Neuguinea

Seit Jahrtausenden ausgestorben geglaubte Tiere lebend entdeckt

 Dennis Lenz

Seit Jahrtausenden ausgestorben geglaubte Tiere lebend entdeckt
(Symbolbild) Zwei ausgestorben geglaubte Tiere aus der Gruppe der Beuteltiere waren der Wissenschaft bisher nur aus Fossilien bekannt. Nun gelang in den Regenwäldern Neuguineas der Nachweis, dass beide Arten bis heute überlebt haben. Möglich wurde die Sensation durch eine ungewöhnliche Zusammenarbeit von Museen, indigenen Gemeinschaften und Laienforschern. (Foto: © Forschung und Wissen)

In der Zoologie gibt es kaum etwas Selteneres als eine Lazarus-Art, also ein Tier, das nach seinem vermeintlichen Aussterben lebend wieder auftaucht. Nun melden Forscher gleich zwei solcher Fälle auf einen Schlag. Auf der Vogelkop-Halbinsel im Westen Neuguineas wurden zwei ausgestorben geglaubte Tiere nachgewiesen, die zuvor nur aus mindestens 6.000 Jahre alten Fossilien bekannt waren. Beide Beuteltiere wiegen nur wenige hundert Gramm und blieben der Wissenschaft über Generationen verborgen.

Als Lazarus-Arten bezeichnet die Biologie Spezies, die aus dem Fossilbericht verschwinden und als ausgestorben gelten, bis sie unerwartet lebend wiederentdeckt werden. Das berühmteste Beispiel ist der Quastenflosser, der seit Jahrmillionen verschwunden schien und 1938 in den Netzen südafrikanischer Fischer auftauchte. Solche Funde sind extreme Ausnahmen, denn in den allermeisten Fällen bedeutet das Verschwinden einer Art aus allen Aufzeichnungen tatsächlich ihr Ende. Umso außergewöhnlicher ist der Fall, den Wissenschaftler des Australian Museum und des Bishop Museum in Honolulu nun dokumentiert haben. Gleich zwei Beuteltierarten, die nach Fossilfunden vor etwa 7.500 bis 6.000 Jahren aus den Ablagerungen verschwanden, leben demnach bis heute in den abgelegenen Regenwäldern der Vogelkop-Halbinsel im indonesischen Teil Neuguineas, einer der am schlechtesten erforschten Regionen der Erde.

Bei der ersten Art handelt es sich um Dactylonax kambuayai, einen nur rund 200 Gramm schweren Verwandten der Streifenbeutler mit schwarz-weißem Fell. Sein auffälligstes Merkmal ist ein extrem verlängerter vierter Finger, mit dem das nachtaktive Tier auf Totholz klopft, um lauschend Larven unter der Rinde aufzuspüren. Die zweite Art, der Gleitbeutler Tous ayamaruensis, segelt mit einer Flughaut von Baum zu Baum, nistet in Höhlen alter Urwaldriesen und bindet sich lebenslang an einen Partner. Er ist der nächste lebende Verwandte des australischen Riesengleitbeutlers und begründet zugleich die erste neu beschriebene Beuteltiergattung Neuguineas seit 1937. Beide Funde wurden im März 2026 in zwei Studien im Fachjournal Records of the Australian Museum veröffentlicht und international als zoologische Sensation gewertet.

Wie die ausgestorben geglaubten Tiere gefunden wurden

Der Nachweis gelang nicht durch eine einzelne Expedition, sondern durch jahrelange Detektivarbeit, wie das Bishop Museum in seiner Mitteilung schildert. Die Forscher um Tim Flannery und Kristofer Helgen kombinierten Fossilfragmente aus der Kria-Höhle mit einem bereits 1992 gesammelten, damals falsch bestimmten Museumsexemplar, mit zwei vergessenen Belegtieren in einem Sammlungsglas der Universität von Papua-Neuguinea und mit seltenen Fotografien lokaler Naturbeobachter. Den entscheidenden Beitrag leisteten die indigenen Gemeinschaften der Tambrauw und Maybrat, die beide Tiere seit Generationen kennen. Der Gleitbeutler, dort Tous genannt, gilt einigen Clans als heilig und als Manifestation der Ahnen, weshalb über ihn mit Außenstehenden kaum gesprochen wurde. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Fund eine Wiederentdeckung, aus lokaler Sicht war das Tier nie verschwunden.

Zweite Chance für zwei Überlebenskünstler

Für den Artenschutz sind die Funde eine seltene Hoffnungsbotschaft, denn sie zeigen, dass selbst über Jahrtausende abgeschriebene Arten unbemerkt überdauern können. Zugleich mahnen die Forscher zur Eile, weil die Regenwälder Neuguineas zunehmend durch Abholzung schrumpfen und beide Arten auf große, alte Bäume angewiesen sind. Über Bestandsgrößen, Verbreitung und Lebensweise ist bislang fast nichts bekannt, weshalb nun gezielte Schutz- und Forschungsprogramme gemeinsam mit den lokalen Gemeinschaften folgen sollen, wie das Australian Museum mitteilt. Die Geschichte reiht sich in eine kleine Serie spektakulärer Wiederentdeckungen ein, zu der etwa auch eine ausgestorben geglaubte Leoparden-Art in Taiwan gehört. Während andernorts versucht wird, verschwundene Beuteltiere wie den Tasmanischen Tiger per Gentechnik zurückzuholen, haben diese beiden Arten die Jahrtausende aus eigener Kraft überstanden.

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