Antikes Thermalbad

Römische Inschrift mit 23 Zentimeter hohen Buchstaben entdeckt

 Dennis Lenz

Römische Inschrift mit 23 Zentimeter hohen Buchstaben entdeckt
(Symbolbild) Die römische Inschrift von Fortuna ist nur in einem Bruchstück erhalten. Die größten Buchstaben erreichen 23 Zentimeter Höhe. Die ursprüngliche Beschriftung war nach ersten Berechnungen mindestens 4,8 Meter lang. Die abgebildeten Zeichen sind frei illustriert und entsprechen nicht der tatsächlichen Lesung des Fundes. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

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In den römischen Thermen von Fortuna in Spanien haben Archäologen einen Steinblock mit bis zu 23 Zentimeter hohen Buchstaben entdeckt. Die erhaltenen Zeichen gehörten vermutlich zu einer mindestens 4,8 Meter langen Inschrift. Der Fund lag als wiederverwendetes Baumaterial in einer Mauer und verändert damit auch den Blick auf die Baugeschichte des Badehauses. Noch ist offen, wessen Name einst so groß in Stein gemeißelt wurde.

Zwischen eingestürzten Mauerresten im spanischen Fortuna stieß ein Grabungsteam auf einen beschrifteten Steinblock, dessen Buchstaben ungewöhnlich groß ausfallen. Die obere Zeile trägt Zeichen von bis zu 23 Zentimetern Höhe, während die zweite Zeile deutlich kleinere Buchstaben von etwa 13 Zentimetern bewahrt. Die beiden Textzeilen werden von steinernen Profilen eingefasst.

Die Ausgrabungen leitet Gonzalo Matilla von der Universität Murcia. Nach Angaben der Regionalverwaltung Murcia kam der Block bei Arbeiten an einer eingestürzten Struktur ans Licht. Das Team erkannte, dass ein zuvor als nördliche Begrenzung der Thermen gedeuteter Mauerabschnitt ältere Bauteile enthielt.

23 Zentimeter hohe Buchstaben fallen in Fortuna auf

Auf dem erhaltenen Stein sind nur Bruchstücke des ursprünglichen lateinischen Textes zu lesen. Gerade die Größe der Buchstaben macht den Fund bemerkenswert, denn vergleichbare monumentale Schriftzeichen sind in der Region Murcia äußerst selten. Nach Angaben der Denkmalbehörden sind dort lediglich drei weitere Beispiele ähnlicher Dimension bekannt, alle aus Cartagena, dem antiken Carthago Nova.

Der Block ist in den Behördenmeldungen mit rund 90 Zentimetern Länge beschrieben; die ausführlichere Mitteilung der Gemeinde nennt annähernd 1,20 Meter. Diese abweichenden Angaben betreffen den erhaltenen Stein, während die rekonstruierte ursprüngliche Inschrift wesentlich länger gewesen sein soll. Aus Schriftgröße und Proportionen schätzen die Archäologen eine Gesamtlänge von mindestens 4,8 Metern.

Eine Mauer bewahrt in Fortuna einen älteren Stein

Die Inschrift wurde in einer Mauer entdeckt, für die man offenbar bereits vorhandene Bauteile erneut verwendete. Damit lässt sich der erhaltene Text nicht ohne Weiteres dem Bauzustand zuordnen, in dem die Archäologen ihn fanden. Der Stein muss ursprünglich an einer anderen Stelle verbaut oder aufgestellt gewesen sein, bevor er in die jüngere Konstruktion gelangte.

Aus einem Bereich, in dem ältere Bauteile eingestürzt waren, entfernten die Ausgräber Schutt. Der beschriftete Quader fiel zwischen gewöhnlichen Mauersteinen auf, weil seine bearbeitete Oberfläche zwei sorgfältig angelegte Schriftzeilen trägt. Solche wiederverwendeten Werkstücke liefern Hinweise auf Umbauten und auf Gebäude, von denen sonst kaum noch etwas erhalten ist.

Ein römischer Name liefert Hinweise auf Augustus

Bei der ersten Auswertung erkannten die Spezialisten den Rest eines römischen Namens, genauer das Ende eines Beinamens. Die Formen der Schrift erlauben eine vorläufige Einordnung zwischen dem späten ersten Jahrhundert vor Christus und der frühen römischen Kaiserzeit. Eine Entstehung unter Kaiser Augustus wird erwogen, ist aber bislang nicht gesichert.

In der unteren Zeile könnte ein Begriff stehen, der sich auf ein architektonisches Bauteil bezieht. Zusammen mit der monumentalen Größe stützt dies die Arbeitshypothese, dass der Text eine Baumaßnahme oder einen Stifter öffentlich würdigte. Welcher Bau damit gemeint war und wer ihn finanzierte, lässt sich aus den erhaltenen Zeichen bisher nicht zuverlässig bestimmen.

Die römischen Thermen von Fortuna geben ihre Form preis

Parallel zum Fund haben die Ausgrabungen die vollständige Fläche eines antiken Beckens freigelegt und den Umriss des Hauptgebäudes genauer erfasst. Das Badeensemble gehörte zu einem Ort, an dem natürliche Wasserquellen bereits in römischer Zeit genutzt wurden. Neue Grundrisse helfen dabei, die Bauphasen und den ursprünglichen Zugang zu den verschiedenen Bereichen besser zu unterscheiden.

Auch an anderen Orten Spaniens sind römische Inschriften in einer Höhle überliefert. In Fortuna gehörte die Schrift hingegen offenbar zu einer monumentalen Architektur. Der Gegensatz zwischen einer ursprünglich weithin sichtbaren Beschriftung und ihrer späteren Verwendung als Mauerstein macht die Fundgeschichte besonders aufschlussreich.

Das Museum in Murcia untersucht die 4,8-Meter-Spur

Für die weitere Untersuchung soll der Block im Archäologischen Museum von Murcia dokumentiert und konserviert werden. Dort können die Forscher die erhaltenen Zeichen, Bearbeitungsspuren und Bruchkanten unter kontrollierten Bedingungen vergleichen. Vor allem die genaue Lesung der beiden Schriftzeilen könnte zeigen, ob die vermutete Bauinschrift tatsächlich einen Stifter oder ein öffentliches Bauwerk nannte.

Die Regionalregierung unterstützt die laufenden Arbeiten mit 150.000 Euro; neben den Grabungen umfasst das Projekt auch die Sicherung des römischen Badeensembles. Der beschriftete Quader bleibt dabei der auffälligste Einzelgegenstand: Auf wenigen erhaltenen Dezimetern Stein stehen Buchstaben, die einst zu einem Text von mehreren Metern Länge gehörten.

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