Außerirdische

Besser als die Erde? Potenziell superhabitable Exoplaneten gefunden

Robert Klatt

Die Lebensbedingungen auf 24 Exoplaneten könnten noch besser sein als auf der Erde. Aktuelle Sensoren und Teleskope ermöglichen es aufgrund der hohen Entfernung aber noch nicht, zu prüfen, ob dort tatsächlich Außerirdische vorkommen.

Pullman (U.S.A.). Neben der Erde waren in unserem Sonnensystem in ihrer Anfangszeit auch die Venus und der Mars habitabel. Voraussetzungen für Leben auf einem Planeten sind Temperaturen, bei denen flüssiges Wasser möglich ist, eine Atmosphäre, die Atemgase und Wasser festhält sowie geeignete chemischer Ausgangssubstanzen. Wissenschaftler suchten deshalb bisher vor allen nach Exoplaneten, die erdähnlich sind, weil angenommen wurde, dass das Vorkommen von außerirdischem Leben dort besonders wahrscheinlich ist.

Laut Forschern der Washington State University könnte dieser Ansatz falsch sein. Dirk Schulze-Makuch erklärt, dass „wir dabei vorsichtig sein müssen und nicht nur nach einer zweiten Erde suchen sollten, weil es Planeten geben könnte, die für Leben sogar noch geeigneter sind.“ Das Team um Makuch hat laut einer im Fachmagazin Astrobiology erschienenen Studie deshalb anhand von 4.500 Planetenkandidaten, die das Weltraumteleskop Kepler entdeckt hat, analysiert, welche Merkmale diese superhabitablen Exoplaneten haben.

Konstante Sonne mit wenig Strahlenausbrüchen

Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass die Sonne der Erde nicht der optimale Heimatstern ist, weil diese bereits in etwa einer Milliarde Jahre sämtliches Leben auf der Erde unmöglich machen wird. Insgesamt war damit unser Heimatplanet für nur fünf Milliarden Jahre bewohnbar. Laut Makuch „könnte Leben auf Planeten um sonnenähnliche G-Sternen demnach schlicht die Zeit davonlaufen.“

Deutlich bessere Bedienungen bieten hingegen kleinere, masseärmere Sterne, die im Mittel länger leben. Als häufig ebenfalls ungeeignet für Leben sehen die Wissenschaftler Exoplaneten um rote Zwerge, weil dieser häufig starke Strahlenausbrüche haben, die ganze Planeten sterilisieren können. Als optimal für die Entstehung von Leben nennt die Studie einen Stern der Spektralklasse K, der etwa 1.000 Grad kühler und 20 Prozent kleiner ist als die Sonne der Erde.

1,5 Erdmassen schaffen Lebensräume

Auch die Masse der Erde ist laut den Studienautoren nicht optimal für die Entstehung von Leben. Deutlich besser wäre laut den Wissenschaftlern eine Supererde mit einer 1,5-fachen Erdmasse, weil dieser die Atmosphäre besser halten kann und durch radioaktive Prozesse im Inneren mehr Wärme erzeugt. Außerdem bietet die größere Oberfläche mehr Platz für unterschiedliche Lebensräume.

Wie Makuch erklärt „findet sich basierend auf unserer Erfahrung von der Erde die meiste Biomasse und Artenvielfalt in den Tropen.“ Ein superhabitabler Exoplanet sollte deshalb eine leicht höhere Temperatur als die Erde besitzen. Modellrechnungen der Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass etwa fünf Grad Celsius mehr als auf der Erde optimale Bedienungen bietet.

24 Exoplaneten zur genaueren Untersuchung

Ausgehend von den Faktoren, die die Lebensbedienungen eines Planeten beeinflussen, haben die Wissenschaftler 24 Exoplaneten mit nahezu optimalen Voraussetzungen identifiziert. Diese Exoplaneten übertreffen laut Makuch sogar die lebensfreundlichen Bedingungen der Erde. 16 der 24 Exoplaneten sind zwischen fünf und acht Milliarden Jahre alt, nun dieser Exoplaneten umkreisen einen K-Stern. Ein Großteil der Exoplaneten sind außerdem Supererde, die die Erdmasse um das zwei- bis vierfache übertreffen. Alle Kriterien für eine superhabitable Welt erfüllt allerdings keiner der 24 Exoplaneten vollständig. Aufgrund der hohen Entfernung von über 100 Lichtjahren können aktuelle Sensoren und Teleskope allerdings noch nicht überprüfen, ob auf einem der Exoplaneten tatsächlich Außerirdische leben.

Die Wissenschaftler möchten deshalb in einer Folgestudie untersuchen, ob auch Exoplaneten in unserer näheren Umgebung annährend superhabitable Bedienungen bieten, um diese auf der Suche nach außerirdischem Leben genauer zu analysieren.

Astrobiology, doi: 10.1089/ast.2019.2161

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