausbruchs auf die Oberflächentemperatur der Erde deutlich geringer sein wird. Laut der Veröffentlichung im Fachmagazin Advances in Atmospheric Sciences ist eine Abkühlung von 0,004 Grad Celsius statt der erwarteten 0,03 bis 0,1 Grad Celsius in den kommenden Jahren realistisch.

Effekt des Vulkanausbruchs überschätzt

Wie die Autoren erklären, wurde der Effekt des Vulkanausbruchs überschätzt, weil sich dieser auf der Südhalbkugel des Planeten ereignete. Dies führt zu einer geringeren globalen Abkühlung als bei einem Vulkan, der in der Nordhemisphäre oder in den Tropen ähnlich viele Emissionen verursacht hätte wie der Hunga Tonga-Hunga Ha'apai.

Laut Computermodellen der Wissenschaftler wird die Temperatur im ersten Jahr nach dem Vulkanausbruch global im Mittel um 0,004 Grad Celsius sinken. Dies betrifft primär die Südhalbkugel. Besonders stark betroffen sind in der südlichen Hemisphäre Teile von Südamerika und Australien, in denen laut der Berechnung die Temperatur um 0,01 Grad Celsius sinken wird.

Laut den Forschern hat der Vulkan somit keinen nennenswerten Effekt auf das globale Klima, wenn er im Schlummerzustand verbleibt und keinen weiteren Staub mehr in die Stratosphäre abgibt.

Advances in Atmospheric Sciences, doi: 10.1007/s00376-022-2034-1

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