Landschaft nach Einschlag

NASA-Bild zeigt vier Kilometer breite Spinnenform in Australien

 Dennis Lenz

NASA-Bild zeigt vier Kilometer breite Spinnenform in Australien
(Symbolbild) Ein NASA-Bild rückt eine ungewöhnliche Gesteinsformation in Westaustralien in den Blick. Die auffällige Spinnenform ist Teil einer wesentlich größeren geologischen Struktur. Ihre Gestalt entstand durch das Zusammenwirken eines Einschlags und späterer Erosion. Die neue Satellitenansicht zeigt einen lange bekannten Ort, dessen genaue Entstehungszeit weiterhin unsicher ist. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Ein NASA-Bild zeigt eine etwa vier Kilometer breite Spinnenform in Australiens Felslandschaft. Helle Steinrücken ziehen sich wie gekrümmte Beine von einem zentralen Bereich nach außen. Die am 13. Oktober 2026 veröffentlichte Ansicht stammt vom Satelliten Landsat 9. Hinter dem auffälligen Muster steckt der stark abgetragene Rest eines gewaltigen Einschlags.

Der Ort heißt Spider Crater und liegt in der Kimberley-Region in Westaustralien. Das NASA Earth Observatory veröffentlichte die Aufnahme als Bild des Tages und erläuterte dazu den geologischen Hintergrund. Aufgenommen wurde sie bereits am 20. September 2026. Die auffällige Form ist also nicht plötzlich in der Landschaft entstanden und wurde auch nicht erst jetzt entdeckt. Neu ist die veröffentlichte Satellitenansicht des bekannten Einschlagsortes.

Die Spinnenform bildet nur den zentralen Teil einer größeren Struktur. Insgesamt umfasst der sichtbare, stark veränderte Einschlagsbereich ungefähr 13 mal elf Kilometer. Seine heutige Gestalt entspricht nicht einfach einem erhaltenen Loch, das ein Himmelskörper in den Boden schlug. Seit dem Ereignis haben sich Gesteine unterschiedlich stark abgetragen. Gerade das, was widerstandsfähiger blieb, prägt nun die ungewöhnliche Silhouette.

Was die steinernen Beine auf dem NASA-Bild sind

Die hellen Ausläufer bestehen aus Sandsteinrücken. Ihre Schichten wurden bei der Entstehung der Struktur verformt und gegeneinander bewegt. Später widerstanden sie der Abtragung besser als Teile des umgebenden Gesteins. Dadurch blieben erhöhte Rücken zurück, während weniger beständiges Material stärker verschwand. Die Landschaft erhielt nach und nach ein Relief, das aus der Höhe besonders auffällig erscheint.

Das Spinnenmuster ist damit kein eigenständiges Objekt, das auf dem übrigen Untergrund liegt. Es ist die sichtbare Anordnung verschiedener Teile desselben geologischen Aufbaus. Die Perspektive aus dem Orbit macht ihren Zusammenhang leichter erkennbar. Ein einzelner heller Rücken könnte am Boden zunächst wie ein gewöhnlicher Felszug wirken. Erst die Übersicht zeigt, wie mehrere dieser Strukturen zueinander orientiert sind.

Der Kraterboden bewegte sich nach oben

Bei großen Einschlägen kann nach der anfänglichen Auslenkung des Untergrunds eine zentrale Aufwölbung entstehen. Gestein aus tieferen Bereichen gelangt dabei nach oben. Die anschließende Umgestaltung kann Schichten verkippen, überlagern und aufeinander zuschieben. Der Spider Crater bewahrt Reste einer solchen Zentralhebung, deren Gestalt durch spätere Erosion besonders deutlich hervortritt.

Der Name Krater kann deshalb zu einer falschen Erwartung führen. Ein sehr alter Einschlagsort muss heute keine klare kreisrunde Mulde mit einem geschlossenen Rand mehr besitzen. Manche seiner sichtbaren Merkmale liegen als Erhebungen in der Landschaft. Das ist kein Widerspruch zum Einschlag. Es zeigt, dass zwischen dem ursprünglichen Ereignis und dem heutigen Relief eine lange Folge weiterer Veränderungen liegt.

Besondere Brüche verrieten den Einschlag

Die ungewöhnliche Form allein reichte nicht aus, um die Entstehung sicher zu erklären. Zeitweise wurde auch ein vulkanischer Ursprung diskutiert. Einen entscheidenden Hinweis lieferten sogenannte Strahlenkegel. Dabei handelt es sich um charakteristisch geformte Bruchflächen im Gestein, die durch extreme Stoßwellen entstehen können. Solche Strukturen wurden im zentralen Bereich des Spider Crater gefunden.

Für eine geologische Erklärung ist diese Art von Beleg wichtiger als die Ähnlichkeit mit einem vertrauten Gegenstand. Dass die Rücken aus der Luft an eine Spinne erinnern, erklärt ihren Namen. Die Brüche und Verformungen erklären dagegen, welchen Belastungen das Gestein tatsächlich ausgesetzt war. Eine überzeugende Rekonstruktion verbindet deshalb das große Landschaftsmuster mit den Spuren, die innerhalb des Materials erhalten blieben.

Winzige Kristalle ergänzen die kilometerweite Ansicht

Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung von Quarz und Zirkon analysierte solche Spuren genauer. Zum Team gehörten auch Forscher der Universität Freiburg. Die Arbeit untersuchte unter anderem 453 Zirkonkörner aus zwölf Gesteinsproben. Bestimmte Verformungen waren nicht gleichmäßig um das Zentrum verteilt. Das unterstützt die Interpretation eines schrägen Einschlags, dessen Wirkung innerhalb der Struktur unterschiedlich ausfiel.

Die Studie ist nicht neu, erhält durch die aktuelle Satellitenansicht aber einen anschaulichen Bezug. Das NASA-Bild zeigt Kilometer, die Laboruntersuchung erfasst winzige Veränderungen innerhalb einzelner Minerale. Beide Ebenen beantworten unterschiedliche Fragen. Das Bild macht die räumliche Anordnung sichtbar; die Kristalle liefern Hinweise darauf, wie das Gestein belastet wurde. Die auffälligste Stelle im Landschaftsbild muss dabei nicht automatisch der Bereich der stärksten mikroskopisch nachweisbaren Verformung sein.

Das genaue Alter bleibt offen

Der Einschlag wird grob in eine Zeit zwischen etwa 900 und 600 Millionen Jahren vor heute eingeordnet. Die große Spannweite macht deutlich, dass es sich nicht um eine präzise Datierung handelt. Die regionale Gesteinsgeschichte setzt Grenzen, liefert bislang aber kein enges Zeitfenster. Eine genaue Jahreszahl wäre deshalb nicht durch die verfügbaren Belege gedeckt.

Über einen so langen Zeitraum kann Erosion einen Einschlagsort erheblich verändern. Sie löscht Merkmale aus, legt aber zugleich tiefere Teile frei. Dadurch entsteht eine besondere Situation: Ein heute gut sichtbarer Aufbau kann gerade deshalb erkennbar sein, weil große Mengen darüberliegenden Materials bereits verschwunden sind. Auch andere auffällige Gesteinsformationen auf Satellitenbildern zeigen, wie stark eine Übersicht aus der Höhe den Blick auf die Erdgeschichte verändern kann.

Beim Spider Crater bleibt die Verbindung besonders eindrücklich. Die vermeintlichen Beine sind keine nachträglich hinzugefügten Linien, sondern widerstandsfähige Teile einer verformten Landschaft. Das neue NASA-Bild zeigt damit nicht den Einschlag selbst. Es zeigt, was von seiner Wirkung nach Hunderten Millionen Jahren noch übrig ist und weshalb ein alter Krater heute ganz anders aussehen kann als erwartet.

Meteoritics & Planetary Science, Asymmetric shock deformation at the Spider impact structure, Western Australia; doi:10.1111/maps.13621

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