Colossal

Erstes lebendes Mammut soll 2028 geboren werden

 Dennis Lenz

Erstes lebendes Mammut soll 2028 geboren werden
(Symbolbild) Das Wollhaarmammut verschwand vor Jahrtausenden, doch ein US-Unternehmen will es zurückholen. Mithilfe der Gentechnik soll ein kälteresistenter Elefant mit den zentralen Merkmalen des Mammuts entstehen. Für 2028 ist die Geburt des ersten Kalbes angekündigt, nachdem die Firma zuvor bereits ausgestorbene Wölfe erschuf. (Foto: © Forschung und Wissen)

Das Wollhaarmammut zählt zu den bekanntesten ausgestorbenen Tieren der Erdgeschichte. Das US-Unternehmen Colossal Biosciences will es nun zurückbringen. Über gezielte Eingriffe in das Erbgut des Asiatischen Elefanten soll ein kälteresistentes Tier entstehen, das die zentralen Merkmale des Mammuts trägt. Erste mammutartige Embryonen sind bis Ende 2026 geplant, die Geburt des ersten Kalbes für 2028. Bereits zuvor sorgte die Firma mit der Erschaffung ausgestorben geglaubter Wölfe für Aufsehen.

Die sogenannte Entaussterbung, im Englischen De-Extinction, beschreibt den Versuch, ausgestorbene oder verschwundene Arten mithilfe moderner Gentechnik zurückzubringen. Dabei wird nicht wörtlich ein längst totes Tier wiederbelebt, sondern das Erbgut eines nahen lebenden Verwandten so verändert, dass es die zentralen Merkmale der ausgestorbenen Art annimmt. Im Fall des Wollhaarmammuts ist dieser Verwandte der Asiatische Elefant, dessen Erbgut zu rund 99,6 Prozent mit dem des Mammuts übereinstimmt. Forscher lesen dazu das aus Fossilien gewonnene Mammut-Erbgut, vergleichen es mit dem des Elefanten und übertragen die entscheidenden genetischen Unterschiede. Dazu gehören etwa ein dichtes Fell, eine an Kälte angepasste Fettschicht und ein besonderer Stoffwechsel. Das Ziel ist ausdrücklich kein exaktes Duplikat, sondern ein kälteresistenter Elefant, der wie ein Mammut aussieht, sich verhält und denselben Lebensraum besiedeln könnte.

Hinter dem Vorhaben steht das 2021 gegründete Unternehmen Colossal Biosciences aus Texas, das sich als weltweit erste Firma für Entaussterbung bezeichnet und inzwischen über hundert Wissenschaftler beschäftigt. Neben dem Mammut arbeitet das Unternehmen auch an der Rückkehr des Dodos und des Tasmanischen Tigers. Für weltweite Schlagzeilen sorgte Colossal, als es genetisch veränderte Wölfe präsentierte, die dem vor über 10.000 Jahren ausgestorbenen Schrecklichen Wolf nachempfunden waren. Ähnliche Ambitionen verfolgen andere Projekte, etwa der Versuch, den ausgestorbenen Tasmanischen Tiger per Gentechnik wiederzubeleben. Solche Vorhaben stehen zugleich in einer Reihe mit echten Wiederentdeckungen, etwa als eine ausgestorben geglaubte Leoparden-Art im Urwald wiederentdeckt wurde.

Wie das Mammut zurückkehren soll

Nach dem aktualisierten Zeitplan will Colossal bis Ende 2026 mammutartige Embryonen des Asiatischen Elefanten erzeugen und diese anschließend austragen lassen, um 2028 ein erstes lebendes Kalb zur Welt zu bringen, wie das Unternehmen mitteilt. Als Zwischenschritt präsentierte die Firma bereits eine sogenannte Wollmaus, ein Nagetier mit dichtem, goldfarbenem Fell und einem an das Mammut angelehnten Fettstoffwechsel, um zu belegen, dass die entscheidenden Gene korrekt eingebaut werden können. Eine zentrale technische Hürde bleibt die Fortpflanzung, denn Elefanten tragen ihre Jungen fast zwei Jahre aus und sind selbst bedroht. Colossal arbeitet deshalb parallel an künstlichen Gebärmüttern, in denen Embryonen außerhalb eines Muttertiers heranwachsen könnten. Weitere Details nennt die offizielle Projektseite des Unternehmens zum Mammut.

Fortschritt und wissenschaftliche Kritik

So faszinierend das Vorhaben ist, so umstritten ist es in der Fachwelt. Kritiker weisen darauf hin, dass das Ergebnis kein echtes Mammut wäre, sondern ein genetisch veränderter Elefant mit einigen mammuttypischen Merkmalen, und dass sich eine exakt identische ausgestorbene Art grundsätzlich nicht zurückholen lässt. Auch die Wollmaus wurde von manchen Fachleuten eher als Fortschritt in der Mäusegenetik denn als echter Durchbruch zur Entaussterbung gewertet. Colossal selbst räumt ein, dass das künftige Tier in mancher Hinsicht ein Mammut nur dem Namen nach sein wird. Befürworter betonen dagegen, dass die entwickelten Techniken auch dem Schutz heute bedrohter Arten und der Reproduktionsmedizin zugutekommen könnten. Unabhängig vom Ausgang zeigt das Projekt, wie weit die Gentechnik inzwischen reicht, und stellt zugleich grundlegende Fragen nach Verantwortung und den Grenzen des technisch Machbaren.

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