Bebenschein

Erdbebenlichter erhellen den Himmel vor manchen Beben

Erdbebenlichter erhellen den Himmel vor manchen Beben
(Symbolbild) Vor und während einzelner Erdbeben berichten Menschen von Lichtblitzen und leuchtenden Erscheinungen am Himmel. Diese Erdbebenlichter sind vielfach dokumentiert, doch ihre Entstehung ist bis heute umstritten. Diskutiert werden vor allem elektrische Aufladungen im gestressten Gestein. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

Vor und während mancher Erdbeben berichten Augenzeugen von einem seltsamen Schauspiel: Der Himmel flackert, es zeigen sich bläuliche Lichter, Blitze oder leuchtende Kugeln, obwohl kein Gewitter am Himmel steht. Diese Erscheinungen tragen den Namen Erdbebenlichter und sind seit Langem überliefert. Lange galten sie als Legende, doch inzwischen sind sie durch zahlreiche Berichte und einzelne Aufnahmen gut belegt. Wie genau sie entstehen, ist bis heute jedoch umstritten. Sicher ist nur, dass sie in Verbindung mit seismischen Ereignissen auftreten.

Berichte über Lichter im Zusammenhang mit Erdbeben reichen weit zurück und stammen aus vielen Teilen der Welt. Beschrieben werden ganz unterschiedliche Erscheinungen: mal ein diffuses Leuchten am Horizont, mal helle Blitze, mal langsam schwebende Lichtkugeln. Häufig treten sie kurz vor oder während eines Bebens auf, gelegentlich auch in der Zeit erhöhter seismischer Spannung. Weil solche Momente von Angst und Aufregung geprägt sind, wurden die Schilderungen früher oft als Sinnestäuschung abgetan. Erst als sich Berichte aus verschiedenen Erdbebenregionen ähnelten und einzelne Erscheinungen fotografiert oder gefilmt wurden, begann die Wissenschaft, das Phänomen ernster zu nehmen und systematisch zu untersuchen.

Das Ernstnehmen fiel lange schwer, weil Erdbebenlichter selten, kurz und schwer vorhersehbar sind. Man kann sie nicht auf Bestellung erzeugen, und wer sie sehen will, müsste im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Fachleute haben daher historische und moderne Berichte gesammelt und ausgewertet, um Muster zu erkennen. Dabei zeigte sich, dass die Lichter zwar selten, aber keineswegs beliebig auftreten, sondern gehäuft in bestimmten geologischen Situationen. Diese Auswertungen machten aus vagen Erzählungen ein greifbares Forschungsthema. Sie lieferten jedoch keine endgültige Erklärung, sondern grenzten vor allem ein, unter welchen Bedingungen die Lichter besonders häufig beobachtet werden.

Was Erdbebenlichter so rätselhaft macht

Erdbebenlichter sind leuchtende Erscheinungen am Himmel, die vor oder während mancher Erdbeben auftreten, ohne dass ein Gewitter im Spiel ist. Sie sind vielfach dokumentiert, ihre Entstehung ist aber umstritten. Als führende Erklärung gilt, dass unter enormem Druck stehendes Gestein elektrische Ladungen freisetzt, die in der Luft ein Leuchten erzeugen.

Das Rätsel besteht darin, wie mechanischer Druck im Untergrund zu Licht am Himmel führen soll. Ein verbreiteter Ansatz geht davon aus, dass bestimmte Gesteine unter starker Belastung elektrische Ladungen erzeugen. Wird das Gestein tief in der Erde gequetscht und verformt, könnten sich solche Ladungen bilden, an die Oberfläche wandern und dort die Luft so beeinflussen, dass sie zu leuchten beginnt, ähnlich wie in einer Leuchtröhre. Dieser Gedanke ist plausibel und wird durch Laborversuche gestützt, in denen unter Druck gesetztes Gestein tatsächlich elektrische Effekte zeigte. Ob diese Effekte jedoch ausreichen, um die beobachteten, teils hellen und großflächigen Lichter zu erzeugen, ist nicht abschließend geklärt.

Wie eine Auswertung vieler Berichte das Bild ordnete

Einen wichtigen Schritt brachte die systematische Sammlung und Auswertung zahlreicher gut dokumentierter Fälle. Dabei zeigte sich, dass Erdbebenlichter überproportional häufig in bestimmten geologischen Umgebungen auftreten, insbesondere dort, wo die Erdkruste auf besondere Weise aufbricht. Diese Häufung stützt die Vermutung, dass die Art der Gesteinsbelastung eine Rolle spielt. Eine wissenschaftliche Auswertung im Fachjournal Seismological Research Letters ordnete viele historische und moderne Beobachtungen und arbeitete solche Zusammenhänge heraus. Sie machte aus einer losen Sammlung von Anekdoten ein strukturiertes Bild, ohne allerdings eine einzelne, allgemein anerkannte Ursache zu benennen. Die Auswertung zeigte vor allem, dass die Lichter real sind und in Mustern auftreten, die zu geologischen Vorgängen passen.

Warum das Phänomen so schwer zu beweisen ist

Ein grundlegendes Problem bleibt, dass sich Erdbebenlichter kaum gezielt untersuchen lassen. Sie sind selten, treten unangekündigt auf und dauern oft nur Sekunden. Messgeräte müssten also zufällig genau dann laufen, wenn ein Licht erscheint, und das an einem Ort, der ohnehin von einem Erdbeben betroffen ist. Solche Aufnahmen sind entsprechend rar. Hinzu kommt, dass sich am Himmel viele Erscheinungen ähneln können, etwa Reflexe, Lichter von beschädigten Stromleitungen oder atmosphärische Effekte. Ein Teil der historischen Berichte könnte solche Verwechslungen enthalten. Die Kunst besteht darin, echte Erdbebenlichter von solchen Störeinflüssen zu trennen. Genau diese Schwierigkeit erklärt, warum das Phänomen trotz vieler Berichte bis heute nicht vollständig verstanden ist.

Wie sich Erdbebenlichter von anderen Himmelserscheinungen abgrenzen

Um Erdbebenlichter richtig einzuordnen, hilft der Vergleich mit anderen seltenen Leuchterscheinungen am Himmel. Manche davon galten lange ebenfalls als unglaubwürdig und wurden erst durch sorgfältige Beobachtung als reale Phänomene anerkannt, etwa bestimmte rote Leuchterscheinungen hoch über Gewittern. Bei Erdbebenlichtern ist die Lage insofern anders, als ihr Auslöser nicht in der Atmosphäre, sondern tief im Boden vermutet wird. Das macht die Erforschung besonders schwierig, weil der eigentliche Vorgang unsichtbar unter der Oberfläche abläuft und nur seine mögliche Folge am Himmel zu sehen ist. Diese Trennung von unsichtbarer Ursache und sichtbarer Wirkung ist ein Grund, warum das Phänomen so schwer greifbar bleibt.

Was von dem leuchtenden Rätsel bleibt

Am Ende steht ein Phänomen, das lange belächelt wurde und heute als real, aber ungeklärt gilt. Zahlreiche Berichte und einzelne Aufnahmen belegen, dass es Erdbebenlichter gibt und dass sie in Verbindung mit seismischen Ereignissen auftreten. Als wahrscheinlichste Ursache gelten elektrische Vorgänge im gestressten Gestein, doch der genaue Mechanismus und die Frage, warum die Lichter mal auftreten und mal nicht, sind nicht abschließend beantwortet. Damit gehören Erdbebenlichter zu jenen Naturerscheinungen, die vom Menschen über Jahrhunderte beobachtet, aber erst spät ernst genommen wurden. Zurück bleibt das Bild eines flackernden Himmels über einer bebenden Erde und die Erkenntnis, dass zwischen Boden und Himmel noch nicht jeder Zusammenhang verstanden ist.

Seismological Research Letters, Prevalence of Earthquake Lights Associated with Rift Environments; doi:10.1785/0220130059

Spannend & Interessant
VGWortpixel