Der Eisberg A-81 ist rund 1.550 Quadratkilometer groß und hat nach einer Reise durch das Weddellmeer Südgeorgien im Südatlantik erreicht. Satellitenaufnahmen zeigen, dass sich der gewaltige Eisblock am Rand des flachen Unterwasserschelfs der Insel deutlich verlangsamt hat. Hinter ihm liegen rund 2.300 Kilometer seit seinem Ursprung am Brunt-Schelfeis. Entscheidend ist nun, ob der Meeresboden seine weitere Drift nur bremst oder den Eisberg länger festhält.
Auf der Aufnahme des NASA-Satelliten Terra liegt ein heller, blockiger Eisberg im dunklen Wasser südwestlich von Südgeorgien. Dünne Wolken ziehen über das Meer, während die schneebedeckten Berge der langgestreckten Insel im Hintergrund stehen. Der rund 1.550 Quadratkilometer große Eisberg A-81 hat dort nach Angaben des NASA Earth Observatory seine Drift deutlich verlangsamt. Jan Lieser vom australischen Bureau of Meteorology und Christopher Shuman von der University of Maryland beschreiben, dass der Eisberg offenbar am Rand des flachen Unterwasserschelfs entlangstößt. Genau diese unsichtbare Schwelle unter der Meeresoberfläche macht die Situation auffällig.
A-81 stammt vom Brunt-Schelfeis in der Ostantarktis und brach dort im Januar 2023 ab. Das U.S. National Ice Center maß den frischen Eisberg damals mit 28 Seemeilen auf der längsten und 25 Seemeilen auf der breitesten Achse. In seiner Bestätigung des Abbruchs von A-81 verzeichnete das Zentrum außerdem die Position des neuen Eisbergs im Weddellmeer. Von dort begann eine lange Reise, die zunächst wesentlich langsamer verlief, als der heutige Abstand zum Ursprungsort vermuten lässt.
Mehr als drei Jahre blieb A-81 im Weddellmeer und wurde vom im Uhrzeigersinn fließenden Weddellwirbel entlang der antarktischen Küste transportiert. Erst danach erreichte der Eisberg die Spitze der Antarktischen Halbinsel und zog weiter nach Norden in die Scotiasee. Bis Südgeorgien legte er damit rund 2.300 Kilometer in nordnordwestlicher Richtung zurück. Das Weddellmeer ist dabei kein leerer Eisraum, sondern ein ökologisch außergewöhnliches Gebiet, in dem Wissenschaftler bereits das weltgrößte bekannte Fischbrutgebiet mit Millionen Nestern dokumentiert haben.
Auf dem Weg nach Norden verändert sich zugleich die Umgebung des Eisbergs. Meeresströmungen, Wind und Wellen greifen an seinen Flanken an, während wärmeres Wasser Schmelzprozesse beschleunigen kann. Ein Eisberg dieser Größe reagiert dabei nicht wie ein kleines Stück Treibeis, das jeder Windböe unmittelbar folgt. Große Eisberge reichen tief unter die Wasseroberfläche und können deshalb mit flachen Bereichen des Meeresbodens oder unterseeischen Schwellen in Kontakt kommen. Bei Südgeorgien trifft A-81 nun auf genau eine solche Zone.
Rund um Südgeorgien fällt der Meeresboden nicht überall sofort steil in die Tiefsee ab. Die Insel sitzt auf einem flacheren submarinen Schelf, dessen Rand für sehr große Eisberge zu einer mechanischen Bremse werden kann. Satellitendaten zeigen, dass A-81 kurz vor der Insel erheblich langsamer wurde und offenbar entlang dieser Kante schrammt. Von oben ist das Hindernis unsichtbar: Zu sehen sind nur das dunkle Wasser, der helle Eiskörper und die zerklüftete Insel. Unter der Oberfläche entscheidet dagegen die Tiefe des Eisbergs darüber, ob er frei weiterdriften kann.
Wie tief A-81 tatsächlich in das Wasser reicht, lässt sich aus der Flächenangabe allein nicht bestimmen. Eis schwimmt, weil seine Dichte geringer ist als die von Meerwasser, weshalb der größte Teil eines Eisbergs unterhalb der Wasserlinie liegt. Für einen Kontakt mit dem Schelf müssen Form und Tiefgang an der betreffenden Stelle zusammenpassen. Vergleichbare Spuren solcher Kontakte sind auch aus vergangenen Eislandschaften bekannt: In der Baffinbucht zeigen Formen am Meeresboden, wie mächtiges Eis über unterseeische Strukturen strich. Ein FuW-Bericht über ein dort rekonstruiertes bis zu zwei Kilometer dickes Schelfeis beschreibt diese Wechselwirkung zwischen Eis und Untergrund.
Der Unterwasserschelf vor Südgeorgien hat bereits andere Eisriesen aufgehalten. A-23A, über Jahrzehnte einer der größten bekannten Eisberge der Erde, lief dort 2025 auf und blieb zeitweise fest. Später zerbrach der Eisberg weiter. Für A-81 liefert dieser Vorgänger keinen sicheren Fahrplan, denn Größe, Form, Tiefgang und die genaue Anströmung unterscheiden sich. Er zeigt aber, dass die flache Zone vor der Insel groß genug ist, um die Bewegung kilometerlanger Eisberge deutlich zu beeinflussen.
Satelliten sind für diese Beobachtung besonders wichtig, weil sich das Gebiet weit entfernt von dauerhaft bewohnten Regionen befindet. Das MODIS-Instrument auf Terra erfasst große Flächen in einem einzigen Überflug und macht Veränderungen der Position sowie der äußeren Form sichtbar. Auf der aktuellen Aufnahme wirkt A-81 wie eine kompakte weiße Platte, während kleinere Eisstücke in seiner Umgebung treiben. Für Jan Lieser und Christopher Shuman ist gerade die langsamere Positionsänderung das Signal dafür, dass der Eisberg am Schelfrand nicht mehr ungehindert weiterzieht.
Die Geschichte von A-81 begann lange vor seiner Reise. Am Brunt-Schelfeis blieb der als Chasm 1 bezeichnete Riss etwa 35 Jahre vergleichsweise stabil. Um 2012 setzte erneut Wachstum ein, und ab 2019 öffnete sich die Spalte so schnell, dass ein großer Abbruch näher rückte. Mehrere Jahre hielt die Verbindung noch stand, bevor sich A-81 schließlich als eigenständiger Eisberg löste. Solche Kalbungsereignisse gehören zum normalen Lebenszyklus von Schelfeisen, doch die Abfolge großer Abbrüche am Brunt-Schelfeis fällt durch ihre Größenordnung auf.
Neben A-81 lösten sich dort A-74 im Jahr 2021 und A-83 im Jahr 2024. A-74 ist inzwischen zerfallen, während A-83 noch intakt ist und A-81 nach Norden folgt. Die Serie macht das Brunt-Schelfeis zu einer gut beobachteten Region, zumal sich dort auch die britische Halley-Forschungsstation befindet. Wie stark sich Schelfeise verändern können, zeigen auch andere Regionen der Erde; FuW berichtete zuletzt darüber, dass wenige im Wasser endende Gletscher einen besonders großen Anteil am globalen Eisverlust verursachen.
Für Südgeorgien zählt nun weniger die Entfernung, die A-81 bereits zurückgelegt hat, als seine Bewegung in den kommenden Tagen und Wochen. Bleibt der Eisberg am Rand des Schelfs hängen, können Strömung, Wellen und Schmelze länger an derselben Position auf ihn einwirken. Löst er sich wieder, kann er weiter in den Südatlantik driften und dabei zunehmend in wärmeres Wasser geraten. Satellitenbilder werden deshalb zeigen, ob aus der auffälligen Verlangsamung ein längerer Stopp entsteht oder ob A-81 nur über eine flache Kante hinwegschrammt.
Auf der Terra-Aufnahme steht der Eisberg als helle Fläche neben der schmalen, gebirgigen Insel und wirkt beinahe unbeweglich. Unter dem dunklen Wasser liegt jedoch der Schelfrand, an dem sich seine Reise gerade entscheidet. Der 1.550 Quadratkilometer große A-81 hat den offenen Weg durch Weddellmeer und Scotiasee hinter sich; wenige unsichtbare Meter Wassertiefe können nun bestimmen, wie schnell er Südgeorgien wieder verlässt.
NASA Earth Observatory, A-81 Reaches South Georgia
U.S. National Ice Center, Iceberg A-81 Calved from the Brunt Ice Shelf in the Weddell Sea
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