Kosmische Explosion

Astronomen beobachten eine Supernova fast vom ersten Moment an

 Dennis Lenz

Astronomen beobachten eine Supernova fast vom ersten Moment an
(Symbolbild) Wenn ein massereicher Stern stirbt, setzt er in kurzer Zeit gewaltige Energiemengen frei. Astronomen ist es gelungen, eine solche Supernova nahezu von ihrem ersten Augenblick an zu verfolgen, ausgelöst durch einen kurzen Röntgenblitz aus einer 500 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie. Der erste Lichtausbruch dauert nur Sekunden bis Stunden und ist daher extrem selten zu erwischen. Die Beobachtung offenbart einen bislang kaum verstandenen Weg, auf dem Sterne enden können. (Foto: © Forschung und Wissen)

Den Tod eines massereichen Sterns fast von der ersten Sekunde an mitzuerleben, gelingt Astronomen nur äußerst selten. Genau das ist nun bei einer Supernova geglückt, die als kurzer Röntgenblitz aus einer rund 500 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie begann. Innerhalb einer Stunde richteten sich weltweit Teleskope auf die Quelle und verfolgten, wie sich der Stern in eine rasch heller werdende Explosion verwandelte. Der entscheidende erste Lichtausbruch dauert nur Sekunden bis Stunden und wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten überhaupt erst ein weiteres Mal klar beobachtet. Warum dieser Fall die Grenzen zwischen gewöhnlichen und extremen Sternexplosionen verschiebt, klärt sich gerade.

Massereiche Sterne beenden ihr Leben in einer Supernova, wenn ihr Kern unter der eigenen Schwerkraft kollabiert und eine gewaltige Explosion auslöst. In den letzten Momenten rast eine Schockwelle von innen durch den Stern und bricht schließlich durch seine Oberfläche. Dieser sogenannte Schockdurchbruch setzt das allererste Licht der Explosion frei und markiert damit den eigentlichen Beginn des sichtbaren Ereignisses. Weil er nur kurz aufblitzt, ist er extrem schwer zu erwischen. Für die Astronomie ist er zugleich besonders wertvoll, denn er verrät Größe und Aufbau des sterbenden Sterns unmittelbar vor seinem Ende. Erst der glückliche Umstand, dass ein Weltraumteleskop den anfänglichen Röntgenblitz registrierte, machte die lückenlose Verfolgung dieses Ereignisses möglich.

Ausgelöst wurde die Beobachtung von der chinesischen Einstein-Sonde, die im März 2026 einen kurzen Blitz weicher Röntgenstrahlung auffing. Innerhalb kürzester Zeit begann eine weltweite Beobachtungskampagne, an der boden- und weltraumgestützte Teleskope beteiligt waren. Die entstehende Supernova erhielt die Bezeichnung SN 2026gzf und wurde über Wochen hinweg in ihrer Helligkeit verfolgt. Zwei Forschungsteams werteten die Daten unabhängig aus und konnten so gleich mehrere Phasen der Explosion nachzeichnen, vom ersten Röntgenblitz über die eigentliche Supernova bis zur Wechselwirkung mit Material, das der Stern zuvor abgestoßen hatte. Diese Kombination aus früher Warnung und schneller Reaktion ist der Grund, warum ein sonst flüchtiges Ereignis in dieser Vollständigkeit dokumentiert werden konnte.

Warum diese Supernova aus der Reihe fällt

Die Analyse ergab, dass es sich um eine seltene Klasse handelte, eine sogenannte breitlinige Supernova vom Typ Ic. Solche Explosionen sind normalerweise mit den energiereichsten Ausbrüchen im Universum verknüpft, den Gammastrahlenausbruch. Doch SN 2026gzf zeigte gerade keine dieser extrem schnellen Materiestrahlen und war zudem ungewöhnlich lichtschwach in ihrem Röntgenblitz. Damit schlägt sie eine Brücke zwischen gewöhnlichen Sternexplosionen und den heftigsten Ereignissen am Himmel. Die vollständige Auswertung samt der beteiligten Messgeräte haben die Fachleute in ihrer Untersuchung zum lichtschwächsten beobachteten Schockdurchbruch festgehalten. Sie deutet darauf hin, dass massereiche Sterne auf mehr Arten sterben können als bislang angenommen.

Ein Stern mit dem Zwanzigfachen der Sonnenmasse

Die Ausgangslage rekonstruierten die Teams bis zum Vorläuferstern zurück. Die Explosion ging demnach vom Tod eines Wolf-Rayet-Stern aus, eines massereicher Stern, der mit etwa dem Zwanzigfachen der Sonnenmasse geboren wurde und seinen Wasserstoff früh verbraucht hatte. Solche Sterne haben ihre äußeren Hüllen weitgehend abgestoßen und liegen sozusagen nackt vor, was ihren dramatischen Abgang begünstigt. Die 500 Millionen Lichtjahre bis zur Galaxie überbrückte das Licht über einen entsprechend langen Zeitraum, sodass die Astronomen ein längst vergangenes Ereignis in Echtzeit nachverfolgten. Wie oft der Kosmos gängige Vorstellungen durcheinanderwirbelt, zeigt auch der Fall, bei dem ein Schwarzes Loch einen Stern am völlig falschen Ort zerriss.

Was der seltene Blick auf den Sternentod bringt

Für die Forschung ist ein so früh erwischtes Ereignis ein Glücksfall, weil es die kurzlebige Anfangsphase einer Explosion direkt zugänglich macht. Aus dem zeitlichen Verlauf lassen sich Rückschlüsse auf die Struktur des Sterns und die Physik seines Endes ziehen, die sonst verborgen bleiben. Jeder weitere gut dokumentierte Fall hilft, die Vielfalt der Wege zu kartieren, auf denen Sterne sterben. Künftige Durchmusterungen des Himmels sollen solche Blitze schneller aufspüren, damit noch mehr Explosionen von Anfang an verfolgt werden können. Dass die Frühzeit des Universums dabei immer wieder überrascht, zeigt der Fund, bei dem das James-Webb-Teleskop einen neuartigen Schwarzes-Loch-Stern entdeckte.

The Astrophysical Journal Letters, EP260321a/SN 2026gzf The Faintest Shock Breakout Associated with a Broad-lined Supernova; doi:10.3847/2041-8213/ae84ba

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