Eingeschnittene Mäander

Goosenecks machen in Utah aus 2,1 Kilometern 8,9 Kilometer Flussweg

 Dennis Lenz

Goosenecks machen in Utah aus 2,1 Kilometern 8,9 Kilometer Flussweg
Von der Internationalen Raumstation aus fotografiert: die tief eingeschnittenen Flussschleifen des San Juan River im Süden Utahs auf dem Weg zum Lake Powell. Die Aufnahme zeigt die Goosenecks als eng gewundene, hufeisenförmige Canyons im Wüstenplateau. Ein Mitglied der Expedition 75 hielt die Szene mit einer Nikon Z9 fest. Der Fluss folgt seinem geschlungenen Lauf westwärts durch mehr als 300 Millionen Jahre altes Gestein. (Foto: © NASA Earth Observatory / ISS Crew Earth Observations Facility, NASA Johnson Space Center (ISS075-E-188830), NASA)

Von der Internationalen Raumstation aus zeigt ein Astronautenfoto des NASA Earth Observatory die Goosenecks des San Juan River im Süden Utahs. In hufeisenförmigen Bögen legt der Fluss in einem Abschnitt 8,9 Kilometer zwischen Punkten zurück, die nur 2,1 Kilometer Luftlinie auseinanderliegen. Solche Mäander entstehen sonst bei geringem Gefälle; offen bleibt, wann sich das Colorado-Plateau so hob, dass der Schlingenlauf sich tief eingraben konnte.

Ein Mitglied der ISS-Expedition 75 nahm die tief eingeschnittenen Schleifen des San Juan am 6. Oktober 2026 mit einer digitalen Nikon Z9 und 400 Millimetern Brennweite auf. Die ISS Crew Earth Observations Facility und die Earth Science and Remote Sensing Unit am NASA Johnson Space Center stellten die Aufnahme bereit. Techniker beschnitten das Bild, verstärkten den Kontrast und entfernten Artefakte des Objektivs. Die Aufnahme gibt die karge Wüstentopografie wieder, durch die sich der Fluss gräbt. In einem Beitrag des NASA Earth Observatory zu Utahs Goosenecks heißt es, das ISS-Programm wolle solche Erdfotos frei im Internet verfügbar machen.

Weitere Aufnahmen von oben zeigen ebenfalls andere Gesteinslandschaften auf der Erde, darunter einen hellen Gesteinsfleck auf Madagaskar. Auf dem Weg nach Westen zum Lake Powell hat der San Juan eingeschnittene Mäander geschaffen, die Fachleute als Goosenecks bezeichnen. Der Name beschreibt gewundene Canyons und Täler, deren Form an den gebogenen Hals einer Gans erinnert. Das Stationsprogramm stützt das Labor als Teil des ISS National Lab, damit Astronauten Bilder der Erde aufnehmen, die für Wissenschaft und Öffentlichkeit besonderen Wert besitzen. Weitere Bilder von Astronauten und Kosmonauten sind über das Gateway to Astronaut Photography of Earth am Johnson Space Center zugänglich. Die vorliegende Fotografie trägt die Kennung ISS075-E-188830.

Goosenecks State Park zeigt den San Juan in engen Schleifen

Im Kern besteht der State Park aus einem Parkplatz an einer rund 300 Meter hohen Klippe, unter der der Fluss seinen Canyon gegraben hat. Die auffälligen Schleifen haben der Landschaft den Status eines State Parks eingebracht. Die steile Kante öffnet einen weiten Blick auf den gewundenen Canyon und das Wasser zu seinen Füßen. Erst von oben wird die Anlage der Schleifen wirklich verständlich, weil der Blick dann mehrere Bögen zugleich erfasst. Andere NASA-Aufnahmen nutzen dieselbe Übersicht, etwa ein NASA-Bild einer vier Kilometer breiten Spinnenform in Australien, deren Erosionsmuster am Boden leicht als gewöhnliche Felszüge erscheinen.

Ein Abschnitt ist so stark gekrümmt, dass der Fluss 8,9 Kilometer zurücklegt, während die beiden Endpunkte in der Luftlinie nur 2,1 Kilometer voneinander liegen.

Paradox- und Honaker-Trail-Formationen tragen die Klippen in Utah

Untere und obere Wandstufen bestehen aus mehr als 300 Millionen Jahre alten Gesteinen der Paradox-Formation und der Honaker-Trail-Formation. Darüber liegt die Halgaito-Formation; sie bedeckt die Wüstenfläche entlang der Zufahrt und bildet zugleich den Untergrund des Parkplatzes. Kalkstein, Siltstein, Sandstein und Tonschiefer bauen diese Klippen und Hänge auf.

Ursprung der Schichten war ein Meer, in dem der Wasserspiegel abwechselnd stieg und fiel, bevor er zurückwich und ein weitgehend ebenes Land zurückließ. Über diese sanfte Fläche mäandrierte der frühe San Juan, ähnlich wie der heutige Mississippi über eine flache Ebene ziehen kann. Vor mehreren zehn Millionen Jahren, so das Earth Observatory, teilte der damalige Lauf wichtige Züge mit diesem großen Strom: wenig Relief, viel Raum für weite Schleifen und eine allmähliche Reise hangabwärts.

Utah Geological Survey erklärt das geringe Gefälle am San Juan

Mäandrierende Gewässer winden sich, weil ihr Gefälle gering ist, und schneiden gerade deshalb gewöhnlich keine tiefen Canyons. Steile Flüsse fließen schneller und können sich kräftig eintiefen, legen ihren Lauf aber meist gerade an. An den Goosenecks stehen beide Eigenschaften nebeneinander: ein alter Schlingenplan in einem tief eingeschnittenen Tal.

Laut einer GeoSights-Darstellung der Utah Geological Survey hoben sich die Quellgebiete zusammen mit dem Colorado-Plateau etwa vor 15 bis 20 Millionen Jahren; der Zeitpunkt bleibt in der Fachwelt umstritten. Mit dieser Deutung stiegen Gefälle, Strömungsgeschwindigkeit und die Rate, mit der sich der Fluss eintiefte. Der bereits angelegte Schlingenlauf blieb erhalten und schnitt sich in das Gestein ein. Einige Experten datieren diese Phase nach Darstellung des Earth Observatory in die späteren Abschnitte der Plateauentwicklung, nahe dem älteren Rand der von der Survey genannten Zeitspanne.

Karlstrom beschreibt die Hebung des Colorado-Plateaus in Episoden

Für den weiteren Rahmen des Hochlands, nicht als unmittelbare Erklärung der Goosenecks selbst, fassen Karlstrom und Kollegen die Tektonik des Colorado-Plateaus und seiner Ränder in einer Übersichtsarbeit zusammen. Dem Abstract zufolge umgibt ein rund zwei Kilometer hoher Rand einen Kern von etwa 1,6 Kilometern Höhe. Eine erste Phase vor rund 70 bis 50 Millionen Jahren brachte das Gebiet durch eine flach abtauchende Platte über den Meeresspiegel. Eine zweite Phase vor rund 38 bis 23 Millionen Jahren verbinden die Autoren mit umfangreichem regionalem Magmatismus und dem Rückzug der Platte. Die jüngere Hebung vor weniger als 20 Millionen Jahren ordnen sie landeinwärts wanderndem Basaltmagmatismus zu, der einer konvektiven Abtragung des lithosphärischen Kerns folgte.

Die jüngste Episode dauert nach Einschätzung der Verfasser an. Neogene Hebung half demnach, den Colorado River ab 11 Millionen Jahren aus den Rocky Mountains zu verknüpfen und um etwa 5 Millionen Jahre bis zum Golf von Kalifornien anzuschließen. Die Autoren sprechen von einem jungen, vorübergehenden Hochland, das sich hebt, während es zugleich schrumpft. Hebung und Abtragung formten nach ihren Summary Points über diesen langen Zeitraum die heutigen Landschaften des Hochlands. Einen eigenen Blick in die Tiefe unter demselben Hochland eröffnen Gesteinsfunde wie Eklogit aus Colorado mit Schmelzspuren bei 800 Grad.

Sulphur Creek und der Snake River zeigen vergleichbare Schleifen

Als weiteres schulbuchmäßiges Beispiel nennt die Utah Geological Survey den Sulphur Creek im Capitol Reef National Park im Wayne County. Vergleichbare Abschnitte liegen auch im Snake River Canyon im Süden Idahos. Viele weitere eingeschnittene Schlingen finden sich über das Colorado-Plateau verteilt; nach Einschätzung der Behörde sind keine so eng gewunden und zugleich so tief eingeschnitten wie die Goosenecks des San Juan.

Moab, Bluff und Salt Lake City markieren die Anfahrt zum Canyon

Der State Park liegt im San Juan County am südlichen Ende der Utah State Route 316, die dort als Sackgasse ausläuft, rund 270 Meilen südöstlich von Salt Lake City, das entspricht etwa 435 Kilometern. Von Moab sind es auf dem US Highway 191 rund 100 Meilen nach Bluff, wo die Strecke in den US Highway 163 übergeht. Nach weiteren 17 Meilen zweigt die State Route 261 ab, und nach einer Meile folgt die Schlussstrecke von rund 3,5 Meilen zum Parkplatz. Die Hochlage ist nach Angaben der Survey sehr windig, besonders für alle, die dort Zelte aufschlagen oder länger unter freiem Himmel bleiben.

Perseus und Messier 24 sind vom Park mit bloßem Auge sichtbar

Abseits heller Siedlungen in der Hochwüste half ein Rundumblick von 360 Grad über den Himmel dem Gebiet 2021 zur Auszeichnung International Dark Sky Park. DarkSky International führt an, dass von dort der Doppelsternhaufen im Perseus und die Sternwolke Messier 24 im Sagittarius-Spiralarm der Milchstraße ohne Fernglas erkennbar sind.

Im November 2026 bieten dunkle Nächte die Chance, mehrere Sternschnuppenschwärme zu sehen, weil die Nördlichen Tauriden, die Südlichen Tauriden und die Leoniden im Laufe des Monats ihre Höhepunkte erreichen.

NASA Earth Observatory, Taking a Gander at Utah’s Goosenecks

Utah Geological Survey, GeoSights: The Goosenecks of the San Juan River, San Juan County, Utah

Karlstrom et al., Tectonics of the Colorado Plateau and Its Margins, Annual Review of Earth and Planetary Sciences; doi:10.1146/annurev-earth-032320-111432

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