Radarechos waren fehlerhaft

Vermutlich doch kein Wasser unter Mars-Eis

Robert Klatt

Seit einigen Jahren wird vermutet, dass sich unter dem vereisten Mars-Südpol flüssiges Wasser befinden könnte. Als Hauptargument dafür galten bisher Radarsignaturen von vermeintlichem Wasser. Neue Messungen zeigen aber, dass diese vermutlich von einer Tonschicht stammen.

Toronto (Kanada). Seit 2018 mutmaßen Wissenschaftler, dass es Wasser auf dem roten Planeten geben könnte. Denn bei Messungen des vereisten Mars-Südpols mithilfe von Radarechos wurden gleich mehrere Signaturen festgestellt, die als flüssiges Wasser interpretiert werden konnten. Bei weiteren Auswertungen 2020 legten die gefundenen Daten sogar nahe, dass sich ein subglazialer See unter der Eisschicht befinden könnte.

Schon damals gab es aber größere Zweifel an den durchgeführten Analysen und Studien. Nun haben mehrere Experimente und neue Messdaten gleich mehrere Argumente gegen den Wasserfund auf dem Mars geliefert. Denn da Wasser auf dem roten Planenten die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben erheblich erhöht hätte und die Chance auf einen solchen Fund fast zu gut am wahr zu sein gewesen wäre, waren viele Wissenschaftler von Anfang an skeptisch gegenüber dem ursprünglichen Wasserfund.  

Wasserfunde an fast unmöglichen Stellen

Die anfängliche Vermutung, dass es sich bei den betroffenen Radarechos um Wassersignaturen handeln könnte, wurde daher schnell von zahlreichen Seiten überprüft. Die erste Studie diesbezüglich untersuchte die Positionen, an denen Wasser vermutet wurde, genauer. Dafür wurden mehr als 44.000 Radarsignale ausgewertet, welche von der Mars-Express-Sonde über 15 Jahre gesammelt wurden. Das Ergebnis: die vermeintlichen Wassersignaturen kommen nicht nur an der unteren Basis des Südpol-Eis vor, sondern auch nahe der Oberfläche. Dort ist es aber viel zu kalt für flüssiges Wasser. Selbst bei einem hohen Salzgehalt, wie es bei Marswasser der Fall sein könnte, würde das Wasser bei den dortigen Temperaturen gefrieren.

Ton mit Wasser verwechselt

Eine andere Studie untersuchte die Radarechos etwas genauer, um nach „False Positive“ also falschen positiven Übereinstimmungen. Die Forscher vergleichen die vermutlichen Wassersignaturen mit denen anderer Mineralien, beispielsweise Smektiten. Bei diesen handelt es sich um Mineralgemenge aus verschiedenen quellfähigen Schichtsilikaten, die aus Basalt entstehen können. Auf dem Mars kommen Smektite regelmäßig vor und auch in der Eisschicht des Südpols könnten sie vorhanden sein.

Um die Vermutung zu überprüfen, froren die Wissenschaftler einige Mineralien bei minus 50 °C ein, um die Temperatur des Mars-Südpols zu simulieren. Mithilfe eines Radar-Auswertungsmodells überprüften sie dann, welche Signaturen die Mineralien abgaben. Dabei stellten sie fest, dass die Smektite von dem Radar fast identisch, wie die vermutlichen Wassersignaturen auf dem Mars wahrgenommen wurden.

Noch ist nichts bewiesen

Die neuen Befunde der Studien, welche alle im Fachjournal der American Geophysical Union veröffentlicht wurden, sprechen zwar gegen die Existenz von Wasser auf dem Mars, aber noch ist keine Studie endgültig belegt. „Damit flüssiges Wasser auf dem Mars vorkommt, benötigt es etwa sechs- bis achtmal mehr Wärme als der Mars liefert, sowie mehr Salz als in der Polregion vorkommt. Die Tontheorie erscheint also weitaus plausibler“, schrieb Smith, der Leiter einer der Studien. In nächster Zeit müssen also noch belegt werden, ob Smektite tatsächlich im Marseis vorkommen können. Um dies zu überprüfen, muss höchstwahrscheinlich irgendwann am Südpol des Erdnachbarn gebohrt werden. Und vielleicht wird dabei sogar Wasser gefunden.

American Geophysical Union, doi: 10.1029/2021GL093618

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