Land aus dem Vulkan

Nach Krakatau-Ausbruch tauchen zwei neue Inseln im Meer auf

 Dennis Lenz

Nach Krakatau-Ausbruch tauchen zwei neue Inseln im Meer auf
(Symbolbild) Zwei neue Inseln sind nach einer starken Eruptionsphase von Anak Krakatau in der Sundastraße sichtbar geworden. Satellitendaten und Beobachtungen vor Ort bestätigen Landflächen auf gegenüberliegenden Seiten des Vulkans. Ihre genaue Entstehung und innere Struktur sind noch nicht abschließend geklärt. Brandung und weitere vulkanische Aktivität werden darüber entscheiden, ob die neuen Inseln dauerhaft bestehen bleiben. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Zwei neue Inseln sind nach dem jüngsten großen Ausbruch von Anak Krakatau im Meer aufgetaucht. Die kleinen Landflächen liegen nur wenige hundert Meter vom Vulkan entfernt und wurden durch Satellitenbilder sowie Beobachtungen von Seeleuten bestätigt. Gleichzeitig ist die Hauptinsel durch frische Ablagerungen deutlich gewachsen. Noch ist offen, ob die beiden neuen Inseln aus massiver Lava bestehen oder aus lockerem Material, das die Brandung wieder abtragen kann.

Zwischen Java und Sumatra liegt eine Vulkanlandschaft, deren Küstenlinien seit mehr als einem Jahrhundert immer wieder neu gezeichnet werden. Anak Krakatau erhebt sich innerhalb der großen Caldera, die nach der katastrophalen Eruption des ursprünglichen Krakatau im Jahr 1883 zurückblieb. Der heutige Vulkan begann sich erst Jahrzehnte später aus dem Meer aufzubauen und verändert seine Form bis heute durch Eruptionen, Hangrutschungen und Erosion. Anfang September 2026 setzte erneut eine intensive Aktivitätsphase ein. Lavafontänen, Asche und Lavaströme veränderten die Oberfläche mehrere Tage lang. Frisches Material erreichte teilweise die Küste und schob die Grenze zwischen Land und Meer nach außen. Wenige Wochen später zeigte sich, dass die Veränderung nicht auf die bekannte Vulkaninsel beschränkt geblieben war.

Neue Inseln entstehen an aktiven Vulkanen nicht auf dieselbe Weise wie eine gewöhnliche Sandbank. Magma kann unter Wasser aus Spalten austreten und beim Kontakt mit dem Meer erstarren. Explosive Ausbrüche können zugleich große Mengen Asche und Gesteinsfragmente ablagern. Unter günstigen Bedingungen wächst eine solche Ablagerung bis über die Wasseroberfläche. Entscheidend für ihre Zukunft ist jedoch der Aufbau. Massives Lavagestein widersteht Wellen wesentlich länger als lockere Asche, Schlacke oder instabile Schuttmassen. Ein neu sichtbares Stück Land kann deshalb binnen kurzer Zeit wieder verschwinden oder über Jahrzehnte weiterwachsen. Bei Anak Krakatau ist genau diese Frage noch offen. Die indonesischen Vulkanologen sprechen vorsichtig von neuen Inseln beziehungsweise inselähnlichen Formationen, deren Entstehungsmechanismus weiter untersucht wird.

Wo die zwei neuen Inseln aufgetaucht sind

Der aktuelle Wochenbericht des Smithsonian Global Volcanism Program fasst die Beobachtungen der indonesischen Vulkanbehörde PVMBG zusammen. Eine der neuen Landflächen liegt ungefähr 760 Meter nordwestlich der Küste von Anak Krakatau. Die zweite befindet sich etwa 495 Meter südöstlich. Beide liegen zusammen mit dem zentralen Teil des Vulkans annähernd auf einer Nordwest-Südost-Achse. Diese auffällige räumliche Anordnung ist für die Interpretation wichtig, weil sie mit einer möglichen Spaltenstruktur unter dem Vulkan zusammenpassen könnte. Die Behörde betont jedoch, dass zusätzliche Daten benötigt werden, bevor von neuen eigenständigen Eruptionszentren gesprochen werden kann.

Was während des September-Ausbruchs geschah

Die starke Eruptionsphase begann am 4. September und hielt mehrere Tage an. Die indonesische Geological Agency dokumentierte strombolianische Aktivität, zahlreiche vulkanische Erdbeben und anhaltenden Tremor. Lavaströme bewegten sich nach Nordwesten, Westen und Südwesten und erreichten teilweise den Rand der Insel. Die Ablagerungen veränderten die westliche und südwestliche Küstenlinie sichtbar. Nach späteren Vermessungen wuchs Anak Krakatau um etwa 32,8 Hektar auf eine Gesamtfläche von rund 341,5 Hektar. Diese Größenänderung betrifft die bekannte Hauptinsel und ist von den beiden neu sichtbaren Inseln zu unterscheiden.

Wie aus einem Ausbruch neues Land im Meer entstehen kann

Für die beiden Landflächen kommen mehrere vulkanische Prozesse infrage. Eine Möglichkeit ist, dass relativ flüssiges Magma entlang einer untermeerischen Spalte austrat. Erstarrt genügend Lava übereinander, kann der Aufbau schließlich die Wasseroberfläche durchbrechen. Ein ähnlicher Effekt entsteht, wenn explosive Unterwassereruptionen große Mengen lockeren Materials anhäufen. Auch Material, das von der Hauptinsel ins Meer gelangt, kann flache Bereiche auffüllen. Die räumliche Ausrichtung der neuen Inseln auf gegenüberliegenden Seiten des zentralen Kraters macht einen Zusammenhang mit der Eruption plausibel. Sie reicht jedoch nicht aus, um die genaue Entstehung zu beweisen. Für eine belastbare Erklärung wären unter anderem Bathymetrie, Gesteinsproben und weitere Satellitenbeobachtungen hilfreich.

Warum die beiden Inseln wieder verschwinden könnten

Die erste Zeit nach der Entstehung ist für vulkanische Inseln besonders kritisch. Frische Asche und Schlacke können stark porös und locker gelagert sein. Wellen greifen das Material kontinuierlich an und transportieren es zurück ins Meer. Ein kleiner Aufbau, der nur wenig über die Wasseroberfläche hinausragt, kann deshalb schon durch normale Brandung erheblich verändert werden. Besteht der Kern dagegen aus zusammenhängender Lava, ist die Erosion deutlich langsamer. Deshalb ist die momentan sichtbare Größe nicht allein entscheidend. Selbst eine scheinbar kompakte Insel kann aus einem dünnen Mantel lockeren Materials über einem kleinen festen Kern bestehen. Die indonesischen Behörden haben bislang keine endgültigen Maße oder Höhen der neuen Landflächen veröffentlicht.

Warum Krakatau seine Landkarte immer wieder neu zeichnet

Die heutige Insel Anak Krakatau ist selbst das Produkt ähnlicher Prozesse. Nach dem Kollaps des ursprünglichen Krakatau 1883 blieb eine große Caldera im Meer zurück. Ab 1927 begannen neue Eruptionen innerhalb dieses Beckens, und ein junger Vulkankegel wuchs aus dem Wasser. Sein Name bedeutet Kind des Krakatau. Seither wechseln Wachstumsphasen und Zerstörung einander ab. 2018 kollabierte ein großer Teil der Vulkanflanke und löste einen Tsunami aus, der an den Küsten der Sundastraße mehr als 400 Menschen das Leben kostete. Die Insel verlor dabei einen erheblichen Teil ihrer Höhe und Masse. Spätere Eruptionen bauten wieder neues Material auf. Diese Geschichte macht deutlich, weshalb eine Vulkaninsel nicht als dauerhaft feste geographische Form betrachtet werden kann.

Was andere aktive Vulkane über solche Veränderungen zeigen

Auch an anderen Vulkanen entstehen Landschaftsformen innerhalb kurzer Zeit. Unter dem Meer können Magmareservoire und neue Schlote komplette Reliefs verändern, wie Messungen an einer aktiven untermeerischen Caldera südlich von Japan zeigen. An Land verändern Lavaströme und Asche dagegen häufig bestehende Küsten oder Hänge. Selbst der Ätna auf Sizilien baut seinen Gipfelbereich bei wiederholten Eruptionen fortlaufend um. Anak Krakatau ist besonders anschaulich, weil diese Veränderungen auf einer kleinen Insel unmittelbar die Grenze zwischen Meer und Land verschieben.

Warum die Inseln für Vulkanologen besonders wichtig sind

Die neuen Formationen sind nicht nur geographische Kuriositäten. Ihre Position könnte Hinweise darauf liefern, wo Magma während der September-Eruption unter dem Meeresboden aufstieg. Sollten sich dort neue Schlote gebildet haben, verändert das die räumliche Einschätzung künftiger Aktivität. Deshalb wurde die Öffentlichkeit davor gewarnt, sich den neuen Inseln zu nähern. Neben instabilem Untergrund können heiße Gase, weitere Eruptionen und plötzlich veränderte Wassertemperaturen gefährlich sein. Gleichzeitig liefern wiederholte Satellitenaufnahmen eine seltene Gelegenheit, die Entwicklung neuer vulkanischer Landflächen fast von ihrem ersten Auftauchen an zu verfolgen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Brandung das Material wieder abträgt oder ob aus den beiden kleinen Flecken dauerhafte Bestandteile der Krakatau-Landschaft werden.

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