Evolution

Wie beeinflusst die Penisgröße die Attraktivität von Männern?

 Robert Klatt

Großer Penis hat evolutionäre Vorteile )moc.sotohptisopedTIMIIL(Foto: © 

Männer haben innerhalb der Primaten im Verhältnis zur Körpergröße einen überdurchschnittlich langen und dicken Penis. Nun wurde untersucht, ob es sich dabei um eine evolutionäre Entwicklung handelt, die die Attraktivität gegenüber Frauen erhöht oder männliche Feinde einschüchtern soll.

Crawley (Australien). Der Penis des Menschen ist innerhalb der Primaten (Primates) verhältnismäßig zur Körpergröße überdurchschnittlich lang und dick. In der Biologie geht man davon aus, dass dafür der sogenannte Selektionsdruck verantwortlich ist, also dass männliche Vorfahren des modernen Menschen (Homo sapiens) mit einem größeren Penis in der Evolution einen Vorteil hatten. Forscher der University of Western Australia (UWA) haben nun untersucht, welche selektiven Effekte für den überproportional großen Penis der heutigen Männer verantwortlich sind.

„Bei männlichen Tieren gibt es zwei Hauptmechanismen für eine sexuelle Selektion. Zum einen kann die Partnerwahl der Weibchen dazu führen, dass bestimmte, als attraktiv geltende Merkmale der Männchen auffälliger werden.“

Ein großer Penis könnte zudem dazu dienen, männliche Rivalen abzuschrecken.

56 computergenerierte Männerfiguren

Die Wissenschaftler haben 200 Probandinnen 56 computergenerierte Männerfiguren, deren Körpergröße, Körperstatur und Penisgröße im Ruhezustand sich deutlich unterschieden haben, gezeigt, um zu analysieren, wie Frauen die Penisgröße bewerten. Dazu haben die Frauen die sexuelle Attraktivität der Männer bewertet. Laut den Antworten auf die Aufgabe „Gebe auf einer siebenstufigen Skala an, wie sexuell attraktiv du diesen Mann findest“ sind Männer mit einem großen Penis für Frauen tatsächlich attraktiver.

„Die lineare Selektion war am stärksten für die männliche Körperstatur, gefolgt von schwächeren, aber noch immer signifikanten Vorlieben für Größe und Penisgröße

 Die Statur hat aber einen größeren Einfluss auf die Attraktivität. Kleine und sichtbar unfitte Männer werden also auch dann als unattraktiv angesehen, wenn sie einen großen Penis haben. Zudem erhöhen sowohl ein größerer Penis als auch breitere Schultern ab einem Grenzwert die Attraktivität nicht weiter.

Bedrohung durch großen Penis?

Das Experiment wurde außerdem mit 600 Männern durchgeführt, die zwei Fragen beantwortet haben.

„Wie eifersüchtig wärst du, wenn dieser Mann mit deiner Partnerin spräche?“

„Wie bedroht würdest du dich fühlen, wenn dieser Mann auf einen Kampf mit dir aus wäre?“

Die Antworten der Männer unterscheiden sich deutlich von denen der Frauen. Sie stufen übertriebene körperliche Merkmale wie einen extrem großen Penis oder extrem breite Schultern als vermeintlichen Vorteil bei Frauen ein, obwohl das Plateau, bei dem die Attraktivität durch diese Faktoren beeinflusst wird, bereits deutlich früher erreicht wird.

„Das legt nahe, dass Männer dazu neigen, die Bedeutung dieser Merkmale für die weibliche Partnerwahl zu überschätzen. Dies verzerrt ihre Wahrnehmung der Konkurrenz durch attraktive Rivalen.“

Männer empfinden zudem Männer mit einem größeren Penis oft als Bedrohung.

„Das unserer Ansicht nach wichtigste Resultat der Studie ist, dass die Penisgröße beeinflusst, wie Männer die Kampfstärke eines Rivalen einschätzen. Männer fühlten sich stärker bedroht, wenn ein potenzieller Gegner einen großen Penis hatte.“

Wie die Forscher erklären, liefert die Studie somit erstmals einen Beleg dafür, dass die Penisgröße bei Menschen nicht nur bei der Partnersuche hilft, sondern auch als Signal von körperlicher Kampfstärke gesehen wird. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass das Testosteronlevel mitbeeinflusst, wie groß der Penis in der Pubertät wird und wie sich die Muskeln entwickeln. Es ist somit wahrscheinlich, dass der überdurchschnittlich große Penis des Menschen durch zwei parallel aufgetretene Selektionskräfte entstanden ist.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sowohl weibliche Vorlieben als auch die Konkurrenz mit anderen Männern den Größenzuwachs des Genitals gefördert haben.“

Quellen:

Pressemitteilung der University of Western Australia (UWA)

Studie im Fachmagazin PLOS Biology, doi: 10.1371/journal.pbio.3003595

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