Spuren der Bronzezeit

Unter einem Acker in Brandenburg liegt ein rätselhafter 11-Meter-Bau

 Dennis Lenz

Unter einem Acker in Brandenburg liegt ein rätselhafter 11-Meter-Bau
(Symbolbild) Der bronzezeitliche Bau von Seddin ist durch Wandgräbchen und Gruben im Boden erkennbar. Sein Grundriss misst 10,6 mal 11,4 Meter. Große Gefäße und verbrannte Tierknochen sprechen für besondere Zusammenkünfte. Die genaue Funktion der Anlage ist noch offen. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Unter einem Acker bei Seddin in Brandenburg haben Archäologen den Grundriss eines rund 2.800 Jahre alten Gebäudes freigelegt. Der nahezu quadratische Bau misst 10,6 mal 11,4 Meter und unterscheidet sich deutlich von den üblichen Häusern der Bronzezeit. Riesige Keramikgefäße und verbrannte Tierknochen sprechen für Zusammenkünfte mit besonderen Ritualen. Was auf dieser Anhöhe geschah, verraten vor allem die Gruben neben dem Gebäude.

Auf einer Anhöhe bei Seddin in der Prignitz zeichnet sich ein ungewöhnlicher Grundriss im Ackerboden ab: dunkle Wandgräbchen, Steine und zahlreiche Gruben. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum beschreibt den Befund als außergewöhnlichen Bau aus der jüngeren Bronzezeit, dessen Zweck noch untersucht wird.

Grabungsleiter Immo Heske von der Universität Göttingen und seine Kollegen dokumentierten einen Grundriss, der in Nord-Süd-Richtung 10,6 Meter und von Osten nach Westen 11,4 Meter misst. Die auffällige Form lenkt den Blick auf die Menschen, die hier vor ungefähr 2.800 Jahren zusammenkamen.

In Seddin weicht der 11-Meter-Bau vom üblichen Hausgrundriss ab

Wohngebäude der jüngeren Bronzezeit waren in Norddeutschland gewöhnlich langrechteckig angelegt. In Seddin fanden die Ausgräber dagegen eine nahezu quadratische Anlage, die auf einer leicht erhöhten Geländezunge stand. Wandgräbchen mit eingelagerten Steinen erinnern an die Bauweise einer bereits bekannten großen Halle am Fundplatz.

Landesarchäologe Franz Schopper deutet das Gebäude als möglichen Ort für kultische Handlungen. Seine Form und Lage machen diese Interpretation plausibel, liefern allein aber noch keinen Beweis für einen Tempel. Entscheidende Spuren fanden die Archäologen unmittelbar außerhalb der ehemaligen Wände.

Gefäße mit über 50 Zentimetern Randdurchmesser fallen auf

In den Gruben neben dem Bau lagen ungewöhnlich viele Scherben spätbronzezeitlicher Keramik. Einige Gefäße besaßen Randdurchmesser von mehr als 50 Zentimetern und übertrafen damit deutlich die üblichen Vorratsgefäße von 30 bis 40 Zentimetern. Große Schalen und Behälter passen zu Situationen, in denen Speisen oder Getränke für zahlreiche Menschen bereitstanden.

Solche Gefäßreste erlauben noch keine genaue Speisekarte der Bronzezeit. Sie liefern aber eine greifbare Vorstellung davon, welche Mengen bei Zusammenkünften bewegt worden sein könnten. Zwischen den Scherben tauchten weitere Spuren auf, die das Bild von gewöhnlichem Hausmüll verändern.

Verbrannte Tierknochen verändern das Bild von Seddin

Während zehn Jahren Grabungsarbeit in anderen Siedlungsbereichen fanden Archäologen nach Angaben des Landesamtes insgesamt nur zwei Tierknochen. Im Umfeld des quadratischen Gebäudes enthielten dagegen sämtliche bisher untersuchten größeren Gruben Fragmente verbrannter Tierknochen. Dieser auffällige Unterschied konzentriert sich auf einen eng begrenzten Teil der Siedlung.

Die Tiere könnten bei gemeinsamen Mahlzeiten gegessen worden sein, bevor ihre Knochen ins Feuer gelangten. Ebenso prüfen die Archäologen, ob ganze Tiere im Rahmen von Zeremonien verbrannt wurden. Ob Schnittspuren, Hitzeveränderungen und die Verteilung der Knochen eine der Deutungen stützen, müssen weitere Untersuchungen klären.

Das Königsgrab liegt rund 900 Meter vom Bau entfernt

Etwa 900 Meter vom neu untersuchten Gebäude entfernt befindet sich das berühmte Königsgrab von Seddin. Keramik und vorliegende Radiokarbondaten sprechen dafür, dass Gebäude und Grabanlage ungefähr derselben Zeit angehören. Der volkstümliche Name „König Hinz“ bezeichnet eine sagenhafte Herrscherfigur und ist kein gesicherter Personenname des Bestatteten.

Die Region besaß bereits in der Bronzezeit eine besondere Bedeutung, wie große Bauwerke und reiche Grabbeigaben nahelegen. Vergleichbare Fragen nach dem Zusammenhang von monumentalen Anlagen und Bestattungen stellen sich auch bei den Gräbern von Göbekli Tepe. In Seddin bleibt offen, welche Menschen das quadratische Gebäude nutzten und wie eng es mit dem Grab verbunden war.

Weitere Analysen sollen den Bau von Seddin erklären

Für eine eindeutige Einordnung müssen die Forscher die Keramik, die verbrannten Knochen und die Abfolge der Gruben genauer untersuchen. Besonders aufschlussreich wäre, ob sich wiederholte Feuerereignisse, gemeinsame Mahlzeiten oder gezielte Opferhandlungen im Material unterscheiden lassen. Erst dann wird deutlicher, welche Rolle die Anlage innerhalb der bronzezeitlichen Siedlung spielte.

Auf dem Acker bleiben zunächst die dunklen Linien eines fast quadratischen Gebäudes und die mit Scherben gefüllten Gruben zurück. Ihre Anordnung ist bereits dokumentiert; die Frage, was die Menschen vor rund 2.800 Jahren dort miteinander taten, hängt an den Fundstücken aus diesen Gruben.

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Quadratisch, magisch: „Templum“? Ein neuer Gebäudebefund beim „Königsgrab“ von Seddin

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