Größte Rakete der Welt

Starship fliegt Montag erstmals in den Orbit

 Dennis Lenz

Starship fliegt Montag erstmals in den Orbit
(Symbolbild) Das Starship soll am Montag von Starbase in Texas aus erstmals in eine Erdumlaufbahn fliegen und 26 Starlink-Satelliten aussetzen. Über den Erfolg entscheidet vor allem die kontrollierte Rückkehr nach rund zehn Stunden im All. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Am Montag soll das Starship von SpaceX zum ersten Mal eine vollständige Erdumlaufbahn erreichen. Nach 13 suborbitalen Testflügen plant das Unternehmen für die 124 Meter hohe Rakete erstmals einen Flug von knapp zehn Stunden in rund 275 Kilometern Höhe. An Bord befinden sich 26 Starlink-Satelliten der dritten Generation, die anders als bei früheren Tests dauerhaft im All bleiben sollen. Die größte Hürde liegt dabei nicht im Aufstieg, sondern in einem Manöver, das Starship im Orbit noch nie ausgeführt hat.

Auf dem Startplatz Pad 2 in Starbase im Süden von Texas steht das Starship bereits vollständig gestapelt. Unten befindet sich der Super-Heavy-Booster mit der Seriennummer 21, darauf das Raumschiff Ship 41 als Oberstufe. Zusammen erreicht das System eine Höhe von 124 Metern, es ist die größte Rakete, die bislang gebaut wurde. Das Startfenster für Flight 14 öffnet sich am Montag, dem 28. September 2026, um 7:15 Uhr Ortszeit, nach mitteleuropäischer Sommerzeit also um 14:15 Uhr, und bleibt 75 Minuten lang offen. Ursprünglich war der 22. September vorgesehen, das Unternehmen verschob den Termin jedoch ohne Angabe von Gründen um sechs Tage. Am 24. September absolvierte die Rakete eine Generalprobe, bei der beide Stufen vollständig betankt werden und der Countdown bis kurz vor die Zündung läuft. Die Startgenehmigung der US-Luftfahrtbehörde FAA steht noch aus. Das Raumschiff gehört seit Jahren zu den ehrgeizigsten Vorhaben von SpaceX und seinem Raketenprogramm, das auf eine vollständig wiederverwendbare Rakete zielt.

Der Unterschied zwischen einem suborbitalen Flug und einem Orbitalflug ist größer, als die Begriffe vermuten lassen. Alle 13 bisherigen Flüge seit dem Debüt im April 2023 blieben bewusst knapp unterhalb der Geschwindigkeit, die ein Raumfahrzeug braucht, um dauerhaft um die Erde zu kreisen. In einer Höhe von rund 275 Kilometern liegt diese Bahngeschwindigkeit bei knapp 7,8 Kilometern pro Sekunde. Bleibt ein Fahrzeug darunter, zieht die Erdanziehung es nach etwa einer Stunde zwangsläufig zurück in die Atmosphäre, selbst wenn an Bord etwas ausfällt. Diese Sicherheitsreserve entfällt beim Schritt in die Umlaufbahn. Ein Raumschiff, das seine Bahn nicht mehr aus eigener Kraft verlassen kann, würde so lange unkontrolliert kreisen, bis die Restatmosphäre es irgendwann an einer nicht planbaren Stelle abbremst. Genau deshalb gilt Flight 14 als Wendepunkt: Erst mit dem Orbit beginnt nach Darstellung des Unternehmens die nächste Entwicklungsphase, in der das Starship vollständig und schnell wiederverwendbar werden soll.

Was SpaceX beim ersten Orbitalflug des Starship plant

Der Ablauf ist in der Missionsbeschreibung detailliert festgelegt. Nach dem Start trennt sich der Booster nach wenigen Minuten vom Raumschiff und soll etwa sieben Minuten nach dem Abheben im Golf von Mexiko kontrolliert aufsetzen. Einen Fang mit den Greifarmen des Startturms, wie er beim Booster bereits dreimal gelungen ist, versucht das Team diesmal weder beim Booster noch beim Raumschiff. Ship 41 steigt weiter auf rund 275 Kilometer Höhe, umrundet die Erde etwa sechsmal und soll nach knapp zehn Stunden im Pazifik westlich von Chile wassern. Die bisherigen Testflüge dauerten zum Vergleich rund 65 Minuten und endeten im Indischen Ozean vor Westaustralien. Einzelheiten zum Flugprofil und zur verschobenen Startplanung für den 28. September hat das Fachportal Space.com zusammengetragen. Dazu gehört auch die Angabe, dass sich das Unternehmen vor dem Einschuss in die Umlaufbahn eine letzte technische Kontrolle vorbehält.

26 Starlink-Satelliten sollen erstmals im All bleiben

Erstmals trägt das Starship eine Nutzlast, die nach dem Flug in Betrieb gehen soll. Im Frachtraum befinden sich 26 Starlink-Satelliten der Version 3, die größer und leistungsfähiger sind als die bisherigen Modelle und eigens für den Transport mit dieser Rakete entwickelt wurden. Nach Angaben aus der Missionsbeschreibung soll jeder von ihnen eine Übertragungskapazität von einem Terabit pro Sekunde zum Netz beitragen. Beim vorangegangenen Flug im Juli hatte die Rakete bereits 20 Exemplare dieses Typs ausgesetzt, allerdings auf einer suborbitalen Bahn, sodass sie kurz darauf in der Atmosphäre verglühten. Laut der Missionsübersicht zu Flight 14 auf dem Fachportal Spaceflight Now kommen dabei Ship 41 als Oberstufe und Booster 21 als erste Stufe zum Einsatz. Die bestehende Konstellation umfasst mehr als 11.000 aktive Satelliten, keiner davon gehört bislang zur dritten Generation. Drei der 26 Satelliten tragen zusätzlich Kameras und sollen nach dem Aussetzen das Hitzeschild auf der Unterseite des Raumschiffs fotografieren, damit die Ingenieure dessen Zustand vor dem Wiedereintritt beurteilen können.

Warum der Rückweg aus dem Orbit das größte Risiko ist

Der heikelste Teil der Mission ist das Deorbit-Manöver am Ende der Erdumrundungen. Dafür muss ein einzelnes Raptor-Triebwerk im All erneut zünden und das Raumschiff so stark abbremsen, dass es gezielt in die Atmosphäre eintaucht. Scheitert diese Zündung, bliebe ein 52 Meter langes Fahrzeug ohne Steuerung in der Umlaufbahn. Deshalb hat das Unternehmen eine Bedingung in den Flugplan eingebaut: Der Brennvorgang, der das Raumschiff überhaupt erst in den Orbit hebt, erfolgt nur, wenn die Flugkontrolle zuvor bestätigt hat, dass die für den Rückweg nötigen Systeme ausreichend redundant arbeiten. Zudem sieht der Flugplan laufende Prüfungen vor, nach denen die Mission auf zwei oder fünf Umläufe verkürzt werden kann. Ship 41 hatte die Rückkehrzündung bereits im August bei einem Standtest am Boden mit einem einzelnen Triebwerk simuliert. Ob die Zündung nach Stunden in Schwerelosigkeit und Kälte ebenso zuverlässig funktioniert, lässt sich allerdings nur im All klären.

Booster 21 und Ship 41 haben die Generalprobe bestanden

Für den Flug nutzt SpaceX die dritte Version des Starship, die erst zum dritten Mal startet. Die Generalprobe vom 24. September verlief nach Angaben des Unternehmens erfolgreich, damit ist die letzte große technische Voraussetzung vor dem Start erfüllt. Bei einer solchen Probe durchlaufen die Teams sämtliche Schritte des Starttags, betanken beide Stufen mit tiefkaltem Methan und flüssigem Sauerstoff und brechen den Countdown erst kurz vor der Zündung der 33 Raptor-Triebwerke des Boosters ab. Wie groß die Belastungen und Risiken beim Umgang mit diesen Treibstoffmengen sind, zeigte unter anderem die Explosion bei einem Triebwerkstest des Super-Heavy-Boosters im Jahr 2022, bei der große Mengen Methan freigesetzt wurden. Seitdem hat das Unternehmen die Rakete in mehreren Versionen weiterentwickelt und Booster sowie Raumschiff umfassend verändert.

Welche Bedeutung der Flug für das Artemis-Programm hat

Der Erfolg von Flight 14 reicht über das Satellitengeschäft hinaus. Die NASA hat eine Variante des Starship als Mondlandefähre für das Artemis-Programm ausgewählt. Bei der für 2027 geplanten Mission Artemis III soll die Orion-Kapsel mit vier Astronauten in der Erdumlaufbahn an Testversionen der beiden kommerziellen Mondlander andocken, darunter das Starship HLS. Voraussetzung dafür ist ein Raumschiff, das zuverlässig in den Orbit gelangt, dort über Stunden stabil arbeitet und gezielt zurückkehrt. Auch das Betanken im All, ohne das ein Flug zum Mond nicht möglich ist, setzt stabile Umlaufbahnen voraus. Wie weit die Überlegungen zur Nutzung des Raumschiffs inzwischen reichen, zeigen Konzepte, in denen das Starship auf dem Mond horizontal landet und als Baustein einer Mondbasis dient. Ob sich solche Pläne verwirklichen lassen, hängt zunächst davon ab, ob die erste Rückkehr aus dem Orbit am Montag gelingt.

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