Genschere Crispr/Cas9

Genexperiment macht Hamster zu „Kampfmonstern“

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Ein Experiment mit der Genschere Crispr/Cas9 sollte das Sozialverhalten von Hamstern verändern
  • Die Tiere wurden aber nicht ruhiger, sondern überraschend deutlich aggressiver
  • Die Studie zeigt somit, dass das Sozialverhalten komplexer als bisher angenommen ist

Ein Experiment mit der Genschere Crispr/Cas9 macht Hamster nicht ruhiger, sondern deutlich aggressiver. Die Studie zeigt, dass das Sozialverhalten komplexer ist, als die Wissenschaft bisher angenommen hat.

Atlanta (U.S.A.). Die Genschere Crispr/Cas9 ermöglicht es, einzelne Gene gezielt auszuschalten oder an Schnittstellen neue Genabschnitte einzufügen. Mit der Methode kann das Erbgut also schnell und einfach verändert werden. Ein Experiment der Georgia State University zeigt nun, dass die Methode bisher aber noch nicht immer zum gewünschte Ergebnis führt.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin PNAS wollten die Wissenschaftler um H. Elliott Albers und Kim Huhman mittels der Crispr/Cas9-Technologie bei Hamstern die Aggression und die soziale Kommunikation verringern.

Hormon Vasopressin

Sie unterbanden dazu einen neurochemischen Übertragungsweg, der für die Regulierung des sozialen Verhaltens bei Säugetieren eine entscheidende Rolle spielt. Es handelt sich dabei um das Hormon Vasopressin, das zusammen mit dem Rezeptor Avpr1a soziale Verhaltensweisen wie Kooperation, Paarbindung, Dominanz und Aggression steuert. Die Forscher gingen davon aus, dass eine Reduktion der Vasopressin-Aktivität die soziale Kommunikation und die Aggression der Hamster deutlich reduziert.

Sozialverhalten dramatisch verändert

Überraschend sorgte das Deaktivieren dieses neurochemischen Übertragungswegs jedoch nicht dafür, dass die Hamster weniger aggressiv waren, sondern veränderte das Verhalten der Tiere dramatisch. Statt ruhiger zu werden, wurden die Tiere aggressiver.

„Wir waren wirklich überrascht von den Ergebnissen. Aber das Gegenteil geschah“, so Albers. Die Hamster zeigten ohne den Rezeptor ein deutlich erhöhtes Kommunikationsverhalten. Zudem entfielen die typischen Geschlechtsunterschiede bei der Aggressivität, was dazu führt, dass sowohl Männchen als auch Weibchen gegenüber anderen gleichgeschlechtlichen Individuen sehr hohe Aggressionen zeigten.

Soziales Verhalten komplexer als gedacht

Das Experiment zeigt somit, dass die Biologie des sozialen Verhaltens deutlich komplexer ist als bisher angenommen wurde. Wie die Autoren erklären, versteht man das System nicht so gut, wie zuvor angenommen wurde. Die Wissenschaft muss daher nicht nur betrachten, wie Rezeptoren auf einzelne Gehirnregionen wirken, sondern die Wirkung auf das gesamte Gehirn berücksichtigen.

Dabei spielen Hamster eine entscheidende Rolle, weil deren Sozialverhalten denen des Menschen ähnlich ist. Experimente mit Hamster können deshalb dabei helfen, neuropsychiatrische Erkrankungen bei Menschen besser zu verstehen.

PNAS, doi: 10.1073/pnas.2121037119

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