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Lebensmittelmotten

Spricht man von Lebensmittelmotten, Küchenmotten oder auch Speisemotten, bezieht man sich eigentlich auf verschiedene Arten aus der Familie der Zünsler (Pyralidae), der Echten Motten (Tineidae) oder der Palpenmotten (Gelechiidae). Umgangssprachlich werden diese Insekten jedoch als Lebensmittelmotten bezeichnet, da es sich bei ihnen um sogenannte Vorratsschädlinge handelt. Auch wenn bestimmte Vertreter dieser Kleinschmetterlinge zwar zu den Lebensmittelmotten zählen, so sind sie jedoch eher selten im Haushalt anzutreffen, da diese Motten primär in der Landwirtschaft Schäden verursachen und für Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent sorgen können.

Arten von Lebensmittelmotten

Aus biologischer Sicht gehören Motten zur Ordnung der Schmetterlinge, die über 160.000 beschriebene Arten zählen. Auch in der Systematik der Motten gibt es hunderte bekannte Arten, jedoch nur acht Wesentliche, die umgangssprachlich als Lebensmittelmotten bezeichnet werden. Diese sind:

Dörrobstmotte (Plodia interpunctella)

In Mitteleuropa kommt diese Lebensmittelmotte am häufigsten als Lebensmittelschädling im Haushalt vor. Die Dörrobstmotte gehört zur Familie der Zünsler und besitzt eine Flügelspannweite von etwa 13 bis 20 Millimetern und eine Körperlänge von vier bis zehn Millimetern. Gut zu erkennen ist diese Lebensmittelmotte an ihrer ganzkörperlichen bronzefarbenen bis kupferroten Färbung, die nur am Vorderflügel hellgrau bis ockergelb ist.

Aus den bis zu 300 Eiern, die eine Größe von weniger als 0,5 Millimeter besitzen, schlüpfen bereits nach drei bis vier Tagen die Larven der Dörrobstmotte. Diese noch ganz unterschiedlich gefärbten Tiere können sich während ihrer Entwicklungsphase drei bis fünf Mal häuten und so eine Größe von bis zu 17 Millimeter erreichen. Bei wärmeren Temperaturen um die 30 Grad Celsius braucht eine Raupe etwa 30 Tage für ihre Entwicklung zur Motte. Bei einer Raumtemperatur von etwa 20 Grad Celsius bis zu 74 Tage. Die erwachsene Dörrobstmotte lebt dann etwa zehn bis 14 Tage und nimmt während dieses letzten Lebensabschnitts keine weitere Nahrung mehr auf.

Getreidemotte (Sitotroga cerealella)

Die Getreidemotte ist primär ein landwirtschaftlicher Schädling, der zur Familie der Palpenmotten gehört. Die Getreidemotte erreicht eine Flügelspannweite zwischen zwölf und 16 Millimeter und eine Körperlänge von fünf bis acht Millimeter. Damit ist diese Lebensmittelmotte eine der kleinsten Vertreter dieser Schädlingsgruppe. Farblich hat sich diese Lebensmittelmotte dem Getreidekorn angepasst und besitzt somit eine gelbbraune bis silbrige Farbe. An der Unterseite ist die Getreidemotte braun gefärbt.

Die Getreidemotte legt ihre Eier an die Außenhülle des Korns, die Entwicklung der Larve erfolgt dann anschließend geschützt im Inneren des Korns. Die Eier besitzen eine rötlich weiße Farbe und werden etwa 0,5 Millimeter groß. Die Larven der Getreidemotte werden ca. sechs Millimeter lang und besitzen neben einer weißen bis hellroten Körperfarbe einen gelblichen Kopf.

Korkmotte (Nemapogon cloacella)

Die Korkmotte zählt zur Familie der Echten Motten und ist ebenfalls ein eher landwirtschaftlicher Schädling. Der Falter besitzt eine Flügelspannweite von ungefähr zehn bis 18 Millimeter und einem im Verhältnis zur Spannweite der Flügel etwas kleineren Körper. Farblich ist diese Lebensmittelmotte durch eine helle, bräunliche Grundfärbung mit schwarzen Mustern gut zu erkennen.

Die Larven der Korkmotte leben vorzugsweise im faulenden Holz oder in den auf Eichen wachsenden Baumschwämmen. Jedoch findet man sie manchmal auch in verschiedenen Getreidearten, in Trockenobst und -pilzen sowie an Flaschenkorken, wodurch diese Mottenart auch zu den Lebensmittelmotten gezählt wird.

Kornmotte (Nemapogon granella)

Die Kornmotte ist ebenfalls der Familie der Echten Motten zuzuordnen und zählt auch zu den Lebensmittel- bzw. Nahrungsmittelmotten. Ausgewachsen besitzt die Kornmotte eine Flügelspannweite von neun bis 14 Millimeter und eine Körperlänge von etwa sechs bis sieben Millimeter. Diese Mottenart ist gut an ihrer unregelmäßigen grauweißen und dunkelbraunen gefleckten Zeichnung der Vorderflügel zu erkennen.

Die Larven dieser Lebensmittelmotten besitzen eine auffällige Kopfkapsel und eine weiß bis gelbliche Färbung. In diesem Entwicklungsstadium können die Tiere sieben bis zehn Millimeter groß werden.

Mehlmotte (Ephestia kuehniella)

Die Mehlmotte ist der Familie der Zünsler zuzuordnen. Diese Lebensmittelmotte besitzt eine recht große Flügelspannweite von 20 bis 25 Millimetern und eine Körperlänge von ca. zehn bis 14 Millimetern. Die Färbung dieser Motte kann recht unterschiedlich ausfallen, wobei ihre Vorderflügel meist bleigrau gefärbt sind und kleine dunkle Flecken besitzen. Die Hinterflügel der Mehlmotte sind meist heller gefärbt und besitzen einen silbrig weißen Farbton. Der Körper ist nahezu einfarbig und besitzt denselben Grauton wie die Vorderflügel.

Aus den Eiern der Lebensmittelmotte schlüpfen bereits nach 96 Stunden die ersten Raupen (bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius). In allen Stadien ihrer Entwicklung sind die Raupen weiß bis gelb weiß gefärbt und besitzen einen dunklen Kopf. Die Raupe der Mehlmotte kann bis zu 13 Millimeter lang werden und ist daher gut zu entdecken.

Mehlzünsler (Pyralis farinalis)

Der Mehlzünsler zählt, wie der Name bereits vermuten lässt, zur Familie der Zünsler und ist ein weit verbreiteter Vorratsschädling. Diese Lebensmittelmotte ist auffällig groß und besitzt eine Flügelspannweite zwischen 18 und 30 Millimeter. Farblich ist der Mehlzünsler gut an seiner besonderen Musterung zu erkennen: Der Flügelansatz ist dabei dunkelbraun bis violettbraun gefärbt und verläuft in eine Ockerfarbe. Der Kopf dieser Lebensmittelmotte ist dabei stets gelblich gefärbt.

Die Eier dieser Mottenart sind länglich oval, grauweiß gefärbt und etwa einen halben Millimeter groß. Nach dem Schlüpfen kann die Raupe 20 bis 25 Millimeter lang werden und ist damit schnell für Fressfeinde und Menschen sichtbar.

Reismotte (Corcyra cephalonica)

Die Reismotte zählt ebenfalls zur Familie der Zünsler, wird meist aus wärmeren Ländern importiert und kann nur in gut beheizten Räumen überleben. Dennoch kann auch diese Lebensmittelmotte großen Schaden anrichten und neben Reis auch anderes Getreide, Mahlprodukte, Kakaoprodukte sowie Nüsse und Trockenobst befallen. Diese in Deutschland verhältnismäßig eher selten anzutreffende Lebensmittelmotte besitzt eine Flügelspannweite von 15 bis 25 Millimetern und eine proportional kürzere Körperlänge. Die Vorderflügel der Reismotte sind glänzend grau bis elfenbeinfarben und besitzen zudem eine graue Äderung.

Aus den rund 400 klebrigen Eiern schlüpfen die Larven, die sich anschließen in Nischen und kleinen Spalten verpuppen. Die Larven der Speisemotten können bis zu 15 Millimeter lang werden wobei diese neben einer fast weißen Körperfarbe einen auffällig rotbraunen Kopf besitzen.

Samenmotte (Hofmannophila pseudospretella)

Die Samenmotte wird der Familie der Palpenmotten zugeordnet und zählt ebenfalls zu den Lebensmittelmotten. Der Falter besitzt eine Flügelspannweite von bis zu 23 Millimeter und weist zudem ein auffälliges Muster auf den Flügeln auf. So befinden sich auf den bronzefarbenen Vorderflügeln drei dunkle Flecken, die sich zudem am Flügelsaum wiederholen.

Damit die Larven aus den rund 600, rund 0,5 Millimeter großen Eiern schlüpfen können, bedarf es einer relativen Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent. Die Larven der Samenmotte können eine Länge von rund 16 Millimeter erreichen. Die erwachsene Motte besitzt eine natürliche Lebenserwartung von etwa 14 Tagen.

Lebensraum von Lebensmittelmotten

Der natürliche Lebensraum der Lebensmittelmotten ist selbstverständlich nicht der Küchenschrank. So leben Korkmotten beispielsweise primär in faulendem Holz oder Samenmotten vorzugsweise in Vogelnestern. Dennoch finden Lebensmittelmotten immer wieder den Weg in die Küche bzw. in den Vorratsraum, wo sie dann verschiedenste Lebensmittel befallen und immense Schäden anrichten können.

Lebensmittelmotten bzw. Küchen- oder Speisemotten kommen in fast allen Teilen der Welt vor und zählen überall als klassischer Vorratsschädling. Finden sie einmal den Weg in die menschliche Speisekammer, so muss man die Lebensmittelmotten bekämpfen, da sie ohne natürliche Fressfeinde oder spezielle Fallen bzw. Gifte nicht wieder von alleine verschwinden. Je nach Mottenart favorisieren die Insekten verschiedene Lebensmittel wie beispielsweise:

  • Backwaren
  • Gewürze
  • Hülsenfrüchte
  • Kakao
  • Kräuter
  • Mandeln
  • Mehl
  • Nüsse
  • Schokolade
  • Tiertrockenfutter
  • Trockenobst

Verhalten von Lebensmittelmotten

Meist werden Lebensmittelmotten erst dann bemerkt, wenn ein Teil der Lebensmittel bereits befallen ist und man einen oder mehrere ausgewachsene Motten in der Wohnung findet. Da Motten nachtaktiv sind, sitzen sie am Tag meist ruhig an den Wänden und sind so meist gut zu erkennen. In der Nacht sind sie sehr auffällig, da sie sich wie fast alle Mottenarten vom Licht angezogen fühlen und bereits eine eingeschaltete Glühbirne die Schädlinge anlockt.

Befruchtete Weibchen erkennt man gut daran, dass diese nur sehr kurze Strecken aktiv fliegen können. Meist bewegen sie sich auf der Suche nach einem Eiablageort krabbelnd oder in kleinen Sprüngen fort. Im Gegensatz zu den ausgewachsenen Faltern sind die Larven der Lebensmittelmotten tagaktiv. Sie spinnen meist ein weißes, sehr feines Geflecht, welches das Nährsubstrat überdeckt und verklebt.

Erste Maßnahmen gegen Lebensmittelmotten

Nur selten erfolgt ein Befall durch Lebensmittelmotten durch das Zufliegen eines geöffneten Fensters. In den meisten Fällen werden die Vorratsschädlinge passiv eingeschleppt, beispielsweise durch mit Eiern oder Raupen befallene Lebensmittel im Supermarkt.

Bei einem Nahrungsmittelbefall durch Lebensmittelmotten sollten alle betroffenen Nahrungsmittel sofort im Müll außerhalb des Hauses entsorgt werden und weitere Maßnahmen gegen die Lebensmittelmotten getroffen werden.

Lebensmittelmotten bekämpfen

Im nächsten Schritt muss man alle Lebensmittelmotten beseitigen. Bei der Bekämpfung von Lebensmittelmotten stehen einem heute verschiedenen biologischen und chemischen Mittel gegen Lebensmittelmotten zur Verfügung.

So gibt es Mittel gegen Lebensmittelmotten, die Repellentien nutzen. Dabei handelt es sich um Stoffe, die nachweislich die Motten vertreiben. Im Regelfall handelt es sich dabei um ätherische Öle, die für die Motten einen unangenehmen Duft besitzen. Als besonders wirkungsvoll hat sich hierbei Lavendelöl und Zedernholzöl herausgestellt.

Ebenfalls weit verbreitet und sehr effektiv gegen Lebensmittelmotten sind Schlupfwespen (Trichogramma evanescens). Diese Insekten zählen zu den natürlichen Feinden der Motten und können ganz ohne den Einsatz chemischer Mottenmittel die Lebensmittelmotten bekämpfen. Der große Vorteil beim Einsatz von Schlupfwespen gegen Küchenmotten ist, dass diese keine gesundheitliche Gefahr für Menschen oder Haustiere darstellen und die Schlupfwespen wieder von alleine verschwinden, wenn keine Motteneier mehr vorhanden sind bzw. keine mehr gefunden werden.

Um Lebensmittelmotten zu beseitigen kann man auch chemische Mottenbekämpfungsmittel setzen. Diese basieren auf insektizide Wirkstoffe und nutzen synthetische Nervengifte. Schädlingsbekämpfer raten aber häufig wegen der unnötigen Belastungsgefahr beim normalen Hausbefall von chemischen Mitteln ab.

Schutz vor Lebensmittelmotten

Bereits mit einfachen Mitteln kann man sich vor Lebensmittelmotten schützen bzw. einen Befall frühzeitig erkennen. So sollten Lebensmittel wie Mehl oder Gewürze regelmäßig auf kleine Larven oder weiße Geflechte kontrolliert werden.

Bereits beim Einkauf der Lebensmittel sollte, wenn möglich, bereits genauer hingesehen werden. Beschädigungen an der Verpackung können bereits auf einen Befall von Lebensmittelmotten hindeuten.

Nahrungsmittel, die auf der bevorzugten Speiseliste der Motten stehen und nach dem Öffnen nicht komplett verzehrt und wieder verstaut werden, sollen anschließend in verschließbare Glas- oder Kunststoffbehälter umgefüllt werden.

Auch wenn die meisten Lebensmittelmotten passiv in die eigenen vier Wände eingeschleppt werden, können Fliegengitter an Fenster und Türen das Zufliegen der Tiere aus der Natur verhindern.

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