Brasilien und Co.

Weltkarte zeigt Regionen mit unbekannten Wirbeltierarten

Robert Klatt

Bisher wurden nur zehn bis 20 Prozent der Lebewesen auf der Erde wissenschaftlich beschrieben. Die „Weltkarte der unentdeckten Arten“ zeigt nun, in welchen Regionen potenziell noch unbekannte Wirbeltiere leben.

New Haven (U.S.A.). Wissenschaftler der Universität Yale haben vor knapp zehn Jahren eine globale Datenbank erstellt, die alle bekannten Arten der Erde enthält und diese übersichtlich auf einer „Weltkarte des Lebens“ darstellt. Nun hat das Team der Universität Yale um Walter Jetz erneut die Fauna der Erde untersucht. Sie haben sich dabei nicht auf bereits bekannte Lebewesen fokussiert, sondern nach Regionen gesucht, in denen noch unbekannte Lebewesen entdeckt werden könnten.

„Angesichts des Tempos, mit dem sich die Umwelt rund um den Planeten verändert, besteht kein Zweifel daran, dass viele Arten aussterben werden, ehe wir jemals von ihrer Existenz erfahren. Ich finde, wir sind es zukünftigen Generationen schuldig, diese Wissenslücken schnell zu schließen“, erklärt Jetz. Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass die Wissenschaft bisher lediglich zehn bis 20 Prozent der auf der Erde lebenden Arten beschrieben hat.

Weltkarte der unentdeckten Arten

„Bekannte Arten sind die Arbeitseinheiten in vielen Erhaltungsansätzen – unbekannte Arten werden dagegen normalerweise kaum in Schutzüberlegungen mit einbezogen. Um die biologische Vielfalt weltweit zu erhalten, müssen wir sie erst einmal kennen“, erklärt Mario Moura.

Die Wissenschaftler haben deshalb auf Basis historischer und aktueller Daten eine Hochrechnung dazu erstellt, wo und wie viele unbekannte Arten der vier Hauptwirbeltiergruppen potenziell auf der Erde noch zu finden sind. Die Ergebnisse wurden in Form einer „Weltkarte der unentdeckten Arten“ kürzlich im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution vorgestellt.

11 Schlüsselfaktoren

„Die Chancen, früh entdeckt und beschrieben zu werden, sind nicht bei allen Arten gleich“, erklärt Moura. Sie hängt laut der Studie von elf Schlüsselfaktoren ab. In dicht besiedelten Gebieten wird man demnach nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit unbekannte große Wirbeltiere finden, während die Wahrscheinlichkeit in unzugänglichen Regionen kleine Spezies zu entdecken deutlich höher ausfällt. Als chancenreichste Regionen für die Entdeckung neuer Wirbeltiere identifizierten die Forscher Brasilien, Indonesien, Madagaskar und Kolumbien. Dort könnte etwa ein Viertel aller potenziellen Entdeckungen erfolgen.

In den kommenden Jahren wollen Moura und Jetz gemeinsam mit weiteren Forschern die Karte noch auf unentdeckte Pflanzen-, Meeres- und Wirbellose Arten auszudehnen.

Nature Ecology & Evolution, doi: 10.1038/s41559-021-01411-5

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