Antike Stadt

Römisches Wohnhaus und Marmorbassin tauchen mitten in Fréjus auf

 Dennis Lenz

Römisches Wohnhaus und Marmorbassin tauchen mitten in Fréjus auf
(Symbolbild) Ein römisches Wohnhaus mit Marmorbassin gehört zu den neuen Befunden in Fréjus. Die antike Stadt Forum Julii besaß ein planmäßig angelegtes Straßennetz. Die Ausgrabungen helfen, die Lage von Wohngebäuden und monumentaler Architektur zueinander zu bestimmen. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Bei Ausgrabungen mitten in der französischen Stadt Fréjus sind die Reste eines römischen Wohnhauses, ein Marmorbassin und ein monumentaler Gebäudekomplex zum Vorschein gekommen. Die Überreste liegen im Bereich wichtiger Straßen der antiken Stadt Forum Julii. Besonders auffällig ist die Nachbarschaft von repräsentativer Architektur und privaten Wohnräumen. Ob der große Gebäudekomplex tatsächlich ein Tempel war, ist noch offen.

Unter der Rue Aubenas im historischen Zentrum von Fréjus arbeiten städtische Archäologen an einer ungewöhnlich aussagekräftigen Stelle. Gegenüber einer heutigen Schule liegen Baureste, die unmittelbar zum Straßenraster der römischen Stadt gehören. Das Wohnhaus öffnete sich zur antiken Hauptstraße und besaß einen Innenbereich, um den sich weitere Räume gruppierten.

Die Ausgrabungen gehören zu einer Untersuchung der Stadtentwicklung von Forum Julii. Wie die Dokumentation der Grabungsergebnisse beschreibt, wurden neben einem farbigen Betonboden auch ein Marmorbassin freigelegt. Für die Rekonstruktion der antiken Bebauung ist besonders wichtig, dass die Befunde nicht isoliert, sondern in ihrem städtischen Zusammenhang erhalten sind.

Römisches Wohnhaus liegt an einer antiken Hauptstraße

Die Römer planten zahlreiche Städte entlang eines Netzes rechtwinklig kreuzender Straßen. Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung hieß cardo maximus, die bedeutende Ost-West-Achse decumanus maximus. Ihre Kreuzung war häufig ein Orientierungspunkt für öffentliche Einrichtungen und das wirtschaftliche Leben. In Fréjus liegt der monumentale Fundkomplex in der Nähe einer solchen Kreuzung.

Das ausgegrabene Wohnhaus, eine sogenannte Domus, hatte einen direkten Zugang zum cardo maximus. Im Inneren befand sich ein Atrium, ein zentraler Raum, von dem weitere Teile des Hauses erschlossen wurden. Anders als bei einer modernen Wohnung war das Atrium zugleich Teil der sozialen Repräsentation: Besucher konnten schon im Eingangsbereich einen Eindruck von der Stellung des Haushalts gewinnen.

Marmorbassin und farbiger Boden bleiben erhalten

Ein Marmorbassin gehört zu den markanten Details der Grabung. Zusammen mit einem farbigen Betonboden belegt es, dass die Ausstattung des Gebäudes über bloße Zweckmäßigkeit hinausging. Die Verwendung von Marmor war im römischen Bauwesen mit handwerklichem Aufwand verbunden. Ohne weitere Untersuchung lässt sich aus dem Bassin allerdings weder ein vollständiges Wassersystem noch seine genaue Nutzung ableiten.

Der Befund ist auch deshalb wertvoll, weil sich das Verhältnis zwischen Straße, Eingang, Atrium und Ausstattung räumlich untersuchen lässt. Einzelne antike Gegenstände werden häufig ohne ihren ursprünglichen Zusammenhang gefunden. Hier können die Archäologen dagegen nachvollziehen, wo bauliche Elemente innerhalb eines Wohnquartiers lagen und wie sich Menschen zwischen öffentlichen und privaten Bereichen bewegten.

Monumentaler Bau steht nahe der Straßenkreuzung

Nur wenige Schritte entfernt kamen Reste eines größeren Baukomplexes zum Vorschein. Wegen seiner Lage nahe den beiden Hauptstraßen wird eine öffentliche oder religiöse Funktion diskutiert. Ein Tempel oder Heiligtum ist eine plausible Deutung, aber bislang keine gesicherte Identifizierung. Dafür müssten unter anderem der Grundriss, die Bauphasen und mögliche Hinweise auf kultische Nutzung genauer untersucht werden.

Die unmittelbare Nachbarschaft ist besonders interessant: Ein repräsentatives Gebäude und mehrere Wohnhäuser könnten ein dicht genutztes Stadtviertel gebildet haben. Vorläufige Beobachtungen lassen sogar zwei oder drei Häuser im Umfeld vermuten. Ob diese Vermutung zutrifft, müssen die weiteren Grabungen klären. Gerade solche Details entscheiden darüber, ob sich die Geschichte einer antiken Stadt zuverlässig rekonstruieren lässt.

Unter Fréjus liegt die römische Stadt Forum Julii

Fréjus geht auf Forum Julii zurück, eine bedeutende römische Stadt in der Provinz Gallia Narbonensis. Sie entwickelte sich zu einem städtischen und maritimen Zentrum. Bis heute erinnern unter anderem ein Amphitheater und eine Wasserleitung an ihre antike Bedeutung. Die aktuelle Grabung ergänzt diese weithin sichtbaren Monumente um die weniger spektakulären, für den Alltag aber ebenso wichtigen Wohn- und Straßenräume.

Auch in anderen römischen Städten können Überreste unmittelbar unter modernen Verkehrsflächen liegen. Ein Beispiel dafür ist das römische Fenstergitter unter einem Parkplatz. Solche Funde verdeutlichen, wie viel vom antiken Stadtleben durch spätere Bebauung überdeckt und zugleich geschützt worden ist.

Die nächsten Untersuchungen müssen die Funktion klären

Die Untersuchungen in der Rue Aubenas sind noch nicht abgeschlossen. Die Archäologen wollen die Bauphasen und den Zusammenhang der einzelnen Gebäudereste genauer bestimmen. Erst dann wird sich beurteilen lassen, ob der monumentale Komplex ein Heiligtum war und wie das Wohnviertel im Laufe der Zeit verändert wurde. Für die Stadtgeschichte zählt nicht nur der einzelne Fund, sondern seine Position im gesamten antiken Straßennetz.

Wie wichtig solche räumlichen Zusammenhänge sind, zeigt auch die Kartierung der römischen Stadt Falerii Novi. Dort erlaubten Messungen einen Blick auf die Organisation einer Siedlung, ohne überall graben zu müssen. In Fréjus liefern die freigelegten Mauern, Böden und das Bassin dagegen unmittelbare materielle Hinweise. Gemeinsam zeigen solche Verfahren, wie sich antike Stadtplanung Stück für Stück erschließen lässt.

Stadt Fréjus, Service archéologique municipal, Ausgrabungen Rue Aubenas und Forum Julii.

HeritageDaily, Roman house and possible temple unearthed in ancient city of Forum Julii.

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