Honigbienen können andere Bestäuber aktiv von gemeinsam genutzten Blüten verdrängen. Bei Beobachtungen an Brombeeren und Efeu registrierten Forscher sowohl Ausweichbewegungen als auch direkte Verfolgungen. Wo viele Honigbienen sammelten, waren bestimmte andere Insekten seltener an den Pflanzen vertreten. Das Ergebnis zeigt einen möglichen Konkurrenzmechanismus, aber noch keinen nachgewiesenen langfristigen Rückgang ganzer Populationen.
Das Team um Victoria Buckle von der Anglia Ruskin University untersuchte fünf Standorte in und um Cambridge. Alle lagen höchstens 300 Meter von bekannten Honigbienenvölkern entfernt. Über zwei Jahre kamen 93 Stunden Beobachtungszeit zusammen. Die Wissenschaftler dokumentierten 300 Begegnungen und unterschieden, ob ein Insekt Zugang zur Blüte gewann, diesen verlor oder die Nahrung ohne Konflikt geteilt wurde.
Eine Blüte stellt nur begrenzte Mengen an Nektar und Pollen bereit. Wenn ein Insekt einen Teil davon entnimmt, bleibt für einen späteren Besucher weniger übrig. Diese indirekte Konkurrenz erfordert keine Begegnung. Eine zweite Form entsteht, wenn ein Besucher einen anderen unmittelbar am Zugang hindert. Genau solche direkten Interaktionen standen in der Untersuchung im Mittelpunkt.
Die Beobachter unterschieden Honigbienen, Hummeln, einzeln lebende Wildbienen, Schwebfliegen und weitere Blütenbesucher. Dazu gehörten beispielsweise Schmetterlinge, Käfer und Wespen. Diese Gruppen nutzen ähnliche Ressourcen, unterscheiden sich jedoch in Körperbau, Verhalten und Lebensweise. Eine zahlenmäßig starke Gruppe muss daher nicht in jeder einzelnen Begegnung gewinnen. Umgekehrt kann auch ein kleineres Tier einen Konkurrenten zum Ausweichen bringen.
An Brombeeren wichen andere Bestäuber in rund 28 Prozent der erfassten Begegnungen den Honigbienen aus. An Efeu lag der entsprechende Anteil bei etwa 36 Prozent. Bei mindestens einem Fünftel der Kontakte, die zugunsten einer Honigbiene endeten, spielte aktives Verdrängen oder Verfolgen eine Rolle. Diese Anteile beziehen sich auf beobachtete Interaktionen. Sie beschreiben nicht den Anteil sämtlicher Blütenbesuche oder aller Insekten in der Landschaft.
Mit einer Verdopplung der beobachteten Honigbienendichte ging an Brombeeren eine um etwa 14 Prozent geringere Häufigkeit von Hummeln einher. An Efeu bestanden entsprechende negative Zusammenhänge mit anderen Besuchergruppen. Eine solche Beziehung passt zur beobachteten Konkurrenz, beweist aber nicht allein deren gesamten Einfluss. Wetter, Blütenangebot und die räumliche Verteilung der Insekten können ebenfalls mitwirken. Die direkten Verhaltensbeobachtungen machen den Zusammenhang jedoch konkreter als eine reine Zählung.
Eine auffällige Ausnahme war die Efeubiene. Diese einzeln lebende Wildbiene verteidigte ihren Zugang und vertrieb ihrerseits Honigbienen. Der Befund zeigt, dass die Konkurrenz nicht überall gleich verläuft. Die beteiligten Arten und die jeweilige Nahrungspflanze verändern die Situation. Eine einfache Rangliste, in der eine Art allen anderen stets überlegen ist, würde die Beobachtungen deshalb verkürzen.
Auch Temperatur und Wind können beeinflussen, welche Insekten gerade aktiv sind und wie oft sie zusammentreffen. Im untersuchten Datensatz waren höhere Temperaturen mit mehr Konkurrenzkontakten verbunden. Eine mögliche Erklärung ist ein verändertes Verhältnis zwischen Nahrungsangebot und Nachfrage. Daraus folgt jedoch noch keine allgemeine quantitative Prognose für künftige Klimabedingungen. Dazu müssten weitere Standorte, Jahreszeiten und Ressourcen untersucht werden.
Die Gesundheit bewirtschafteter Honigbienenvölker und der Schutz vielfältiger Bestäubergemeinschaften sind verwandte, aber unterschiedliche Ziele. So zielt die Entwicklung von ergänzendem Futter für Honigbienen auf die Versorgung bestimmter Völker. Für Wildbienen und andere Insekten zählen dagegen auch geeignete Blüten, Nistmöglichkeiten und die Konkurrenz vor Ort. Eine Maßnahme kann deshalb nicht allein an der Zahl aufgestellter Bienenstöcke bewertet werden.
Die Studie spricht dafür, bei der Planung von Standorten das vorhandene Blütenangebot und wild lebende Bestäuber mitzudenken. Sie liefert keine pauschale zulässige Dichte von Bienenvölkern für jede Landschaft. Ebenso wurden weder Fortpflanzungserfolg noch langfristige Bestandsentwicklung aller beteiligten Arten gemessen. Als unmittelbares Ergebnis bleibt ein klar dokumentierter Vorgang: An gemeinsam genutzten Blüten konkurrieren die Tiere nicht nur um bereits entnommene Nahrung, sondern können einander auch direkt den Zugang versperren.
Ecological Entomology, Honeybees directly outcompete other flower visitors through interference competition on shared resource; doi:10.1111/een.70139
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