Mittelalterliches Kloster

Kirchenfundament des Nonneseter-Klosters taucht mitten in Bergen auf

 Dennis Lenz

Kirchenfundament des Nonneseter-Klosters taucht mitten in Bergen auf
(Symbolbild) Das Kirchenfundament am Nonneseter-Kloster legt Teile einer seit Jahrhunderten verschwundenen Klosterkirche frei. Im ehemaligen Chor fanden Archäologen zudem zwei weitere Bestattungen. Der Fund hilft, den Grundriss des mittelalterlichen Kirchenbaus im heutigen Bergen genauer zu rekonstruieren. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

In Bergen ist ein Kirchenfundament der mittelalterlichen Nonneseter-Klosterkirche zwischen modernen Gebäuden wieder ans Licht gekommen. Die Mauerreste gehören vermutlich zur verschwundenen Kirche des Nonneseter-Klosters, von der heute nur zwei mittelalterliche Bauteile oberirdisch erhalten sind. Im früheren Chorbereich stießen die Archäologen außerdem auf zwei weitere Bestattungen. Wie viel der Kirche noch unter dem künftigen Stadtplatz liegt, lässt sich an den freigelegten Mauerkanten bislang nur teilweise erkennen.

Die Ausgrabung liegt an einem Ort, an dem der Alltag der norwegischen Hafenstadt dicht über dem Mittelalter verläuft. Zwischen der Stadtbahnhaltestelle Nonneseter, jüngerer Bebauung und den erhaltenen Resten des Klosters untersucht ein Team des Norsk institutt for kulturminneforskning den Boden. Projektleiterin Ambjørg Reinsnos beschreibt dort flache Steinlagen, Mauerzüge und weitere Konstruktionen, die sich zwischen Tårnfoten im Westen und Korkapellet im Osten erstrecken. Genau zwischen diesen beiden erhaltenen Gebäudeteilen stand im Mittelalter die heute verschwundene Klosterkirche.

Auslöser der Arbeiten ist die Umgestaltung des Areals zu einem neuen öffentlichen Platz. Die frühere Silberwarenfabrik und ein Nachbargebäude wurden entfernt, wodurch erstmals wieder größere Flächen des ehemaligen Klosterbereichs untersucht werden können. Solche Bauvorhaben bringen in dicht bebauten Städten immer wieder Befunde ans Licht, die jahrhundertelang in spätere Gebäude integriert oder überdeckt waren. Ein besonders anschauliches Beispiel liefert der mittelalterliche Schiffsfund in einem Konstanzer Keller, bei dem historische Bausubstanz ebenfalls erst durch moderne Untersuchungen eindeutig erkannt wurde.

Nonneseter gibt Teile der Klosterkirche frei

Das Kirchenfundament liegt in einem Bereich, der archäologisch besonders aussagekräftig ist, weil die erhaltenen Bauteile des Klosters seine Lage seit Langem eingrenzen. Tårnfoten und Korkapellet markieren zwei Punkte des mittelalterlichen Komplexes, während die eigentliche Kirche aus dem heutigen Stadtbild verschwunden ist. Die neu freigelegten Mauern können deshalb helfen, den Verlauf des Bauwerks präziser zu bestimmen. Nach Angaben von NIKU wurden sowohl ein massives Fundament als auch weitere Stein- und Mauerstrukturen entlang des Korkapellet gefunden, die als Reste der östlichen Chorwand gedeutet werden.

Im westlichen Teil der Grabungsfläche zeichnet sich zusätzlich eine mögliche Quermauer ab. Solche Befunde sind wichtig, weil Kirchen des Mittelalters im Laufe ihrer Nutzung erweitert, umgebaut oder nach Schäden repariert werden konnten. Schon wenige erhaltene Mauerkanten können zeigen, wo Wandzüge verliefen, wie breit einzelne Bereiche waren und ob sich Bauphasen voneinander unterscheiden lassen. Zugleich bleiben Lücken: Neuzeitliche Eingriffe haben Teile des Bodens entfernt, während andere Abschnitte vermutlich noch unter jüngeren Fußböden und Fundamenten liegen.

2 neue Gräber liegen im ehemaligen Chor

Besonders empfindlich ist der Bereich des Chors, in dem das NIKU-Team arbeitete. Dort befand sich einer der wichtigsten liturgischen Räume der Klosterkirche, und genau hier kamen zwei weitere menschliche Bestattungen zum Vorschein. Die Lage ist archäologisch bedeutend, weil Beisetzungen innerhalb einer Kirche im Mittelalter nur einem begrenzten Personenkreis offenstanden. Geistliche, Angehörige wohlhabender Familien oder bedeutende Stifter konnten bevorzugte Grabplätze nahe dem Altar erhalten.

Die beiden Skelette sind deshalb mehr als ein Nebenfund zwischen Mauern und Erde. Ihre Position kann später zusammen mit Alter, Geschlecht, möglichen Grabbeigaben und der Lage zu den Bauphasen Hinweise darauf liefern, wer in diesem Teil des Klosters bestattet wurde. NIKU gräbt jedoch nur so tief, wie es die genehmigte Baumaßnahme erfordert. Weitere Gräber können damit im Boden verbleiben, obwohl ihre Existenz aufgrund früherer Untersuchungen durchaus plausibel ist.

30 frühere Gräber zeigen die Bedeutung des Chors

Nonneseter ist archäologisch kein unbekannter Ort. Bereits bei Untersuchungen im Jahr 1892 wurden im Chorbereich Bestattungen in mehreren Lagen dokumentiert. Bei einer weiteren Grabung im Jahr 2006 kamen rund 30 Gräber aus der Klosterzeit ans Licht, mehrere davon lagen unter dem früheren Fußboden des Chors. Die beiden neuen Bestattungen fügen sich somit in ein dichtes Bild, in dem Kirchenarchitektur und Begräbnisplatz unmittelbar ineinandergreifen.

Solche Überschneidungen sind für die Forschung wertvoll, weil sie den Alltag einer Klostergemeinschaft nicht nur über Schriftquellen greifbar machen. Mauerwerk zeigt Bauabsichten, Gräber zeigen soziale Entscheidungen, und Bodenfunde können Nutzung und Umbauten zeitlich einordnen. Vergleichbare Entdeckungen geben auch an anderen Orten Einblick in den materiellen Alltag hinter Klostermauern. In Basel wurde beispielsweise eine fast vollständig erhaltene mittelalterliche Klosterheizung freigelegt, deren Aufbau zeigt, wie technisch aufwendig solche Anlagen ausgestattet sein konnten.

Bergen baut den Platz über dem Kloster neu

Die Grabung ist eng mit der künftigen Nutzung des Geländes verbunden. Bergen und die Provinz Vestland wollen rund um die Haltestelle Nonneseter einen offeneren Stadtraum schaffen, nachdem die jüngere Bebauung entfernt wurde. Für die Archäologie entsteht dadurch ein seltenes Zeitfenster: Bevor Wege, Platzflächen und neue Nutzungen festgelegt werden, lässt sich dokumentieren, was im Boden erhalten ist und welche Bereiche geschützt werden müssen.

Geplant ist zudem, den früheren Kirchenraum im neuen Stadtplatz sichtbar zu machen. Damit soll die Verbindung zwischen Tårnfoten und Korkapellet wieder lesbar werden, obwohl die eigentliche Klosterkirche seit Jahrhunderten fehlt. Für Besucher würde sich dadurch ein ungewöhnlicher Kontrast ergeben: Die Stadtbahn fährt durch das moderne Bergen, während die Form eines mittelalterlichen Kirchenbaus wenige Meter daneben im Pflaster oder in der Platzgestaltung nachvollziehbar bleibt. Archäologische Befunde würden damit nicht in einem Museum verschwinden, sondern unmittelbar am historischen Ort lesbar.

12. Jahrhundert setzt den Rahmen für Nonneseter

Das Nonneseter-Kloster wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Benediktinerinnenkloster gegründet. Damit gehört der Komplex in eine Phase, in der Bergen zu einem wichtigen kirchlichen und wirtschaftlichen Zentrum Skandinaviens heranwuchs. Über die Jahrhunderte veränderte sich das Areal mehrfach, bis große Teile des Klosters aus dem Stadtbild verschwanden. Gerade diese lange Überformung erklärt, warum die heutige Ausgrabung nicht einfach einen vollständigen Grundriss freilegt, sondern erhaltene Mauerzüge, zerstörte Zonen und jüngere Eingriffe wie Schichten eines aufgeschnittenen Stadtbodens nebeneinander zeigt.

Für die Rekonstruktion der Kirche zählt deshalb jeder erhaltene Steinverband. Die flachen Platten an der Oberkante des Fundaments markieren an manchen Stellen nur den Rest eines Bauwerks, das einst deutlich höher aufragte. Zwischen Tårnfoten und Korkapellet entsteht so Stück für Stück wieder eine Linie, die auf heutigen Stadtplänen kaum noch zu erkennen war. Wenn der neue Platz fertig ist, bleibt genau dieses Bild der Ausgangspunkt: mitten im modernen Bergen liegen die grauen Steine einer Kirche, deren Grundriss erst jetzt wieder schärfer hervortritt.

Norsk institutt for kulturminneforskning, En klosterkirke under bakken midt i dagens Bergen

Norsk institutt for kulturminneforskning, Nytt byrom gir ny kunnskap om et av Bergens eldste klostre

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