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Komplexe Handelswege

Zinnhandel erfolgte schon in der Bronzezeit zwischen Asien und Europa

Analysen von bei Ausgrabungen gefundenen Metallbarren zeigen, dass bereits vor etwa 4.000 Jahren ein komplexes Handelssystem Asien und Europa miteinander verbunden hat.

Heidelberg (Deutschland). Rohstoff- und Warenhandel über weite Distanzen erfolgten laut einer Studie der Universität Heidelberg bereits vor mehr als 4.000 Jahren. Herausgefunden haben dies Wissenschaftler als sie untersuchten woher das in der Bronzezeit im Mittelmeerraum genutzte Zinn stammt, dessen Ursprung die Archäologie bisher nicht lösen konnte.

Laut der im Fachmagazin Plos One veröffentlichten Forschungsarbeit nutzen die Wissenschaftler zur Bestimmung der Herkunft von Zinn aus der Türkei, Griechenland und Israel naturwissenschaftlichen Methoden mit denen sie belegen konnten, dass das Zinn aus Europa und nicht wie vermutet aus Zentralasien angeliefert wurde.

Komplexe Handelswege bereits in der Bronzezeit

Dies belegt, dass bereits in der Bronzezeit im zweiten Jahrtausend vor Christus komplexe Handelssysteme bestanden, die mehrere tausend Kilometer überbrückt haben. Neben Zinn wurden über die Routen laut den Forschern auch Glas, Kupfer und Bernstein zwischen Europa und Vorderasien ausgetauscht

Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, wurde im späten vierten und dritten Jahrtausend in der Region der heutigen Türkei entwickelt und verbreitete sich von dort schnell über den gesamten europäischen Kontinent und Teile von Asien. Prof. Dr. Ernst Pernickam, Autor der Studie erklärt, dass „Bronze zur Herstellung von Waffen, Schmuck und Gebrauchsgegenständen aller Art diente und deshalb zu Recht einer ganzen Epoche ihren Namen gab. Die Herkunft des Zinns stellt dabei seit langem ein Rätsel der archäologischen Forschung dar.“

Er fügt hinzu, dass „Zinnvorkommen und Zinnlagerstätten in Europa und Asien selten sind. Der östliche Mittelmeerraum, aus dem ein Teil der von ihnen untersuchten Objekte stammt, verfügte über so gut wie keine eigenen Lagerstätten. Der Rohstoff musste daher in dieser Region importiert werden.“

Metallbarren verraten Herkunft

Das Forschungsteam um Prof. Pernicka und Dr. Daniel Berger, an dem neben Wissenschaftlern der Universität Heidelberg auch Wissenschaftler des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie beteiligt waren, konnte die Herkunft der Barren aus Israel, der Türkei und Griechenland mithilfe der Blei- und Zinnisotopie und der Spurenelementanalyse bestimmen.

Die Analyse zeigt, dass die bei Ausgrabungen in Israel gefundenen Objekte starke Übereinstimmungen mit Zinnobjekten aus Cornwall und Devon (Großbritannien) besitzen, was laut den Wissenschaftlern zweifelsfrei die Herkunft des Metalls erklärt. Entnommen wurden die Barren aus einem Schiffswrack vor der israelischen Küste, das diese vermutlich aus England transportiert hat.

Laut Dr. Berger „ist mit diesen Ergebnissen die Herkunft des Zinns nun zum ersten Mal konkreter zu fassen, woraus sich neue Erkenntnisse und Fragestellungen für die archäologische Forschung ableiten lassen.“

Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0218326

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