Ochsenfrosch & Nachtbaumnatter

Invasive Arten verursachen Schäden in Milliardenhöhe

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Gebietsfremde Tierarten (Neobiota) bedrohen Ökosysteme und verursachen hohe wirtschaftliche Schäden
  • Durch invasive Amphibien und Reptilien entstanden zwischen 1986 und 2020 wirtschaftliche Schäden von etwa 16,5 Milliarden Euro
  • Ein Großteil davon entfällt auf den Ochsenfrosch und die Nachtbaumnatter, die auch das Aussterben heimischer Tierarten zu verantworten haben.

Invasive Amphibien und Reptilien haben zwischen 1986 und 2020 wirtschaftliche Schäden von etwa 16,5 Milliarden Euro verursacht. Ein Großteil davon entfällt auf den Ochsenfrosch und die Nachtbaumnatter, die auch das Aussterben heimischer Tierarten zu verantworten haben.

Frankfurt am Main (Deutschland). Die Globalisierung hat die Verbreitung gebietsfremder Arten (Neobiota) stark beschleunigt. Diese Bioinvasoren bedrohen laut einer Studie des Senckenberg-Forschungszentrums für Biodiversität und Klima (BiK-F) vor allem die Ökosysteme in Europa. Allein durch invasive Krebstiere in Süßgewässern entstanden laut dem BiK-F seit den 1960er-Jahren Schäden in Höhe von 236 Millionen Euro.

Nun haben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts im Rahmen einer neuen Studie untersucht, welche Schäden eingeschleppte Amphibien und Reptilien zwischen 1986 und 2020 verursacht haben. Die im Fachmagazin Scientific Reports publizierte Studie basiert auf der Datenbank InvaCost, die ebenfalls im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht wurde. Betreut wird die Datenbank unter anderem vom französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS). InvaCost dokumentiert alle bekannten monetären Schäden, die durch invasive Arten entstanden sind.

16,5 Milliarden Euro Schäden durch invasive Amphibien und Reptilien

Laut der Analyse haben invasive Amphibien und Reptilien im Studienzeitraum einen ökonomischen Gesamtschaden von etwa 16,5 Milliarden Euro verursacht. Bei Amphibien (10,1 Milliarden Euro) entstehen die Schäden hauptsächlich durch Kosten, die bei der Bekämpfung der Frösche, Kröten oder Lurche entstehen. Bei Reptilien (6,1 Milliarden Euro) entfallen die Schäden primär auf Schäden, die die Tiere etwa in der Landwirtschaft verursachen.

Ochsenfrösche und Nachtbaumnattern

Ein Großteil der Schäden entfällt auf nur zwei invasive Arten, die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) und der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus). Beide Tierarten dezimieren heimische Spezies und destabilisieren dadurch die lokalen Ökosysteme. Dies begünstigt die Verbreitung von Krankheiten bei anderen Tierarten und führt zu geringeren Ernten.

Regionale Verteilung der Schäden

Die Kosten sind global nicht gleich verteilt. Am stärksten betroffen sind Ozeanien und die Inseln im Pazifik (63 %) und Europa (35 %). Auf Nordamerika entfallen nur zwei Prozent.

Als besonders drastisches Beispiel nennen die Wissenschaftler die westpazifische Insel Guam, auf der über 10.000 invasive Braune Nachtbaumnatter pro Quadratkilometer leben. Eingeschleppt wurden die Schlangen durch Truppentransporte der US-Armee im Zweiten Weltkrieg. Innerhalb weniger Jahre dezimierten die Schlangen die heimischen Vögel signifikant. Einige Vogelarten sind aufgrund der invasiven Spezies auf Guam ausgestorben. Überdies ist die Schlange auf der Insel regelmäßig für Stromausfälle verantwortlich, die Reparaturkosten verursachen.

Tatsächliche Schäden wahrscheinlich höher

"Unsere Studie zeigt erstmals die weltweit entstehenden Kosten durch die Herpetofauna auf. Die Schäden sind sehr wahrscheinlich noch viel höher, als uns InvaCost aufzeigen kann – es fehlt an Daten, sodass sich die bisherige Erfassung nur auf einige wenige Arten und Regionen konzentriert und auf die letzten Jahrzehnte beschränkt ist. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Invasionsraten in Zukunft zunehmen werden – dem wird ein Anstieg der wirtschaftlichen Kosten folgen. Die wirtschaftlichen Kosten können durch Investitionen in Maßnahmen zur Begrenzung des globalen Transports invasiver Amphibien und Reptilien und durch frühzeitiges Erkennen von Invasionen reduziert werden. Dies könnte die Notwendigkeit eines langfristigen Managements von invasiven Arten und das Ausmaß der entstandenen Schäden verringern – Vorbeugen ist günstiger als Heilen!", konstatiert Haubrock. 

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-022-15079-9

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41597-020-00586-z

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