Die Eifel-Vulkane galten lange als gleichmäßig arbeitendes Vulkanfeld, das über Hunderttausende Jahre hinweg in ruhigem Takt kleine Ausbrüche produzierte. Eine neue Altersbestimmung an Zirkonkristallen zeichnet ein völlig anderes Bild. Ein Team aus Heidelberg, Perth und Göttingen datierte die jüngsten Eruptionen der Westeifel und stieß dabei auf eng begrenzte Aktivitätsphasen, in denen zahlreiche Krater nahezu zeitgleich entstanden. Die jüngste dieser Phasen liegt rund 25.000 Jahre zurück. Der Befund verschiebt die Grundlage für die Gefahrenabschätzung in einem der am dichtesten besiedelten Vulkangebiete Europas.
Die Eifel-Vulkane bilden gemeinsam mit wenigen anderen Regionen Mitteleuropas ein sogenanntes kontinentales Vulkanfeld, also eine Landschaft aus vielen kleinen Einzelvulkanen statt eines einzigen großen Kegels. Prägend sind dort die Maare. Ein Maar entsteht, wenn aufsteigendes Magma auf Grundwasser trifft, das Wasser schlagartig verdampft und die Explosion einen Trichter in die Erdoberfläche sprengt, der sich später mit Wasser füllt. Genau diese kreisrunden Seen haben dem Vulkantyp weltweit seinen Namen gegeben, denn er wurde in der Westeifel zuerst wissenschaftlich beschrieben. Maare zählen zu den häufigsten Vulkanformen der Erde und treten fast immer in Gruppen auf. Allein im Westeifeler Vulkanfeld liegen mehr als einhundert solcher Strukturen auf engem Raum, darunter bekannte Ausflugsziele wie die Dauner Maare und das Pulvermaar. Wann diese Krater jeweils aufgerissen wurden, war bislang weitgehend offen.
Der Grund für diese Lücke liegt in der Gesteinschemie. Übliche geochronologische Verfahren setzen an Mineralen an, die in den Eifelmagmen schlicht nicht vorkommen. Das Team um die Heidelberger Doktorandin Anne Sturm wich deshalb auf Krustenxenolithe aus, also auf Gesteinsbruchstücke aus der Erdkruste, die vom aufsteigenden Magma mitgerissen und bei einem Vulkanausbruch an die Oberfläche befördert werden. Diese Fragmente enthalten reichlich Zirkon. In den Zirkonkristallen zerfallen Uran und Thorium mit bekannter Rate zu Helium. Solange das Kristall heiß ist, entweicht das Helium, beim Abkühlen bleibt es eingeschlossen. Aus der gemessenen Heliummenge lässt sich damit rekonstruieren, wann das Korn und sein Umgebungsgestein abgekühlt sind, also wann die Eruption stattfand. Details zum methodischen Vorgehen beschreibt die Mitteilung der beteiligten Universität, die den Ansatz als Umweg über Fremdgestein einordnet.
Mit der Zirkon-Uran-Thorium-Helium-Datierung entstand erstmals ein in sich stimmiges Altersmodell für mehrere der bekanntesten Maare der Westeifel. Die Messreihe zeigt keine gleichmäßige Verteilung über die Zeit, sondern eine deutliche Bündelung. Drei Eruptionsepisoden treten klar hervor, sie liegen etwa 75.000, 48.000 und 25.000 Jahre zurück. Innerhalb dieser Episoden brachen zahlreiche Vulkane über große Teile des Vulkanfeldes nahezu gleichzeitig aus, statt sich über Jahrtausende zu verteilen. Die stärkste und zugleich jüngste dieser Phasen erzeugte unter anderem die Dauner Maare sowie das Pulvermaar. Damit ändert sich die Vorstellung davon, wie ein solches Vulkanfeld arbeitet. Es verhält sich weniger wie ein langsam tropfender Hahn und mehr wie ein System, das lange schweigt und dann in kurzer Zeit an vielen Stellen gleichzeitig reagiert. Ähnlich unerwartete Strukturen im Untergrund hatte zuvor bereits eine Neuauswertung alter seismischer Daten zu Magmakammern unter der Eifel geliefert.
Besonders bemerkenswert ist der zeitliche Rahmen der jüngsten Phase. Sie fällt in die kälteste Spanne der letzten Eiszeit, also in eine Periode mit ausgedehnten Eisschilden und entsprechend niedrigem Meeresspiegel. Beginn und Höhepunkt der Ausbruchsepisoden fallen laut der Auswertung mit einem deutlichen Absinken des Meeresspiegels im Nordseebecken zusammen. Das widerspricht bisherigen Modellen, die vulkanische Aktivität in Mitteleuropa mit der Erwärmung während der Warmzeiten und dem damit verbundenen Meeresspiegelanstieg verknüpft hatten. Die neue Chronologie dreht dieses Bild um. Als physikalischer Hintergrund kommt die Entlastung und Belastung der Erdkruste durch wechselnde Eis- und Wassermassen infrage, die Spannungszustände im Untergrund verschiebt und Aufstiegswege für Magma öffnen oder schließen kann. Ein direkter Nachweis dieses Mechanismus steht allerdings aus, die Datierung belegt zunächst nur die zeitliche Übereinstimmung und nicht deren Ursache.
Aus den Ergebnissen folgt kein akuter Alarm, wohl aber eine methodische Korrektur. Wer die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Ausbruchs aus einer gemittelten Ausbruchsrate der vergangenen Jahrhunderttausende ableitet, unterschätzt systematisch, was in einer aktiven Phase möglich ist, und überschätzt zugleich die Aktivität in den langen Ruhezeiten dazwischen. Genau darauf weist das Team hin, denn kontinentale Vulkanfelder liegen weltweit häufig in dicht besiedelten oder touristisch erschlossenen Regionen. Für die Eifel bedeutet das vor allem einen präziseren Bezugsrahmen für Überwachung und Risikomodelle. Offen bleibt, ob sich die drei erkannten Episoden bei weiteren Datierungen als noch schärfer begrenzt erweisen und ob sich vergleichbare Muster in anderen Vulkanfeldern nachweisen lassen. Welche Gebiete in Deutschland überhaupt als relevant gelten, hatte zuletzt eine Indexanalyse zur Frage gezeigt, wo ein Vulkanausbruch in Deutschland künftig denkbar ist.
Contributions to Mineralogy and Petrology, Eruptive pulsing of maar and scoria cone clusters in the West Eifel volcanic field, Germany, during the last glacial maximum revealed by zircon (U-Th)/He dating of crustal xenoliths; doi:10.1007/s00410-026-02351-8