Island

Gletschervulkan Grimsvötn kurz vor dem Ausbruch?

Robert Klatt

Häufige Erdbeben, vulkanischer Gase und Bodenhebungen deuten auf einen starken Ausbruch des Gletschervulkans Grimsvötn auf Island hin.

Reykjavík (Island). Der Grimsvötn auf Island gehört zu den aktivsten Vulkanen des Kontinents. Normalerweise ist der etwa acht Kilometer große Krater des Gletschervulkans unterhalb der 200 Meter dicken Eisschicht des Vatnajökull begraben. Bei einem Ausbruch des Gletschervulkan Grimsvötn kommt es deshalb nicht nur zu Asche- und Dampfwolken, sondern auch zu sogenannten Gletscherläufen (Jökulhlaup), deren Schmelzwasserfluten ein enormes Zerstörungspotenzial besitzen.

In den letzten Jahren gab es beim Grimsvötn nur kleinere Eruptionen, die letzte große Eruption erfolgte im Jahr 2011. Nun deuten Daten des Icelandic Meteorological Office (IMO) auf einen baldigen starken Ausbruch des sehr aktiven Vulkans hin. Die Hebung des Untergrunds um den Krater und die Erdbebenhäufigkeit liegt laut den Wissenschaftlern bereits jetzt über dem Niveau des großen Ausbruchs von 2011.

Geothermische Aktivität und vulkanische Gase

Außerdem hat laut geologischen Messungen auch der Wärmefluss im Vulkangebiet und die Emission vulkanischer Gase im Gletschergebiet deutlich zugenommen. Laut Vulkanologe Magnús Guðmundsson von der Universität Island „wird eine Zunahme der Seismizität und des Wärmeflusses typischerweise ein halbes Jahr bis zwei Jahre vor einem Caldera-Ausbruch beobachtet.“

Auch der Wasserstand im subglazialen See oberhalb des Vulkans deutet auf eine baldige Eruption hin. Dank der zunehmenden Vulkanhitze schmilzt der Gletscher zunehmend ab und füllt dadurch ein etwa Meter tiefe Reservoir. Der bisher erreichte Pegel des Sees ist bereits jetzt höher als vor den letzten großen Gletscherläufen, bei denen es in den Jahren 2004 und 2010 zu einer plötzlichen Schmelzwasserflut am Grimsvötn kam.

Hohe Wahrscheinlichkeit eines Jökulhlaup

Laut Forschern der isländischen Wetterbehörde „steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Jökulhlaup in den kommenden Monaten.“ Sollte des dazu kommen, würde dies auch einen Ausbruch des Vulkans deutlich wahrscheinlicher machen, weil die plötzliche Entleerung des Schmelzwassersees den Vulkan durch die Druckentlastung destabilisiert. Guðmundsson erklärt, dass „Ausbrüche schon wiederholt getriggert wurden, nachdem Jökulhlaups den Wasserspiegel im Caldera-See abgesenkt haben.“

Das Icelandic Meteorological Office konstatiert daher, dass „zahlreiche Datensätze dafürsprechen, dass der Grimsvötn eine Phase der Unruhe begonnen hat, die mit denen vergleichbar ist, die vor historischen Ausbrüchen beobachtet wurden.“ Offiziell wurde der Status des Gletschervulkans deshalb von grün auf gelb hochgestuft. Seine gestiegene Aktivität wird somit noch stärker überwacht, um bei einer kommenden Eruption möglichst früh eine Warnung aussprechen zu können.

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