Crassostrea hongkongensis

Hongkong-Austern sind natürliche Filter des Meeres

Robert Klatt

Austern leisten einen wichtigen Beitrag zur Meeresreinigung. In Hong Kong hat das wilde Ernten die einst großen Bestände aber fast vollständig zerstört.

Hong Kong (Volksrepublik China). Austernbänke und Kolonien anderer Muschelarten waren vor den Küsten gemäßigter und subtropischer Bereiche der Ozeane einst weitverbreitet. Inzwischen wurde ein Großteil dieser natürlichen Muschelbänke vernichtet oder durch kommerzielle Zuchtanlagen ersetzt.

Marine Thomas von der Organisation The Nature Conservancy in Hongkong: „Global haben wir 85 Prozent aller Muschelbänke verloren – damit gehören sie zu den am stärksten gefährdeten marinen Lebensräumen der Erde.“

Austernbänke sind wichtiger Bestandteil des Ökosystems

Die stabilen Strukturen natürlicher Austernbänke brechen die Wellen, erzeugen dadurch ruhige Zonen im Wasser und bieten Jungtieren von Fischen und anderen Meerestieren einen geschützten Lebensraum. Das Verschwinden der Muschelkolonien ist aus ökologischer Perspektive deshalb ein großer Verlust für das Ökosystem.

Marine Thomas: „Die meisten Menschen assoziieren Austern mit einer essbaren Delikatesse, aber weniger bekannt ist, dass Austern ökologisch wertvolle Riffhabitate bilden. Nur wenn wir diese verlorenen Habitate wiederherstellen, können wir auch einige ihrer positiven Effekte auf die Meeresumwelt wiedergewinnen.“

Austernbänke vor Hong Kong untersucht

Wissenschaftler der Universität von Hong Kong (HKU) haben aus diesem Grund untersucht, in welchem Zustand sich die Austernbänke im Meer um Hong Kong befinden und wie stark die Hongkong-Auster (Crassostrea hongkongensis) das dortige Wasser filtert. Laut der im Fachmagazin Restoration Ecology publizierten Studie sind vor allen in der unteren Gezeitenzone Hongkongs noch Teile der einst großen Austernbänke vorhanden.

Sally C. Y. Lau: „Diese Gebiete sind aber stark degradiert und haben meist nur noch geringe Dichten an Austern, meist sind diese zudem weniger als zwei Jahre alt. Die Muschelhabitate sind in Hongkong kaum geschützt. Daher ist das wilde Ernten ein großes Problem: Sobald die Muscheln groß genug zum Essen sind, nimmt sie jemand mit.“

Hongkong-Austern reinigen das Meer

Eine detaillierte Untersuchung der Hongkong-Austern zeigt, dass die Muscheln entscheidend zur Meeresreinigung beitragen. Bei sommerlichen Temperaturen filtert bereits eine kleine einjährige Auster etwa 30 Liter Wasser pro Stunde. Es handelt sich dabei um eine der höchsten Filtrationsraten unter den verschiedenen Austernarten.

Eine kleine Austernbank von nur sieben Quadratmetern filtert pro Tag das Volumen eines olympischen Schwimmbeckens. Um die noch immer hohe Leistungsfähigkeit der verbleibenden Austern zu erhalten, sollten die Muscheln daher besonders geschützt werden.

Marine Thomas: „Wir arbeiten bereits gemeinsam mit der Regierung daran, diese wichtigen Ökosysteme in Zukunft besser zu schützen.“

Natürliche Regeneration der Muschelbestände vor Hong Kong möglich

Laut der Studie ist eine natürliche Regeneration der Hongkonger Austernbänke noch möglich. Die Biologen konnten in einigen Bereichen des Meeres bis zu 500.000 Jungmuscheln pro Quadratmeter zählen.

Marine Thomas: „Zwar schwankte die Zahl der Tiere, die bis ins Erwachsenenalter überlebten, dennoch gab es ausreichend neu eintreffende Larven und genügend Überlebende, um die Austernbänke auch ohne gezielte Nachzucht und ei Aussetzen von Larven zu gewährleisten.“

Der wahrscheinlichste Ursprungsort der zahlreichen Austernlarven sind laut den Forschern die traditionellen Austernfarmen im nahen Perlflussdelta. Ein Teil, der dort freigesetzten Larven gelangt über die Strömung vor Hong Kongs Küsten und schafft damit das Potenzial für die Erholung der Bestände.

Die Wissenschaftler vermuten aber auch, dass die meisten Muschelbänke in anderen Regionen Südostasiens sich selbst regenerieren würden, wenn Schutzmaßnahmen das wilde Ernten verhindern würde.

Restoration Ecology, doi: 10.1111/rec.13267

Spannend & Interessant
VGWortpixel