Beagle

Genschere entfernt den wichtigsten Auslöser der Hundeallergie

 Dennis Lenz

Genschere entfernt den wichtigsten Auslöser der Hundeallergie
(Symbolbild) Millionen Menschen reagieren mit tränenden Augen und Niesreiz auf Hunde, weil ein einziges Eiweiß im Speichel und in den Hautschuppen ihr Immunsystem alarmiert. Ein Forschungsteam hat genau dieses Protein bei zwei Beagle-Welpen mithilfe einer Genschere gezielt abgeschaltet. Der Fall verschiebt die Debatte über die vermeintlich allergenarme Zucht und rückt die genetische Ursache der Hundeallergie in den Mittelpunkt. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Rund 15 Prozent der Menschen vertragen keine Hunde, weil ihr Immunsystem auf ein bestimmtes Eiweiß im Speichel und in den Hautschuppen überreagiert. Bei der Hundeallergie gilt das Protein Can f 1 als der mit Abstand wichtigste Auslöser. Einem Biotechnologie-Unternehmen ist es nun gelungen, genau dieses Molekül bei zwei lebenden Hunden mit einer Genschere auszuschalten. In Speichel- und Fellproben der Tiere ließ sich das Allergen anschließend nicht mehr nachweisen. Damit rückt eine Idee in Reichweite, die lange als unmöglich galt.

Ob ein Hund Allergien auslöst, entscheidet sich nicht an der Länge seines Fells, sondern auf molekularer Ebene. Verantwortlich ist vor allem ein Eiweiß mit der Bezeichnung Can f 1, das Hunde über Speichel, Hautschuppen und Urin an ihre Umgebung abgeben. Gelangt dieses Allergen an die Schleimhäute empfindlicher Menschen, stuft ihr Immunsystem es fälschlicherweise als Bedrohung ein und bildet spezifische Antikörper vom Typ Immunglobulin E. Bei jedem weiteren Kontakt schütten Abwehrzellen daraufhin Botenstoffe wie Histamin aus, die zu Niesen, tränenden Augen, Hautreizungen und im schweren Fall zu Asthma führen. Rund 15 Prozent der Weltbevölkerung reagieren auf diese Weise, weshalb ein Hund für viele Haushalte trotz größten Wunsches ausgeschlossen bleibt. Die verbreitete Annahme, bestimmte Rassen seien grundsätzlich verträglicher, hält einer genauen Prüfung dabei nur selten stand.

Lange richtete sich die Hoffnung allergiegeplagter Tierfreunde auf die Zucht. Doch ein wirklich hypoallergener Hund galt bislang als Wunschdenken, weil auch wenig haarende Rassen das entscheidende Allergen weiterhin produzieren. Einen anderen Weg eröffnet die moderne Genom-Editierung: Statt über Generationen auf günstige Eigenschaften zu selektieren, greift die sogenannte Genschere direkt in das Erbgut ein und verändert einzelne Abschnitte gezielt. Das bekannteste Werkzeug dieser Technik ist CRISPR, ein Verfahren, für dessen Entwicklung 2020 der Chemie-Nobelpreis vergeben wurde. Es erlaubt, eine exakt definierte Stelle im Genom anzusteuern und dort das Baurezept für ein bestimmtes Protein außer Kraft zu setzen. Genau dieser Ansatz führte nun zu einem Ergebnis, das die jahrzehntelange Debatte über die vermeintlich allergenarme Hundezucht in ein neues Licht rückt und die Ursache der Beschwerden an ihrer biologischen Wurzel angeht.

So schaltet die Genschere das Allergen ab

Für das Experiment entnahm das Team Hautzellen einer Hündin und veränderte darin mithilfe von CRISPR-Cas9 das Gen für Can f 1. Eingefügt wurde lediglich ein einzelner zusätzlicher DNA-Baustein im ersten codierenden Abschnitt des Gens. Diese winzige Verschiebung bringt die gesamte Ableserichtung durcheinander, sodass die Zelle kein funktionsfähiges Protein mehr herstellt. Anschließend übertrugen die Fachleute das veränderte Erbgut in entkernte Eizellen, ein Vorgehen, das an die Klontechnik hinter dem Schaf Dolly erinnert. Aus den so erzeugten Embryonen entwickelten sich im September 2024 zwei gesunde weibliche Beagle mit den Namen Alfie und Bailey. In Speichel sowie in Haaren und Hautschuppen der Tiere war das Allergen danach nicht mehr nachweisbar, während eine vollständige Erbgut-Analyse keine ungewollten Veränderungen an anderen Stellen des Genoms zeigte. Die Ergebnisse erschienen in einem begutachteten Fachbeitrag zur gezielten Ausschaltung des Allergens, der das Vorgehen ausführlich dokumentiert.

Warum haarende Rassen keinen Schutz bieten

Um die Wirkung zu überprüfen, führten die Forscher einen Hautpricktest bei einem gegen Hunde sensibilisierten Menschen durch. Auf Proben eines Pudels und eines Goldendoodles reagierte dessen Haut deutlich, auf Material der bearbeiteten Beagle dagegen nicht. Damit bestätigt sich, was Allergologen seit Jahren betonen: Der Ruf mancher Rassen als besonders verträglich beruht auf einem Missverständnis. Untersuchungen finden in Haushalten mit angeblich hypoallergenen Tieren ähnlich hohe Allergenmengen wie bei anderen Hunden, weil schon geringe Fellmengen genügen, um Can f 1 zu verbreiten. Entscheidend ist demnach nicht das Haaren, sondern die Menge des produzierten Proteins. Dass sich einzelne Erbgutabschnitte gezielt stilllegen oder umbauen lassen, zeigt sich auch in der Pflanzenforschung, wo Fachleute etwa einen Wirkstoff über umgebautes Erbgut in Tabakpflanzen verlagern und damit neue biotechnologische Wege erproben.

Noch kein Tier für den Handel

Trotz des Aufsehens sind die Tiere kein Produkt für den Zoohandel. Das Unternehmen betont, dass die genetische Veränderung als experimentell gilt und keine Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde besitzt. Bis Allergiker tatsächlich einen solchen Hund halten könnten, dürften Jahre vergehen, in denen Gesundheit, Verhalten und Lebensqualität der Tiere im Vordergrund stehen. Offen bleibt zudem, wie sich das Ausschalten eines einzelnen Proteins langfristig auswirkt und ob weitere, seltenere Allergene bei besonders empfindlichen Personen Restreaktionen auslösen. Dennoch markiert der Fall einen Wendepunkt, weil er das Problem nicht über Symptome, sondern an seiner biologischen Quelle angeht. Wie stark einzelne Genvarianten den Körper prägen, zeigt sich auch beim Menschen, etwa wenn ein vererbtes Neandertaler-Gen das Muskelwachstum beeinflusst und so bis in die Gegenwart nachwirkt.

Spannend & Interessant
VGWortpixel