Die Gepunktete Laternenträgerzikade ist in Ungarn inzwischen an acht Stellen im Ort Lakitelek nachgewiesen. Es handelt sich um den ersten bekannten Fund in der Europäischen Union, nicht aber um den ersten Nachweis in der EPPO-Region: Moldau meldete die Art bereits im August 2026. Ungarn sucht auch im Winter nach getarnten Eigelegen, weil die Zikade als Ei überwintert. Das Julius Kühn-Institut (JKI) hält eine Verschleppung nach Deutschland nach dem Fund in Ungarn und einem einzelnen lebenden Tier in einem belgischen Flugzeug für deutlich wahrscheinlicher; ein deutsches Vorkommen ist bislang nicht belegt.
Der erste Hinweis auf die Gepunktete Laternenträgerzikade kam am 4. Juli 2026 aus einem Privatgarten in Lakitelek im südungarischen Komitat Bács-Kiskun. Ein Bewohner meldete ein unbekanntes Insekt und schickte Fotos an die Behörden. Fachleute untersuchten die Tiere anschließend im Labor und bestätigten die Art sowohl anhand äußerer Merkmale als auch molekular. Die Laboruntersuchung bestätigte die Art; dabei wurden sowohl Nymphen als auch erwachsene Tiere nachgewiesen. Nach Angaben des Melders waren die Insekten an derselben Stelle bereits 2025 aufgefallen.
Dass alle Entwicklungsstadien vorhanden waren, spricht dafür, dass die Einschleppung nicht erst kurz vor dem Fund erfolgte. Das JKI geht deshalb davon aus, dass die Art mindestens ein oder sogar mehrere Jahre zuvor nach Ungarn gelangt sein könnte. Die Europäische und Mediterrane Pflanzenschutzorganisation EPPO hält in ihrem Bericht fest, dass ein möglicher Zusammenhang mit früher auf das Grundstück gebrachten Holzkisten untersucht wird. Belegt ist dieser Transportweg bislang nicht. Die Behörde prüft weiterhin, wie lange der Befall besteht und auf welchem Weg die Tiere nach Lakitelek gelangten. Das JKI hat seine Einschätzung zur Gefahr für Deutschland in der Pressemitteilung PI2026-07 zur Gepunkteten Laternenträgerzikade erläutert.
Nach dem jüngsten von der ungarischen Behörde Nébih mitgeteilten Stand wurde die Laternenträgerzikade inzwischen an acht Stellen in Lakitelek bestätigt. Das bedeutet nicht, dass sich der Schädling bereits über ganz Ungarn ausgebreitet hat. Um jeden bestätigten Fundpunkt wurde eine Befallszone mit einem Radius von 100 Metern festgelegt. Darum liegt eine weitere Pufferzone mit einem Radius von drei Kilometern. Sie umfasst sowohl bebaute Grundstücke als auch Außenbereiche und soll zusätzliche Vorkommen aufspüren sowie eine weitere Ausbreitung verhindern. Die gesamte Pufferzone gilt ausdrücklich nicht als befallen.
In den abgegrenzten Bereichen kombinieren die Behörden mechanische und chemische Maßnahmen. Erwachsene Tiere werden bekämpft, während die Eigelege mechanisch entfernt werden. Für vier Pflanzenschutzmittel hat Nébih Notfallzulassungen erteilt; die Anwendung erfolgt nach behördlich festgelegten Bedingungen und wird an die Aktivität der Insekten sowie an das Wetter angepasst. Auf Privatgrundstücken liegt die Bekämpfung bei den Eigentümern, auf öffentlichen Flächen bei der Kommune. Die Suche nach Eigelegen endet nicht mit dem Herbst, sondern wird während des gesamten Winters fortgesetzt.
Die ungarischen Maßnahmen betreffen auch den Transport von Material aus dem Befallsgebiet. Der Abtransport bestimmter Pflanzen und unbehandelter Holzmaterialien ist eingeschränkt; dazu zählen unter anderem Brennholz, Rundholz, Hackschnitzel und Rinde. Fahrzeuge, Arbeitsmaschinen und Container sollen sorgfältig kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden. Auch Grünschnitt darf aus dem Befallsgebiet nicht abtransportiert werden. Diese Vorgaben gelten für das abgegrenzte ungarische Gebiet und sind keine pauschale deutsche Transportregel. Sie zeigen aber, weshalb die Behörden nicht nur Pflanzen, sondern ebenso Transportmittel und Warenoberflächen kontrollieren.
Die Gepunktete Laternenträgerzikade (Lycorma delicatula) stammt nach Angaben des JKI aus China, Indien und Vietnam. Sie gehört zu den saugenden Insekten und ernährt sich vom Pflanzensaft. Nymphen und erwachsene Tiere stechen dafür an Stämmen, Ästen und Blättern an und entziehen den Pflanzen Flüssigkeit und gelöste Nährstoffe. Bei starkem Befall kann die anhaltende Saugtätigkeit das Wachstum hemmen, Blätter welken lassen und einzelne Pflanzenteile zum Absterben bringen. Das Problem beschränkt sich deshalb nicht auf sichtbare Fraßspuren: Die Pflanze wird durch den fortgesetzten Saftentzug geschwächt.
Zusätzlich scheidet die Zikade große Mengen zuckerhaltigen Honigtaus aus. Auf den klebrigen Belägen können sich Rußtaupilze ansiedeln, die Blätter dunkel überziehen. Diese Pilzschicht behindert die Photosynthese, also die Umwandlung von Licht, Wasser und Kohlendioxid in energiereiche Stoffe. Dadurch kommt zur direkten Belastung durch das Saugen ein zweiter Schaden hinzu. Bei hohen Insektendichten können sich die Auswirkungen auf Wachstum und Vitalität der Wirtspflanzen verstärken.
Das Wirtspflanzenspektrum ist breit. Zu den wichtigen Pflanzen zählen Weinreben, Walnuss, Ahorn, Robinie, Weiden, Apfelbäume und Steinobst. Besonders häufig nutzt die Art den Götterbaum (Ailanthus altissima), der in Städten und entlang von Verkehrswegen verbreitet ist. Die ungarische Behörde verweist unter Berufung auf Erfahrungen aus Übersee auf mehr als 100 Pflanzenarten, an denen sich die Zikade ernähren kann. Wie hoch die Schäden ausfallen, hängt jedoch von der Zahl der Insekten, den verfügbaren Wirtspflanzen, dem Klima und möglichen natürlichen Gegenspielern ab. Die Folgen anderer eingeschleppter Tierarten sind nicht ohne Weiteres übertragbar; eine FuW-Auswertung zu invasiven Amphibien und Reptilien behandelt beispielsweise eine andere Tiergruppe und andere Schadensmechanismen.
Die Nébih nannte für Nordamerika örtlich Verluste von bis zu 90 Prozent der Traubenernte. Diese Zahl ist eine Angabe der ungarischen Behörde zu einzelnen betroffenen Regionen in Nordamerika. Sie ist weder eine allgemeine Schadensquote für alle Weinberge noch eine Prognose für Ungarn oder Deutschland. Für Europa liegen aus dem beschriebenen ungarischen Befall keine entsprechenden Ernteverluste vor. Das Risiko besteht vor allem darin, dass sich eine Population bei günstigen Bedingungen stark vermehren und dadurch zahlreiche Wirtspflanzen gleichzeitig belasten könnte.
Die Art durchläuft nach der Einschätzung des JKI einen einjährigen Entwicklungszyklus. Im Frühjahr schlüpfen die Nymphen aus den überwinterten Eiern. Im Sommer treten die erwachsenen, geflügelten Tiere auf. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in Gruppen ab, die jeweils etwa 30 bis 50 Eier enthalten. Häufig überziehen sie das Gelege mit einer wachsartigen Substanz. Diese Schicht tarnt die Eier und schützt sie zusätzlich vor Austrocknung und Kälte. Weil die Art im Ei-Stadium überwintert, bleibt sie auch dann als Einschleppungsrisiko bestehen, wenn im Winter keine erwachsenen Tiere mehr zu sehen sind.
Für die Eiablage sind nicht nur lebende Wirtspflanzen relevant. Die Eigelege können an abgestorbenem Holz und an vielen glatten künstlichen Oberflächen haften. Nébih nennt unter anderem Zäune, Holzmaterial, Fahrzeuge und andere Gegenstände im Freien. Der Überzug wirkt häufig grau und schlammartig, sodass ein Gelege auf den ersten Blick wie angetrockneter Schmutz aussehen kann. Eine Kontrolle allein der Weinreben oder Obstbäume würde solche Ablageorte übersehen. Deshalb suchen die ungarischen Einsatzkräfte auch im Winter an den Oberflächen, über die Eier später mit Waren oder Fahrzeugen weitertransportiert werden könnten.
Die Eier sind der entscheidende Ansatzpunkt, bevor im Frühjahr die nächste Generation schlüpft. In der folgenden Vegetationsperiode sind in Ungarn zwei verpflichtende Pflanzenschutzbehandlungen vorgesehen, die sich vor allem gegen die jungen Nymphen richten. Sie sollen den Bestand reduzieren, bevor die Tiere erwachsen und fortpflanzungsfähig werden. Auch der Götterbaum ist Teil der Strategie: Befallene Exemplare werden so entfernt, dass sie nicht erneut austreiben. Ausgenommen sein können Bäume, die von den Behörden ausdrücklich zur Beobachtung markiert wurden. Die Maßnahmen zeigen, dass die Eindämmung nicht auf eine einzelne Spritzung oder eine einmalige Entfernung von Tieren begrenzt ist.
Der Jahreszyklus unterscheidet die Art auch von anderen Zikaden, deren Entwicklung deutlich länger dauern kann. So verbringen periodische Zikaden je nach Art 13 oder 17 Jahre im Boden, bevor sie nahezu gleichzeitig schlüpfen. Bei Lycorma delicatula liegt zwischen Eiablage und der nächsten erwachsenen Generation dagegen ungefähr ein Jahr. Für die Überwachung bedeutet das: Ein im Winter übersehenes Gelege kann bereits im folgenden Frühjahr neue Nymphen hervorbringen.
Erwachsene Gepunktete Laternenträgerzikaden sind an ihrer auffälligen Flügelzeichnung zu erkennen. Die Vorderflügel sind graubraun und tragen zahlreiche schwarze Punkte. Werden die Flügel geöffnet, erscheinen die kräftig roten Hinterflügel mit schwarzen Flecken sowie hellen und dunklen Partien. Das charakteristische Muster unterscheidet die Art von vielen unauffälliger gefärbten heimischen Insekten. Die Färbung allein ist dennoch kein ausreichendes Kriterium, um ein Tier ohne fachliche Prüfung sicher zu bestimmen.
Auch die Nymphen verändern ihr Aussehen während der Entwicklung. Junge Tiere sind zunächst schwarz mit weißen Punkten. In einem späteren Stadium kommt eine rote Färbung hinzu, sodass die Nymphen schwarz, weiß und rot gezeichnet sind. Wer nur nach dem ausgewachsenen Tier mit den roten Hinterflügeln sucht, kann deshalb jüngere Entwicklungsstadien übersehen. Umgekehrt ist nicht jedes rot-schwarze Insekt eine Laternenträgerzikade. Andere Tiere sollten nicht aufgrund einer oberflächlichen Ähnlichkeit getötet oder eigenmächtig bekämpft werden.
Bei den Eigelegen ist weniger eine einzelne Farbe als vielmehr die Oberfläche entscheidend. Die Gruppen aus 30 bis 50 Eiern liegen häufig unter einer grauen, wachsartigen Schicht, die wie getrockneter Schlamm aussehen kann. Sie können an Baumstämmen und Ästen sitzen, aber ebenso an Zäunen, Holzstücken, Fahrzeugen oder anderen glatten Außenflächen. Gerade an Gegenständen, die bewegt oder transportiert werden, ist dieser Fundort für die Ausbreitung bedeutsam. Eine sichere Artbestimmung lässt sich aus einem unscharfen Foto oder einer grauen Ablagerung allein nicht ableiten.
Das hier verwendete USDA-Originalfoto zeigt ein erwachsenes Tier mit geöffneten Flügeln. Die Aufnahme entstand am 30. August 2018 in Reading im US-Bundesstaat Pennsylvania und dokumentiert die Art in Nordamerika, nicht den Fundort Lakitelek. Die roten Hinterflügel und die schwarz gepunkteten grauen Vorderflügel sind auf der Aufnahme gut zu unterscheiden. Das Bild ist damit eine Referenz für das Aussehen des erwachsenen Insekts, aber kein Belegfoto der ungarischen Population.
Die Ausbreitung kann über den Transport von Pflanzen und Waren erfolgen. Das JKI nennt Wirtspflanzen, Pflanzenteile, Rundholz, Holzprodukte und verarbeitete Holzmaterialien als mögliche Wege. Besonders problematisch sind Eigelege, weil sie an totem Holz und glatten künstlichen Oberflächen haften können. Dadurch können sie unbemerkt an Lastwagen, Containern, Gütern oder Fahrzeugteilen mitreisen. Das JKI sieht deshalb auch Fabriken und Industrieanlagen mit Lieferungen aus Befallsgebieten als mögliche Risikostandorte.
Dr. Stephanie Feltgen vom JKI bewertet die Lage nach dem ungarischen Nachweis und dem Fund eines einzelnen lebenden Insekts in einem in Belgien gelandeten Flugzeug als deutlich veränderte Risikosituation. Das Tier im Flugzeug belegt keine Population in Belgien. Ebenso gibt es bislang keinen bestätigten Nachweis einer etablierten Population in Deutschland. Der dichte Fernverkehr auf Europas Straßen kann nach Einschätzung des JKI jedoch dazu beitragen, dass eingeschleppte Tiere oder Eigelege rasch an weitere Orte gelangen. Die Gefahr entsteht somit nicht allein durch die Nähe eines befallenen Gartens, sondern auch durch weitreichende Waren- und Verkehrsverbindungen.
Das JKI stuft die klimatischen Bedingungen in Europa und Deutschland als passend ein. Feltgen sagt: „Europa im Allgemeinen und auch Deutschland im Speziellen werden als klimatisch passend eingestuft“. Diese Einschätzung beschreibt eine mögliche Eignung und ist keine Vorhersage, dass sich die Art in Deutschland sicher etablieren wird. Besonders gefährdet wären laut JKI wärmere Tieflagen mit Weinbau, städtische Räume und verkehrsnahe Korridore. Dort kommen mit Weinreben, Walnuss und Obstbäumen mehrere Wirtspflanzen vor; zugleich ist der bevorzugte Götterbaum im urbanen Raum und entlang von Verkehrswegen verbreitet.
Frühere Einschleppungen zeigen, dass die Art außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets Fuß fassen kann. Nach Angaben des JKI wurde sie 2004 in Südkorea, 2008 in Japan und 2014 in den USA nachgewiesen. Diese Beispiele belegen, dass die Zikade über neue Regionen verschleppt werden kann; sie erlauben aber keine direkte Vorhersage, wie schnell oder mit welchen Schäden sie sich in Mitteleuropa ausbreiten würde.
Das JKI bittet Bürger, ein verdächtiges Tier einzufangen, gegebenenfalls zu fotografieren und den zuständigen Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes zu informieren. Die Kontaktdaten der Landesstellen sind in einer Übersicht der Ansprechpartner für Pflanzengesundheit zusammengestellt. Alternativ nimmt das JKI Hinweise unter pflanzengesundheit@julius-kuehn.de entgegen. Hilfreich sind ein scharfes Foto und eine möglichst genaue Ortsangabe, damit Fachleute den Fund einordnen und gegebenenfalls überprüfen können.
Ein Verdacht sollte nicht allein aufgrund der roten Farbe eines Insekts entstehen. Aussagekräftiger ist die Kombination aus den grauen, schwarz gepunkteten Vorderflügeln und den roten Hinterflügeln eines erwachsenen Tieres oder die charakteristische schwarz-weiß-rote Zeichnung einer Nymphe. Bei einem möglichen Eigelege ist der graue, wachsartige Überzug ein Hinweis, aber kein sicherer Beweis. Die Bestimmung und die Entscheidung über weitere Maßnahmen gehören zu den zuständigen Pflanzenschutzbehörden. Eine eigenständige Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht angezeigt.
Der erste bestätigte ungarische Fund lag nicht in einem Weinberg, sondern in einem Privatgarten auf einer Jungfernrebe. Das EPPO-Protokoll nennt sowohl Nymphen als auch erwachsene Tiere auf dieser Kletterpflanze. Die Beobachtung erweitert den Blick auf mögliche Fundorte: Verdächtige Tiere müssen nicht ausschließlich an Weinreben auftreten. In Lakitelek wird die Suche deshalb über die ursprünglich betroffene Pflanze hinaus auf weitere Grundstücke, Gehölze und transportfähige Oberflächen ausgedehnt.
Julius Kühn-Institut, Mit der gepunkteten Laternenträgerzikade erreicht ein gefährlicher Quarantäneschadorganismus Europa
European and Mediterranean Plant Protection Organization, Lycorma delicatula in Hungary, EPPO Reporting Service 2026/206
Nébih, Megjelent hazánkban a pöttyös lámpahordó-kabóca; Nébih-Angaben gegenüber baon.hu, Kártevő kabóca irtása Lakiteleken
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