16.000 bis 14.000 Jahre

Haushund entstand laut Fossilien in Deutschland

Robert Klatt

Fossilien belegen, dass vor 16.000 bis 14.000 Jahren im heutigen Baden-Württemberg Haushunde domestiziert wurden.

Tübingen (Deutschland). Ausgrabungen zeigen, dass Menschen und Hunde bereits seit Jahrtausenden zusammenleben. Die ersten noch sehr wolfsähnlichen Hunde sollen den Menschen laut DNA-Analysen schon vor 28.000 Jahren begleitet haben, um sich von dessen Abfällen zu ernähren.

Chris Baumann, Universität Tübingen: „Wann genau die Domestizierung von Wölfen zu Haus- und Hütehunden erfolgte, ist aber nach wie vor unklar. Wissenschaftliche Schätzungen variieren zwischen etwa 15.000 bis 30.000 Jahren vor heute und auch der Ort dieses Übergangs vom Wild- zum Haustier ist bislang nicht geklärt.“

Neben Europa gelten in der Wissenschaft vor allen der Nahe und Ferne Osten als mögliche Ursprungsorte des Haushundes.

Ursprung des Haushundes im Südwesten Deutschlands

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben nun neue Hinweise darauf gefunden, dass die Entwicklung des Haushundes im Südwesten Deutschlands erfolgt ist. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Scientific Reports sprechen dafür Fossilien von Caniden, die in der Gnirshöhle in Baden-Württemberg entdeckt wurden.

Chris Baumann: „Die Gnirshöhle ist eine kleine Höhle mit zwei Kammern, die in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Höhlen aus dem Magdalénien liegt, einer Kulturstufe der späten Altsteinzeit.“

Untersucht wurden die zwischen 16.000 und 14.000 Jahre alten Knochen von den Forschern sowohl genetisch als auch anatomisch.

Chris Baumann: „Wir haben Morphologie, Genetik und Isotopie verknüpft und konnten so feststellen, dass die untersuchten Knochen aus vielen verschiedenen genetischen Linien stammen. Spannend ist, dass die aus ihnen sequenzierten mitochondrialen Genome die ganze genetische Bandbreite von Wolf bis Hund abdecken.“

Andere Nahrung als Wölfe

Die anatomischen Details der Fossilien zeigen noch große Ähnlichkeiten mit den Wölfen dieser Zeit. Laut einer Isotopenanalysen haben die hundeartigen Tiere anstatt großer Pflanzenfresser, darunter sogar Mammuts, die die frei lebenden Wölfe jagten, vor allen kleine Säugetiere wie Hasen gefressen.

Dies belegt laut den Paläontologen, dass die Hunde ihre Nahrung nicht selbst erlegen mussten, sondern von den Menschen gefüttert werden. Dafür spricht auch, dass die Nahrung der frühen Hunde und der Eiszeitmenschen in großen Teilen identisch war.

Chris Baumann: „Die Nähe der Tiere zu den Menschen sowie die Hinweise auf deren recht eingeschränkte Ernährung lassen uns annehmen, dass vor 16.000 bis 14.000 Jahren Wölfe bereits zu Haushunden domestiziert wurden. Ein Ursprung der europäischen Hunde könnte demnach im Südwesten Deutschlands liegen.“

Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-021-83719-7

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