Ägyptisches Grab

Scheintür in 4.000 Jahre altem Grab führt ins Totenreich

 Dennis Lenz

Scheintür in 4.000 Jahre altem Grab führt ins Totenreich
(Symbolbild) Eine Scheintür gehörte zur Grabausstattung hoher Beamter im Alten Ägypten. In Sakkara blieb ein solches Steinportal am ursprünglichen Platz erhalten. Vor ihm lagen Alabastergegenstände mit dem Namen Sekhentyu-Ptah. Weitere Schächte enthielten Sarkophage und zahlreiche Grabfiguren. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

In Sakkara haben Archäologen das rund 4.000 Jahre alte Grab eines hohen ägyptischen Beamten mit einer erhaltenen Scheintür freigelegt. Vor der steinernen Tür lagen Gefäße und Geräte für Opferhandlungen, während benachbarte Schächte versiegelte Sarkophage bargen. Hier öffnet sich ein ungewöhnlich konkreter Blick auf die Rituale und Machtverhältnisse im Alten Reich. Warum ließ ein Mann mit Zugang zum König eine Tür bauen, durch die niemand gehen konnte?

Bei Ausgrabungen westlich des Bubasteion in Sakkara stieß eine ägyptische Mission auf die Grabkapelle von Sekhentyu-Ptah. Der Beamte lebte zur Zeit des Alten Reiches, als in Ägypten große Pyramiden entstanden und eine weitverzweigte Verwaltung den Hof versorgte. Seine steinerne Scheintür steht noch an ihrem ursprünglichen Platz; davor fanden die Ausgräber einen Opfertisch, eine Opferscheibe und ein Becken aus Alabaster.

Die Hieroglyphen auf diesen Gegenständen nennen den Besitzer und mehrere seiner Ämter. Sekhentyu-Ptah beaufsichtigte königliche Arbeiten und Dokumente, gehörte zum unmittelbaren Umfeld des Herrschers und trug religiöse Titel. Gerade diese Kombination macht den Fund besonders aufschlussreich: Eine steinerne Tür und wenige Gefäße verbinden das Leben am Königshof mit den Vorstellungen vom Weiterleben nach dem Tod.

Scheintür von Sakkara bewahrt den Namen des Beamten

Im Alten Ägypten bildete eine Scheintür einen symbolischen Übergang zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Ihr Aufbau erinnerte an einen Eingang, doch die Steinfläche blieb geschlossen. Angehörige und Priester konnten davor Opfergaben niederlegen, während der Verstorbene nach religiöser Vorstellung an ihnen teilhatte. Die Lage der Alabasterstücke unmittelbar vor dem erhaltenen Bauteil macht diesen Zusammenhang am Grab besonders anschaulich.

Sekhentyu-Ptahs Titel reichen vom königlichen Kammerherrn über die Aufsicht über Schreiber bis zum Priester der Göttin Maat. Maat verkörperte Ordnung und Gerechtigkeit, die auch für die Herrschaft des Königs zentral waren. Die Inschriften belegen seine Stellung innerhalb der Verwaltung; wie häufig Angehörige später an der Scheintür Opfer darbrachten, lässt sich aus dem bislang gemeldeten Fund allein nicht bestimmen.

Drei versiegelte Sarkophage liegen in benachbarten Schächten

Rund um die Kapelle legte das Team ein Netz miteinander verbundener Bestattungsschächte frei. In ihnen befanden sich menschliche Überreste, verzierte Sargkartonagen und drei steinerne Sarkophage, die bei ihrer Entdeckung noch verschlossen waren. Andere Bereiche zeigen Spuren antiker Grabräuber, die Durchgänge zwischen einzelnen Kammern schufen und so ursprünglich getrennte Räume miteinander verbanden.

Unter den Funden liegen mehr als 100 kleine Uschebti-Figuren aus Fayence, einer häufig blaugrün glasierten Keramikmasse. Solche Figuren sollten nach ägyptischem Glauben Arbeiten für den Toten im Jenseits übernehmen. Ihre große Zahl und die unterschiedlichen Fundzusammenhänge weisen darauf hin, dass das Gräberfeld über längere Zeit genutzt wurde. Welche einzelnen Bestattungen zu welcher Phase gehören, müssen weitere Untersuchungen klären.

Über 100 Uschebtis erzählen von späteren Bestattungen

Eine hölzerne Falkenfigur, Keramikgefäße und weitere Grabbeigaben ergänzen das Bild der Nekropole. Der Falke war eng mit dem Gott Horus verbunden und spielte in der ägyptischen Bildwelt eine bedeutende Rolle. Aus dem Nebeneinander verschiedener Materialien und Bestattungsformen ergibt sich ein Fundkomplex, dessen Teile sorgfältig getrennt datiert werden müssen.

Sakkara diente über viele Jahrhunderte als bedeutender Bestattungsort nahe der alten Hauptstadt Memphis. Dort entdeckten Archäologen bereits einen 3.500 Jahre alten Sarkophag, der die Vielfalt ägyptischer Gräber illustriert. Der neue Fund verbindet die frühe Beamtenkapelle mit späteren Bestattungen auf engem Raum.

Sekhentyu-Ptah verwaltete Arbeiten des Königs

Zu den Aufgaben des Beamten gehörte laut den Inschriften die Aufsicht über königliche Arbeiten und königliche Schriftstücke. Solche Titel machen verständlich, warum eine Grabkapelle die berufliche Identität ihres Besitzers so deutlich festhielt. Ein Name im Stein sollte über den Tod hinaus lesbar bleiben, während Opfergeräte den rituellen Umgang mit dem Verstorbenen ermöglichten.

Auch andere Gräber aus Ägypten bewahren auffällige Details ihrer ursprünglichen Ausstattung, darunter eine 4.400 Jahre alte Grabkammer mit erhaltenen Farben. In Sakkara liefern dagegen die Inschriften, die Scheintür und die Gegenstände davor den engsten Zusammenhang zwischen Person, Amt und Totenkult.

Sakkara legt weitere Spuren unter den Gräbern frei

Die ägyptischen Behörden beschreiben die Grabkapelle und die benachbarten Schächte in ihrer Mitteilung zum Fund in Sakkara. Das Team will die geborgenen Gegenstände und menschlichen Überreste weiter untersuchen. Besonders die verschlossenen Sarkophage und die verschiedenen Schichten des Gräberfelds können zusätzliche Hinweise auf spätere Nutzer geben.

Vor der steinernen Scheintür stehen im Befund noch immer die Alabasterstücke, auf denen Sekhentyu-Ptahs Name geschrieben ist. Wer einst davor Opfer ablegte, blickte auf eine sorgfältig gestaltete Öffnung aus Stein. Hinter dieser Tür lag kein begehbarer Gang, sondern der symbolische Zugang zu dem Mann, dessen Ämter die Inschriften bis heute nennen.

Egypt State Information Service, Old Kingdom tomb discovered at Egypt’s Saqqara necropolis

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