Brennender Berg heißt ein bewaldeter Hang zwischen Dudweiler und Neuweiler, aus dessen Felsspalten bei feuchtem Wetter warmer Dampf zieht. Unter dem Waldboden glimmt ein Kohleflöz, das nach der Überlieferung um das Jahr 1668 in Brand geriet und seither nie vollständig erloschen ist. Johann Wolfgang von Goethe stand im Juni 1770 selbst in dieser engen Klamm und spürte die Hitze des Bodens durch seine Schuhsohlen. Löschversuche mit Wasser blieben ohne Wirkung, später war man sogar an der Erhaltung der Glut interessiert. Wie ein Berg über drei Jahrhunderte glühen kann, ohne dass je eine offene Flamme lodert, erklärt sich aus einer Reaktion, die ganz ohne Zündquelle auskommt.
Wer von Dudweiler aus in Richtung Neuweiler in den Wald läuft, erreicht nach wenigen Hundert Metern eine schmale, tief eingeschnittene Schlucht. Die Wände bestehen aus rötlich verfärbtem, teilweise weiß gebranntem Gestein, der Boden ist von Geröll bedeckt, und aus einzelnen Rissen steigt an kühlen, feuchten Tagen sichtbar Dampf auf. Wer die Hand über eine solche Spalte hält, spürt Wärme, an manchen Stellen genug, um sich die Finger zu verbrennen. Ein Vulkan liegt hier nicht, ein Feuer sieht man nicht, und trotzdem trägt der Hügel über der Klamm seinen Namen zu Recht. Der Brennende Berg liegt im Saarkohlenwald nördlich von Saarbrücken, seine Kuppe erreicht rund 328 Meter über Normalnull, und das Naturdenkmal selbst befindet sich einige Hundert Meter nordwestlich davon in einer Klamm, die erst durch den Abbau von Alaunschiefer entstanden ist. Die Landschaft dort ist also kein reiner Naturraum, sondern das Ergebnis von Bergbau, Geologie und einem Brand, den niemand mehr unter Kontrolle bekam.
Der Ursprung dieses Brandes liegt im 17. Jahrhundert. Nach der Überlieferung geriet um 1668 ein oberflächennahes Steinkohlenflöz in Brand, das an dieser Stelle bis dicht unter die Erdoberfläche reicht. Die Bewohner von Dudweiler versuchten zunächst, das Feuer mit Wasser zu bekämpfen, doch die Glut breitete sich weiter aus und wanderte über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren langsam quer durch den Berg in Richtung Neuweiler. Anders als ein Waldbrand hinterlässt ein solcher Brand keine Flammenwand, sondern eine wandernde Zone aus Hitze, Rauch und ausgasendem Gestein, die sich unterirdisch fortbewegt und an der Oberfläche nur durch Dampf, Geruch und verfärbtes Gestein zu erkennen ist. Genau diese Kombination aus Unsichtbarkeit und spürbarer Hitze machte den Ort schon früh zu einer Sehenswürdigkeit, lange bevor jemand die chemischen Abläufe im Untergrund erklären konnte. Bereits im 18. Jahrhundert reisten Neugierige eigens an, um das Phänomen mit eigenen Augen zu sehen.
Wie der Brand tatsächlich begann, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die bekannteste Version erzählt von einem Hirten, der an einem Baumstumpf ein Feuer entzündete, das sich über die Wurzeln bis in das darunterliegende Flöz gefressen haben soll. Diese Geschichte ist anschaulich, gilt Fachleuten aber als unwahrscheinlich. Deutlich plausibler ist eine Selbstentzündung: Im 17. Jahrhundert wurde in der Region ohne Plan und ohne Aufsicht Kohle gegraben, dabei häuften sich große Halden aus zerkleinertem Material an, und genau solche Schüttungen neigen dazu, sich von innen heraus aufzuheizen. Von der brennenden Halde konnte das Feuer auf das zutage tretende Hauptflöz der Landgrube übergreifen, das später den Namen Flöz Blücher erhielt. Interessant ist ein Detail aus Goethes Reisebericht: Er datierte den Beginn des Brandes auf etwa 1760, also rund ein Jahrhundert später als die gängige Überlieferung. Ob der Berg zwischenzeitlich ruhte und erneut entflammte oder ob die Datierung schlicht ungenau war, lässt sich heute nicht mehr entscheiden.
Berühmt wurde der Ort durch einen Besucher, der damals 20 Jahre alt war. Ende Juni 1770 reiste Johann Wolfgang von Goethe von Straßburg aus in die Region, um die Steinkohlengruben, die Eisen- und Alaunwerke und eben jenen brennenden Berg zu besichtigen. Im zehnten Buch von "Dichtung und Wahrheit", 1812 erschienen, beschrieb er die Szene später aus der Erinnerung: den beißenden Schwefelgeruch, eine fast glühende Höhlenwand aus rötlichem, weiß gebranntem Stein, dichten Dampf aus den Spalten und eine Bodenhitze, die durch feste Sohlen zu spüren war. Eine Gedenktafel erinnert heute an diesen Besuch, und die Dudweiler Geschichtswerkstatt hat die örtliche Überlieferung zum Bergbrand zusammengetragen. Goethes Schilderung ist damit mehr als eine literarische Anekdote: Sie ist eine der wenigen Momentaufnahmen davon, wie stark der Brand vor 250 Jahren noch war.
Der entscheidende Punkt ist, dass ein Kohleflöz kein Feuer im üblichen Sinn braucht. Kohle reagiert schon bei gewöhnlichen Temperaturen mit dem Sauerstoff der Luft, und diese Oxidation setzt Wärme frei. Im heimischen Kohlenkeller verpufft die Wärme in der Umgebungsluft, in einer dichten Halde oder einem zerklüfteten Flöz staut sie sich. Steigt die Temperatur, läuft die Oxidation schneller ab, was wiederum mehr Wärme erzeugt. Ab etwa 80 Grad Celsius geben Kohlen leichtflüchtige Bestandteile ab, die sich entzünden können, und aus der stillen Reaktion wird ein Schwelbrand. Beschleunigt wird das Ganze durch Pyrit, ein Eisensulfid, das in vielen Flözen und in Alaunschiefer steckt und bei seiner Verwitterung zusätzlich Wärme liefert. Deshalb glimmt der Brennende Berg auch ohne offene Flamme: Der Prozess braucht Sauerstoff und Zeit, aber keinen Funken. Aus den Spalten treten dabei Wasserdampf, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid aus, ein Gasgemisch, wie es auch aus stillgelegten Bergwerken bekannt ist und in extremen Fällen sogar ganze Dörfer betäubte.
Dass die frühen Löschversuche scheiterten, ist chemisch nachvollziehbar. Wasser dringt in poröses Material kaum tief genug ein, verdampft an der Glutzone und reißt beim Verdampfen zusätzlich Luft in die Risse, sodass frischer Sauerstoff genau dort ankommt, wo er die Reaktion antreibt. Statt den Brand zu ersticken, konnte das Löschwasser ihn also anfachen. Später änderte sich die Haltung der Anwohner grundlegend: Als am Berg die Alaungewinnung begann, war die unterirdische Hitze plötzlich ein Rohstoff. Der Schwelbrand röstete den Alaunschiefer im Boden und erleichterte die Gewinnung des Salzes, das für Gerberei und Färberei gebraucht wurde. Man versuchte nun nicht mehr zu löschen, sondern das Feuer zu erhalten und seinen Weg zu lenken, was allerdings ebenso wenig gelang wie das Löschen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließ die Intensität nach. Ältere Anwohner berichten noch davon, dass Schulklassen Eier mitbrachten, um sie im heißen Qualm zu garen, was heute nicht mehr funktionieren würde.
Der Saarländer Fall ist ungewöhnlich, aber kein Einzelfall. Weltweit brennen Kohleflöze, viele davon seit Jahrzehnten, manche seit Jahrtausenden. Als ältester bekannter Flözbrand gilt der Burning Mountain im Osten Australiens, der vermutlich seit rund 6.000 Jahren raucht und lange für einen Vulkan gehalten wurde. Im indischen Kohlerevier von Jharia schwelen seit Jahrzehnten riesige Vorkommen, Straßen und Häuser brechen über den ausgebrannten Hohlräumen ein, und aus den Rissen treten neben Kohlendioxid und Methan auch schwefel- und arsenhaltige Verbindungen aus. Weil solche Brände die Erdoberfläche messbar erwärmen, lassen sie sich aus dem All aufspüren: Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum am Earth Observation Center des DLR untersuchte Kohlebrandgebiete mit thermalen Satellitendaten. Der glühende Schwefel am indonesischen Vulkan Kawah Ijen, wo Bergleute unter der berühmten blauen Lava arbeiten, zeigt eine verwandte Chemie unter ganz anderen Bedingungen.
Was den Brennenden Berg im Saarland auszeichnet, ist die Kombination aus Dauer, Zugänglichkeit und Überlieferung. Ein Kohleflöz, das seit dem 17. Jahrhundert glimmt, ein Dichter, der 1770 mit heißen Sohlen davorstand, ein gescheiterter Löschversuch und eine Industrie, die aus der Glut Nutzen zog: All das liegt an einem einzigen Waldhang zwischen Dudweiler und Neuweiler, wenige Hundert Meter vom nächsten Parkplatz entfernt. Der Brand ist heute nur noch ein Schatten dessen, was Goethe erlebte, und irgendwann wird die Kohle in Reichweite des Sauerstoffs aufgebraucht sein. Bis dahin bleibt ein Stück Wald, in dem der Boden ohne Flamme warm ist und aus dem an nassen Herbsttagen Dampf zwischen den Bäumen aufsteigt, als hätte jemand vor 350 Jahren vergessen, ein Feuer auszumachen.