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Pharao Narmer

Bier aus 5000 Jahre alten Hefestämmen hergestellt

Bei Ausgrabungen wurde in Tonkrügen 5.000 Jahre alte Hefe gefunden, die zur Ära des Pharaos Narmer Bierherstellung genutzt wurde. Wissenschaftler haben aus diesen jahrtausendealten Mikroorganismen Bier gebraut, das laut ihnen „nicht schlecht schmeckt“.

Jerusalem (Israel). Archäologen haben erst kürzlich nachgewiesen, dass die einst im Gebiet des heutigen Israel lebenden Natufien-Menschen bereits vor etwa 13.000 Jahren Bier gebraut haben. Belegt haben dies Steinmörser, in denen sich noch Reste des verkleinerten Wildgetreides befanden. Eine Rekonstruktion des damals genutzten Rezepts zeigt, dass das vermutlich zu rituellen Festen genutzte Bier eher einem Brei als dem heute bekannten Getränk ähnelte.

Wie das historische Bier schmeckte konnte bisher allerdings noch nicht probiert werden. Es gab zwar bereits einige Versuche, Bier nach alten Rezepten herzustellen, dafür wurde aber stets auf derzeit genutzte Bierhefestämme und zeitgemäße Zutaten zurückgegriffen. Wissenschaftler der Hebräischen Universität Jerusalem haben nun erstmals Bier aus etwa 5.000 Jahre alten Hefestämmen gebraut, um zu probieren, wie das Getränk vor tausenden Jahren geschmeckt hat.

Hefestämmen bei archäologischen Ausgrabungen gefunden

Laut der im Fachmagazin mBio veröffentlichten Forschungsarbeit haben die Wissenschaftler um Tzemach Aouizerat auf der Suche nach alten Hefestämmen Gefäße von Ausgrabungsstätten untersucht. Dabei fanden sie die Mikroorganismen in verschiedenen Tonkrügen, die zuvor für die Aufbewahrung von Bier genutzt wurden. Datiert wurden die Gefäße auf die Ära des altägyptischen Pharaos Narmer etwa 3.000 Jahre vor Christi. Außerdem konnten Hefestämme auch aus Gefäßen der Zeit des Propheten Nehemiah und des aramäischen Königs Hasael extrahiert werden.

Hohe Hefekonzentration gibt Auskunft über die Verwendung

Wie die Wissenschaftler erklären war die Hefekonzentration in den gefundenen Tonkrügen deutlich höher als in den anderen Relikten der Ausgrabungsstätten. Dies belegt, dass sie für die Herstellung und Aufbewahrung von Alkohol genutzt wurden. Laut Ronen Hazan, Co-Autor des Papers „gleicht es einem Wunder, dass diese Hefen tausende Jahre in den Gefäßen überlebt haben.“

Anschließend analysierten die Wissenschaftler die Gene der Hefestämme. Die Ergebnisse zeigen, dass die etwa 5.000 Jahre alte Hefe große Ähnlichkeit mit noch derzeit in Afrika genutzten Hefekulturen besitzt, die unter anderem zur Herstellung des äthiopischen Honigwein Tej genutzt wurden. Die genetische Analyse zeigt aber auch Ähnlichkeiten mit aktuell genutzter Bierhefe.

Geschmackstest bestanden

Auch der folgende Praxistest, bei dem die Wissenschaftler aus der Hefe Bier herstellen und es probierten war laut Aouizerat ein Erfolg. Hazan fügt hinzu, dass „diese alten Hefen es uns erstmals ermöglichten zu erfahren, wie das Bier der alten Philister und Ägypter wirklich geschmeckt haben könnte.“

Überdies erklären die Forscher, dass „unabhängig davon, dass die Forschungsarbeit uns das Bier aus der Zeit der Pharaonen nähergebracht hat, sie von großer Bedeutung für den Bereich der experimentellen Archäologie.“ Die Studie liefert beispielsweise neue Ansätze darüber, wie man den Geschmack jahrtausendealter Lebensmittel wieder erlebbar machen kann.

mBio, doi: 10.1128/mBio.00388-19)

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