Amphoren

Weinproduktion auf Sizilien auch unter islamischer Herrschaft

Robert Klatt

Amphoren zeigen, dass der Weinanbau und der Weinhandel auf Sizilien unter islamischer Herrschaft nicht verboten, sondern sogar ausgebaut wurde.

York (England). In der römischen und byzantinischen Zeit war Wein ein Luxusgut, das laut Amphoren, die im gesamten Mittelmeerraum gefunden wurden, über weite Entfernungen gehandelt wurde. Eine der wichtigsten Anbauregionen war Sizilien, das im 7. bis 9. Jahrhundert unter islamische Herrschaft fiel, nachdem das römisch-byzantinische Reich seine Macht verloren hatte.

Wissenschaftler der University of York haben nun rekonstruiert, ob dieser Herrschaftswechsel die Weinproduktion und den Weinhandel in dieser Regionen beeinflusst hat. Anstoß der Studie ist das im Islam vorhandene Alkoholverbot.

Martin Carver, University of York: „Alkohol spielte und spielt im kulturellen Leben der islamischen Gesellschaft keine wichtige Rolle.“

Die Geschichtswissenschaftler vermuteten deshalb, dass durch die islamische Eroberung Siziliens auch die Weinproduktion und der Weinhandel deutlich abgenommen haben müssen. Stattdessen gingen sie davon aus, dass die neuen Herrscher die Weintrauben zu Essig und Saft verarbeiten ließen. Belege für diese These gab es bisher aber nicht.

Rückschlüsse auf den Weinhandel durch Amphoren

Laut der im Fachmagazin PNAS publizierten Studie untersuchten die Archäologen deshalb Amphoren aus der Zeit der islamischen Herrschaft über Sizilien. Dank der ortsspezifische Gestaltung ist es möglich die Herkunft dieser Gefäße, die zum Transport von Wein, Ölen und anderen Gütern verwendet wurden, zurückzuverfolgen.

Insgesamt hat das Team um Martin Carver und Lea Drieu 109 Amphoren analysiert, die vom 5. bis 11. Jahrhundert auf Sizilien produziert und dann in den Mittelmeerraum exportiert wurden. Anhand des Verhältnisses von Weinsäure und Äpfelsäure konnten die Forscher zurückzuverfolgen, ob mit den Amphoren einst Wein transportiert wurde.

Export des Weins in christliche Regionen

Dabei fanden sie heraus, dass auch unter islamischer Herrschaft weiterhin Wein auf Sizilien produziert wurde. Die analysierten Amphoren lassen sogar darauf schließen, dass der Handel mit Wein im 9. bis 11. Jahrhundert noch ausgebaut wurde.

Martin Carver: „Die Weinproduktion blühte in dieser Zeit nicht nur, sie war auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine Basis für den Erfolg.“

Die Verteilung der Amphoren zeigt jedoch deutlich, dass der Wein nicht von den auf Sizilien lebenden Moslems getrunken wurde, sondern hauptsächlich für den Export bestimmt war.

Martin Carver: „Wir haben Belege dafür gefunden, dass während der Kalbitenherrschaft erzeugter Wein aus Palermo in die christlichen Regionen des Mittelmeeres exportiert wurde.“

Auch andere Studien zeigen, dass während dieser Zeit intensive Handelsbeziehungen zwischen der islamischen und christlichen Welt existierten, die vielen Regionen des Mittelmeerraums, darunter auch Sizilien beträchtlichen Wohlstand einbrachten.

PNAS, doi: 10.1073/pnas.2017983118

Spannend & Interessant
VGWortpixel