Neobiota

Europa besonders stark von Bioinvasoren bedroht

Robert Klatt

Der globale Handel beschleunigt die Verbreitung von Neobiota (fremde Arten) zunehmend. Besonders betroffen sind von dieser Bedrohung die Ökosysteme Europas.

Frankfurt am Main (Deutschland). Die Globalisierung und der Klimawandel haben in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass immer mehr Neobiota, dies sind ortsfremde Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, in neue Regionen der Erde vorgedrungen sind. Oft führt dies dazu, dass einheimische Arten verdrängt oder durch neu eingeschleppte Krankheitserreger infiziert werden. Eine Studie des Senckenberg-Forschungszentrums für Biodiversität und Klima (BiK-F), die im Fachmagazin Global Change Biology veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass sich dieses Problem in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich vergrößern wird.

Besonders stark betroffen davon ist laut dem Team um Hanno Seebens davon Europa. Während im Mittel die Neobiota laut den Wissenschaftlern global um mehr als ein Drittel zunehmen werden, prognostiziert die Studie für Europa eine Zunahme der „alien species“ (dt. „gebietsfremde Arten“) von 64 Prozent. Dies entspricht etwa 2.500 neuen Arten. Als Berechnungsgrundlage dienten den Forschern sowohl historische Daten als auch ein Computermodell.

Globaler Handel verbreitet Neobiota

Die Hauptverbreitungswege der neuen Arten sind Schiffe, Flugzeuge, Lastwagen und Züge, die entlang der weltweiten Handelsrouten den gesamten Planeten umspannen. Aufgrund ihrer Größe verbreiten sich so hauptsächlich Insekten, Weichtiere und Krebse, die in den Gütern kaum entdeckt werden. Weitere Säugetierarten, wie der bereits vor langer Zeit eingewanderte Waschbär, erwartet die Wissenschaftler um Seebens hingegen in Europa nicht.

Hotspots in Asien sowie Nord- und Südamerika

Neben Europa prognostiziert das Modell auch in Asien sowie Nord- und Südamerika eine große Anzahl Neobiota. In Australien werden hingegen kaum neue Arten erwartet, was vor allen daran liegt, dass die dortige Regierung zum Schutz des lokalen Ökosystems bereits strenge Grenzkontrollen etabliert hat.

Obwohl laut Seebens nur ein kleiner Anteil der Neobiota tatsächlich sogenannte Bioinvasoren, also Arten, die in ihrer neuen Umwelt für Probleme sorgen, sind, fordert der Wissenschaftler auch in der Europäischen Union (EU) eine strenge Regulierung nach australischem Vorbild. Derzeit geht die EU von Kosten in Höhe von 12,5 Milliarden Euro durch invasive Arten pro Jahr aus, die vor allen in der Landwirtschaft anfallen.

Global Change Biology, doi: 10.1111/gcb.15333

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