Von: Dennis L.
Neunauge

Prähistorischer Lurch-Fisch wieder in Flüssen gesichtet

Das letzte Mal wurde der prähistorische Lurch-Fisch, der auch als Neunauge bekannt ist, im Jahr 1800 in englischen Flüssen gesichtet. Er galt zwar noch nicht als ausgestorben, aber die englische Umweltbehörde hat ihn als äußerst selten und gefährdet eingestuft. Diesen Sommer wurde nun erstmals wieder seit über 200 Jahren ein Exemplar in englischen Flüssen gesichtet.

Die Neunaugen gehren langsam in europäische Gewässer zurück.
© Britische Umweltbehörde

(England). Für Umweltschützer sind es gute Nachrichten, für begeisterte Flussschwimmer eher eine beängstigende Meldung: Die äußerst seltenen und stark bedrohten Neunaugen wurden nun erstmals seit über 200 Jahren wieder in englischen Flüssen gesichtet. Bei den prähistorischen Lurch-Fischen handelt es sich um aalartige Fische, die bereits vor hunderten Millionen Jahren die Erde besiedelten. Da die Neunaugen schon lange vor den Dinosauriern lebten, bezeichnen Wissenschaftler die Tiere auch gerne als lebende Fossilien.

Bis zu einem Meter lang und zahlreiche scharfe Zähne

Die Meeresneunaugen können als größte europäische Untergattung der Neunaugen eine Länge von bis zu einem Meter erreichen. Die Natur hat ihren Mund mit kreisförmig angeordnete, scharfen Zähnen ausgestattet, mit denen sie sich in andere Fische verbeißen, um ihnen ihr Blut auszusaugen. Neunaugen zählen dabei aber nicht zu den Fischen, sondern werden zu den Wirbeltieren gezählt. Sie pflanzen sich allerdings wie Lurche ausschließlich im Wasser fort.

Auch wenn die bizarr wirkenden Tiere so aussehen, als wäre ihr liebster Lebensraum ein düsteres Sumpfgebiet, so sind sie tatsächlich auf sehr sauberes Wasser zum Überleben angewiesen. Die industrielle Revolution und die damit verbundene Wasserverschmutzung sorgten für einen dramatischen Rückgang der Neunaugen. Da diese Urtiere wie Lachse zum Laichen flussaufwärts schwimmen, machten ihnen zudem neu errichtete Wasserbarrieren wie Mühlen oder Stauwehre das Leben schwer.

Verbesserte Umweltbedingungen

Die britische Umweltbehörde versucht seit einigen Jahren die Lebensbedingungen der Neunaugen zu verbessern. Dafür räumt sich Hindernisse auf dem Weg der Laichstellen beiseite oder errichtet spezielle Neunaugen-Leitern. Mit diesen ist es den Tieren möglich, sich mit Hilfe ihres Saugmundes langsam aber sicher flussaufwärts zu bewegen.

Rückkehr in europäische Flüsse

Inzwischen schätzt man, dass es insgesamt drei Neunaugen-Spezies gibt, die sich wieder in britischen Flüsse ansiedeln. Eine Art davon lebt permanent im Süßwasser, während zwei der Gattungen meist im Meer leben, sich aber zum Laichen flussaufwärts begeben.

Selbst in der Ostsee wurden wieder vereinzelt Neunaugen gesichtet. Dennoch schein eine umfassende Rückkehr der Neunaugen in europäische Gewässer als unwahrscheinlich. Die Tiere gelten immer noch als äußerst gefährdet und extrem seltene Spezies.

Die vermehrte Sichtung der Neunaugen zeigt aber, dass die internationalen Bemühungen zum Umweltschutz Wirkung zeigen. Die Rückkehr der prähistorischen Lurch-Fische ist auf eine verbesserte Wasserqualität zurück zu führen, so die britische Umweltbehörde.

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